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Sexy Stimme im Koberfenster

Traum:
Im Hintergrund dunkelt die Nacht durch zahlreiche Fenster. Der Tisch hat zur linken Seite einen Sichtschutz – wie im Knast. Victor sitzt mir gegenüber. Wie verabredet sind wir zu einer Besprechung zusammen gekommen. Nach nur wenigen Sätzen übernehme ich, obwohl völlig ungewollt, die Gesprächsführung. Genauer gesagt, mache ich Sprechübungen mit Victor, denn ich finde, sein Deutsch ist noch zu verwaschen. So spreche ich ganz langsam einen Satzteil vor, der eine zu übende Vokabel enthält, und fordere ihm zum Nachsprechen auf. Dies wiederholen wir einige Male mit immer anderen Vokabeln. Meiner Stimme habe ich ein erotisch-rauchiges Timbre verliehen, ohne dass ich es beabsichtige. Das wundert mich. Und obwohl ich mich wundere, wie das sein kann und so fort, verstärkt sich diese Klangfarbe noch. Warum mache ich das bloß? Zu so etwas bin ich fähig?? Hm. Es fällt auch Victor auf, von dem ich mir allerdings verspreche, dass er mir eifrig nachmacht. Auch anderen fällt meine Stimme auf und bald darauf werde ich zum Marktleiter gerufen.

Nach einem Weg durch ein weitläufiges Gebäude, betrete ich das Büro des Marktleiters. Nur unbewusst registriere ich, dass mir das Gebäude vertraut ist. An den speziellen Fenstern erkenne ich das Verwaltungsgebäude der Postbank wieder. Diese Fenster bilden zwei der Außenwände. Draußen ist es nachdunkel. Der Marktleiter sitzt auf einem Holzstuhl.

Mit lässigem Schwung ziehe ich einen zweiten Stuhl vor seine Knie und setze mich. Im Raum ist es dunkel. Ein weicher Spot wirft ein mildes Licht auf uns beide. Ich stelle meine große schwarze Tasche auf die Knie; somit auch auf seine Knie, die ja ganz nah. Vergnügt und unbeschwert öffne ich den Reißverschluss der Tasche, weite die Öffnung und neige sie ihm zu, damit er freien Einblick hat. Ganz automatisch betrachte auch ich den Tascheninhalt: Fotoapparat, Mp3 Player, Geldbörse, Handy, Holzkamm, Ink Pen, Brillenetui, Dr. Hauschka Lippenpflegestift, Notfalltropfen, ein Handtuch für die Strahlentherapie. Ein gutes Gefühl – ich habe nichts zu verbergen! Der Marktleiter wirkt anfangs überrascht, verblüfft. Schon bald ist seinem Verhalten anzumerken, dass ich mit meiner Offenheit seine Sympathie gewonnen habe. Mit einem anerkennenden Lächeln schaut er mich an und offeriert mir einen Arbeitsplatz, an dem ich mich ratzdifatzdi wiederfinde:

Ich sitze direkt vor einem der nachtdunklen Fenster, ähnlich wie in einer, zur rückwärtigen Seite hin offenen Glasvitrine – was mich nachdrücklich an ein sogenanntes Koberfenster denken lässt. Oder anders beschrieben: es lässt an das kleine Fernsehstudio „Up’s Up’n Swutsch“ neben der Bremer Stadthalle denken. Immer wieder kommen Passanten während ihres Abendbummels vorbei. Von außen nicht sichtbar: über mir hängt eine Mikrofonanlage, die meine Stimme über Lautsprecher nach draußen trägt. Ich soll nun mit meiner speziell erotischen Stimme eine Art Radio-Sendung moderieren. Womöglich eine solche auch mehr imitieren, denn letztendlich geht es darum, dass ich bestimmte Werbeeinlagen unter die Menschen bringe. Ja, und meine sexy Stimme soll gewährleisten, dass auch alle herhören.

Das kommt nun alles etwas plötzlich. Eine ganze Weile ist erst einmal Funkstille. …

Einblicke:

„In der Herbertstraße klopfen die Huren mit den spitzen Absätzen ihrer Stiletto-Pumps ans Fenster, um Freier auf sich aufmerksam zu machen.“

Quelle: Die Sozialarbeiterinnen der Libido – Abendblatt.de vom 6. Dezember 2005

„In einer Straße nahe der Davidswache an der Reeperbahn – waren beide Häuserreihen mit Schaufenstern geschmückt, in denen die Ware und deren Verkäufer ein und dasselbe waren: Zwischen den Fenstern und den Vorhängen, die einen Meter hinter den Scheiben aufgehängt waren, saßen auf Stühlen oder Sesseln Damen, die auf Kunden warteten.“

Quelle: ZEIT online: Geschlossene Gesellschaft – Die neue moralische Welle auf St. Pauli (DIE ZEIT 33/1962)

Erfahrungsbericht: Öffnung der Herbertstraße für Frauen?

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