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Osteuropäischer Krempel

Traum:
Mike, Moina und ich schlendern durch einen kleinen Sonderpostenmarkt, in dem osteuropäischer Krimskrams angeboten wird.
Während ich den Blick so schweifen lasse, fallen mir einige Ständer für ‚Gelbe Säcke’ ins Auge. Es sind blaue Ständer, die mir wegen ihrer Farbe gefallen. An einem der Ständer hängt sogar ein Auffangbeutel. Er ist aus seidigem Nylonstoff mit blau-weißen, blumigem Ornamentmuster. Das gefällt mir irgendwie und ich verspüre den Impuls, Mike darauf hinzuweisen. Vielleicht überlegen wir einen Kauf? Aber ach… so ein Quatsch, all diesen Plunder braucht man doch gar nicht.

Wir erreichen den Kassenbereich. Er liegt im Halbdunkel. Mike stellt sich an das Fließband der links stehenden Kasse, Moina und ich packen ein paar Kleinteile auf das Fließband der Kasse zur rechten Seite. Obwohl wir wirklich nur eine Winzigkeit gekauft haben, stellt die Kassiererin einige Gratis-Pröbchen dazu. Ölbäder von Kneipp, Sanddorn- und Lavendelöl von Weleda. Leicht beschämt und errötend bedanke ich mich bei ihr und sehe dann, dass es sogar noch mehr ist, als ich anfangs sah. Ich dachte, sie habe jeweils zwei Schächtelchen für jeden von uns dazugelegt, aber es sind doch mehr? Vielleicht ein Irrtum? Meine Gier erwacht und ich überlege, mir nichts anmerken zu lassen und kein Wort darüber zu verlieren. Einfach einstecken. Aber ich bringe es nicht über mich und weise sie darauf hin, indem ich die Schächtelchen paarweise sortiert anordne und sie dann mit fragendem Blick anschaue.
Sie nickt: „Ja, das ist ganz richtig so; es ist alles für Sie!“
Uih, das ist ja echt nett und großzügig!

Wir treten ins Freie. Angenehm, die frische Luft. Vor uns ein langgestreckter Tapeziertisch, der mit einem sonnengelben abwaschbaren Tischtuch bedeckt ist. Einiger Krempel steht darauf, wie bei einem Trödelmarkt. Das ist unser Kram, den wir zum Überwintern an diesem Ort zurückgelassen hatten. Das ist inzwischen ein Dreivierteljahr her und somit ist es an der Zeit, die Sachen in unsere derzeitige Wohnung zu transportieren. Aus diesem Grunde wurden die Sachen wohl auch nach draußen verlagert. Tja, alles nicht so einfach, da wir mit Fahrrädern hier sind. So lassen wir erst einmal einen größeren Teil hier zurück. Mike und Moina machen sich auf den Heimweg.

Ich finde mich in der zweiten Etage einer alten, halb abgebrochenen Holzhütte wieder. Wir befinden uns hier mitten im Umzug. Ein oder zwei Ebenen tiefer höre ich den Mitbewohner mit einer weiblichen Bezugsperson – eine Tante? – telefonieren. Er ist Jugoslawe, etwa 55 Jahre alt, hager, sonnengewöhnte Haut, seine Wangen eingefallen, die Haare kräftig, stumpf und dunkel. Er beschwert sich gerade bei der Person am anderen Ende der Leitung darüber, welch einen Lärm wir während der Ruhezeiten veranstalten.. Es sei sehr störend und er finde gar keine Ruhe. In seiner Stimme schwingt Verzweiflung mit.
Ich überlege… Ist Moina wirklich so laut während der Ruhezeiten? Eigentlich schläft sie dann ja selbst. Okay, abends vor dem Schlafengehen und in den frühen Morgenstunden, da dreht sie noch mal so richtig auf und tobt laut herum.

Ich gehe die Treppen runter, um die Hausecke herum. Dort sitzt der telefonierende Jugoslawe, mit dem Rücken an die Bretterwand unserer einfachen Behausung gelehnt. Von tiefem Mitgefühl erfüllt lege ich meine Hand auf seinen Arm, ihn ein wenig streichelnd und erzähle tröstend: „Es ist bald vorbei! Wir ziehen diese Tage aus.“
Unwirsch, ohne mich eines Blickes zu würdigen, schüttelt der Mann meine Hand von seinem Arm. Er will nichts mit mir zu tun haben.

Am Tapeziertisch. So, dieses Mal muss all das Zeug mit. Wenn das gelingen soll, muss ich wohlüberlegt vorgehen. Erst einmal einen Überblick verschaffen. Leider sind meine Augen damit überfordert. Zwar sehe ich dieses oder jene Teil ganz konkret – beispielsweise Turnschuhe von Moina, Stoffe, kleinere Haushaltsgegenstände – aber immer dann, wenn ich die Gesamtheit überschauen will, verschwimmt die Sicht. Mehrmals versuche ich es. Immer mit dem Ergebnis, nur Details erkennen zu können. Das ist so anstrengend, dass ich davon ablasse und zur Straße gehe. Dort steht ein Wagen von der Sperrmüllabfuhr. Und gerade als ich die beiden Arbeiter darauf hinweisen will, dass die Sachen auf dem Tapeziertisch nicht für den Sperrmüll gedacht sind, sehe ich: Ojeeee! Es wurde bereits alles in das Fahrzeug geworfen. Der Schredder zermahlt gerade das letzte Stück. Zu spät! Hm… so recht bedacht: Wir haben die Sachen nun ein Dreivierteljahr nicht gebraucht, nicht vermisst. Ja, ich könnte noch nicht einmal benennen, welche Dinge es waren! Es kann also gar keinen Verlust bedeuten.

Notiz:
Dieser Traum wurde vom OK-Versand gespeist, wo ich gestern rumgestöbert habe.

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