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Aschenputtel und chinesisches Schachspiel

Die Musik zum Traum:

Traum:
Am Fenster – Wiederverstehen

Ort: Ein weitläufiges Haus, evtl. Winkelform, viel Naturholz, aufgeräumt und sauber. In diesem Haus wohne ich offensichtlich seit einiger Zeit.

Es gibt Unruhe im Haus. Eine lebenslustige Frau, eine junge Vierzigerin, ist eingetroffen und wird eine Weile zu Gast bleiben.. Wir machen uns für den Abend fertig. Heute wollen wir Tanzen gehen, und ich freue mich drauf. Die lebenslustige Frau sieht richtig gut aus. Sie ist superschlank und macht in ihren Klamotten eine gute Figur. Sie leiht sich ein paar Klamotten von mir, da sie nicht viel im Gepäck hat. Gerade zeige ich ihr eine Bluse – ich kann mich nicht mehr genau erinnern, ob sie schwarz oder weiß war. Sie hängt an einem Kleiderbügel, den ich hochhalte, mit fragendem Blick und einem leichten Gefühl der Unsicherheit. Diese Bluse ist schon etwas älter. Vielleicht gefallen die schrägen Biesen nicht so. Ihr Freund ist auch präsent, wenn auch nicht körperlich, aber so doch seine Meinung. Gut, die Bluse gefällt ihr und ihm, sie trägt sie schon. So hole ich eine Hose aus dem Kleiderschrank – in meinem früheren Kinderzimmer – und biete ihr diese an. Nein, das sei nicht nötig, mit ihrer Hose sei sie zufrieden. Sie trägt eine enge Röhrenjeans mit unregelmäßigem Streifenmuster in hauptsächlich Schwarz mit Grau. Ja, sie schaut gut aus. Welch eine Hose habe ich hier eigentlich in den Händen? Ah so, es ist eine schwarze Hose mit Kellerfalten im Bereich der Wade. Na, die wäre der Frau sowieso etwas kurz gewesen. So sieben Achtel vielleicht.

Aufbruch und eine Bahnfahrt. Unterwegs muss ich einmal umsteigen und bemerke erst jetzt, dass ich meine Umhängetasche irgendwo liegen lassen habe. Oje, da ist mein Portemonnaie drin! Ach herrjee, und meinen Koffer habe ich mindestens eine weitere Station früher zurückgelassen. Ich habe gar nichts mehr bei mir. Sogar einen meiner Schuhe habe ich verloren. Ich hatte High Heels aus hellbraunem Leder, nahtlos verarbeitet, mit nach unten zulaufendem spitzen Absatz angezogen. So laufe ich, mit einem Schuh an den Füßen, zurück, um meine Umhängetasche an mich zu nehmen. Hoffentlich ist mein Portemonnaie noch drin!

Ich habe Glück, bin erleichtert, das Geld ist noch da. Umgehend mache ich mich auf den Heimweg und stehe vor meiner Haustür. Die lebenslustige Frau öffnet mir und ist sehr erstaunt über meine Rückkehr. Während ich eintrete, stelle ich meine Umhängetasche ab und greife nach wenigen Schritten zielstrebig unter ein kleines rundes Beistelltischchen, das hier im Flur steht. Da drunter nämlich hat sich mein zweiter Schuh verfangen. Ich hatte ihn hier verloren. Den Schuh hochhaltend, verkünde ich: „Mit nur einem Schuh brauche ich nicht tanzen gehen; das macht ja keinen Spaß.“ Die lebenslustige Frau zeigt sich überrascht, geht zurück ins Haus, wo sie es sich mit einer Freundin gemütlich gemacht hat. Sie wartet auf ihren Freund, der sie sicherlich schon bald zum Ausgehen abholen wird.

Im Esszimmer. An dem ovalen Tisch aus Kirschbaumholz sitzt die Lebenslustige. Ihr gegenüber sitzt eine Erwachsene, die durch Moina repräsentiert wird. Die beiden Frauen spielen chinesisches Schach. Anstelle der üblichen Schachfiguren liegt einige Buntstifte beisammen auf den jeweiligen Feldern des Schachbretts. Je nach Bedeutung der Schachfigur, die durch die Buntstifte repräsentiert werden, sind es mehr (stark) oder weniger (schwach) an der Zahl. Überwiegend sind es Buntstifte aus edel schwarz lackiertem Holz. Vereinzelt dazwischen Stifte in Gelb, Rot und Weiß. Die Lebenslustige ist am Zug und ich schaue interessiert zu, um die Spielregeln zu ergründen. Ihr Zug ist unerwartet! Eigentlich hätte es ein Rösselsprung sein müssen, aber sie hüpft mit ihrem Buntstiftbündel über jede einzelne Buntstiftfigur und sammelt diese dabei ein. Jedes Überspringen einer Buntstiftfigur ist mit einem Gewinn gleichgesetzt. Jedes Mal entsteigt dem Schachbrett nämlich ein Kleidungsstück. Es sind neue Klamotten, die die Lebenslustige am Vormittag besorgt hatte. Schicke Sachen, und alle fallen relativ klein aus: Konfektionsgröße 32. Alles ist nach dem Geschmack und Format der Lebenslustigen. Und sie heimst ja auch eines nach dem anderen ein. „Hey, Du hast ja wohl auf Gewinn gesetzt, als Du einkaufen warst?!“, rufe ich ihr zwinkernd zu. Es ist wohl eindeutig, dass sie alle Kleidungsstücke für sich ausgewählt hat. Weder Moina, noch ich, noch die anderen unerwähnten Mitspieler würden in die schmalen Teile passen. Okay, wieder entsteigt ein Rock dem Schachbrett; er ist aus weichem Jersey mit weichem Gummizugbund, in Grün- und Türkistönen, wunderbar und man könnte sagen, dass dieser uns allen passen könnte. Aber ihr passt er auch! Erst ist sie eingeschnappt, als ich das so laut ausspreche, dann aber zeigt sie sich gleichmütig und sagt nicht ein Wort zu ihrer Verteidigung.

Da kommt ihr Freund! Er ist etwa in meinem Alter, total nett, humorvoll und aufgeschlossen. Manchmal lacht er mir schelmisch zu. Wie ein guter Kumpel ist er und ich würde mich rundum wohl mit ihm fühlen, wenn er mir nicht so tiefgründende Fragen stellen würde. Mir fehlt es nicht an Antworten, aber seine Fragen berühren sachte meine Schattenthemen – zumindest erkläre ich mir das so, da ich das Antworten als etwas anstrengend erlebe. Naja, aber gleich wollen die Frau und er ja Tanzen gehen.

In einem Nebenzimmer steht ein langer Tisch, dessen Kopfende an einer Wand mit Panoramafenstern mündet. Keine Vorhänge oder Gardinen verwehren den Blick hinaus. Durch die Fensterscheiben sehe ich das Dunkel der Nacht und am Rande wenige Spiegelungen auf dem Glas. An dem Tisch sitzt ein Mann mit Cowboyhut; der Freund der Lebenslustigen. Sein Stuhl steht direkt am Fenster. Ich setze mich an seine linke Seite. Er sitzt mir gegenüber am Tisch und schaut mich lächelnd an. Auch wenn es sich so liest, als sei er zweimal im Raum, so ist er nur einmal präsent; dies aber gleichzeitig an beiden Plätzen. Er spielt Gitarre und Musik erfüllt den Raum. Ah, das Stück kenne ich! Mit rauchiger Stimme und aus voller Brust singe ich mit. Es macht mir nichts aus, dass ich den Text kaum mehr kenne. Meist ist es nur ein Wort in jeder Zeile. Ich spüre total viel Freude beim Singen. Dem Mann gegenüber am Tisch rufe ich vergnügt zu: „Das ist ‚Am Fenster’! Von ‚City’!!“
Meine Wahrnehmung wandert nach rechts, zu dem Mann neben mir und ich überlege, dass ich ihm das eigentlich gar nicht sagen müsste. Er kommt doch aus dem Osten und dürfte das sicherlich von früher kennen. Hmm hmm, ich bin allerdings gar nicht sicher, ob das eine Ost-Band war. Naja, ist auch egal; ist’n geiler Song und ich singe immer weiter. Der Mann neben mir korrigiert manches Mal meinen Gesang: Ich mache mir mit der zweiten Liedzeile halt immer einen Reim auf die erste Zeile, aber das Reimwort ist nicht immer das zum Liedtext gehörende. Das ist so lustig, immer wieder muss ich lachen; es ist einfach herrlich. Der Mann grinst verschmitzt und schaut mich wohlwollend an – trotz meiner Fehler. Und da, wieder: „Lalala lalalala… wenn wir uns wiederverstehen!“, singe ich laut und ich registriere den rauchigen Klang. Schlampenstimme, denke ich vergnügt.
Lachend sagt der Mann: „Es heißt ‚wenn wir uns wiedersehen’.“
Ach ja, stimmt! Wieder lache ich und erkläre: „Unbewusst singe ich immer das, was ich wirklich sagen möchte!“ Dadada… mein Körper tanzt innerlich auf dem Stuhl.

Notiz:
Gestern Mah-Jongg Solitaire gespielt. Moina probierte Computer-Schach.

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5 Antworten zu Aschenputtel und chinesisches Schachspiel

  1. REPLY:
    Keine Frage, das wird Dir ganz einfach so gelingen, sozusagen aus den Urgründen Deiner Persönlichkeit heraus. ;-)

  2. REPLY:
    Ach naja, lassen wir die Urgründe der Persönlichkeit doch mal beiseite…;-)

  3. REPLY:
    Höy, Du machst Deinem Namen ja alle Ehre, Du Wilder! Oder interpretiere ich da jetzt zu viel hinein? *grins*

  4. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    *schweigt und grübelt über die Urgründe ihrer Persönlichkeit*

  5. REPLY:
    Nö. :-)))