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Existenzberechtigung vor Flugreise

Traum vom 29. Oktober 2009

Im dritten oder vierten Stock eines Amtsgebäudes auf dem Flughafengelände. Check-In in einem kleinen Gerichtssaal – einige Mitreisende und ich werden untersucht und müssen Tests bestehen, damit die Flugreise genehmigt wird.

Wir – etwa acht Passagiere – stehen vor einer vielleicht nur gedachten Linie – Brust raus, Bauch rein, Haltung einnehmend. Links von uns befindet sich der holzvertäfelte Richtertisch. Dahinter die Richterin mit Beisitzerinnen. Eine Reihe von Fragen werden gestellt. Auf die aktuelle Frage weiß niemand von uns Antwort. Schweigen. Ich kenne die Antwort, denke aber: wenn die anderen sie nicht kennen, vielleicht deshalb, weil es nicht in Ordnung ist, die Antwort zu kennen, da es sich dabei womöglich um ein Geheimnis handelt, über das man nicht sprechen darf. Aber: ohne Antwort keine Flugerlaubnis. Ich gebe mir also einen Ruck und antworte. Die Antwort ist richtig – ein erleichtertes Raunen geht durch die Reihe.

Die Richterin fordert als nächstes unsere Existenzberechtigungen vorzulegen, oder wenigstens Belege für unsere Existenz. Liana, die Tochter der dunkelhäutigen Colin, läuft gleich hinaus und kommt bald darauf mit einer Diskette zurück, überreicht diese der Richterin, die diese gleich in den Rechner schiebt und einliest. Nicht lang, da lehnt sich die Richterin, offenbar innerlich zurückweichend, zurück und gibt dem Mädchen die Diskette mit den nüchternen Worten „Da ist’n Virus drauf“ zurück. In diesem Augenblick stürzt Colin mit zusammengekniffenen Beinen an das große Panoramafenster mit Blick auf die Startbahn. Deutlich sehe ich die perlmutern glänzende Süßwasserperle an ihrem Ohrläppchen. Sie sagt: „Entschuldigung, ich muss mal dringend.“ Verständlich, dass sie zur Toilette muss; das dauert hier ja schon so lange. Sie will sich beim Blick aus dem Fenster vergewissern, dass der Flieger noch da ist. Ich überlege, komme rasch zu dem Ergebnis, dass ich diese Diskette nicht in mein System eingeführt hatte, also keine Virusinfektion zu befürchten habe. Das kann mir also egal sein.

TOCK TOCK – die Richterin schlägt mit dem Holzhämmerchen auf den Pult und verkündet: „Die Flugreise ist genehmigt!“

Nun geht alles sehr schnell. Noch ein paar Sachen müssen in den Koffer. Vor mir liegen Kleider und Schuhe, die noch in mein kleines Handgepäck-Köfferchen sollen: vanillegelbe Leinenschuhe, graue Laufschuhe, ein Pyjamaoberteil aus rotem Jersey und eines aus cremeweißen Frottee. Ziemlich viel, das wird viel zu eng. Ich zwinge mich zum Innehalten und klarem Überlegen…. Wie lang ist die Reise? Wegen der zwei oder drei Übernachtungen braucht es doch gar nicht so viel. Ist doch Wahnsinn, für alle meine Interessen die geeigneten Schuhe mitzuführen.

Es wird ganz leicht in mir, als mir bewusst wird: Es muss gar nicht alles mit!

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