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Spiralförmige Schifffahrt

Worpswede
Traum:
Die Zeit reicht für eine kleine Schiffsrundfahrt. Zwar nicht weit aufs Meer hinaus, aber immerhin ein wenig aus der Bucht hinaus – weiter Blick. Die Aussicht ist von atemberaubender Schönheit. Am Horizont eine große dunkle Wolke, die von einem märchenhaften Glitzern durchdrungen ist. Es ist so wundervoll. Ich nehme den Fotoapparat, um eine Aufnahme von diesem berührenden Naturereignis zu machen. Als ich den Ausblick mit dem Sucher eingefangen habe, geht eine großgewachsene Frau mit glatten blonden Haaren über das Deck. Ganz langsam, dennoch entsteht ein wenig der Eindruck, als dränge sie sich in das Bild. Das ist blöd, denn gleich ist die Gelegenheit vorüber, aber die Frau bleibt nach wie vor im Bild. Mit einer rudernden Armbewegung deute ich ihr an, sie möge doch schnell beiseite gehen. Sie reagiert nicht, so als sei sie ganz woanders. Inzwischen sind wir an dieser Aussicht vorbei. So schlimm ist es nicht, denn dieses Ereignis überhaupt miterleben zu dürfen, ist mir ein großes Glück.

Die Schifffahrt geht weiter. Sehr traumhaft, ohne Vehikel, gleite ich seitwärts weiter nach rechts. Über Land und bald einen sanft geschwungenen Berg hinauf. Fortwährend versuche ich die wunderbaren Eindrücke mit dem Fotoapparat festzuhalten. Eine Sehenswürdigkeit reiht sich an die nächste! Jedoch ist die Reisegeschwindigkeit so hoch, dass ich eh keine scharfe Aufnahme zustande bringen kann. Gerade jetzt: gemütliche Häuschen, jenen im Alten Land ähnelnd; weiße Fensterrahmen oszillieren zwischen roten Klinkersteinen. Märchenhaft, traumhaft. Weiter geht die Fahrt… spiralförmig der Weg hinauf. Kurz befürchte ich, es könne schon bald einer rasanten Geisterbahnfahrt gleichen, denn ich erinnere gerade mindestens eine solche Erfahrung aus dem Traum-Wachleben. Okay, damals führte die Fahrt zwischen gruselig grauem Gemäuer entlang, während sich die Landschaft heute in feucht-frischem Grün zeigt. Immer noch versuche ich – bisher vergeblich – eine Aufnahme zu machen! Als ich die Kamera von meinen Augen löse, bemerke ich eine Bewegung auf dem Display: rote Zahlen zeigen an, dass ich 743 fortlaufende Aufnahmen ausgelöst hatte. Es tickern gerade Zahlen im 40er Bereich über die Anzeige. O jeee! Ich will doch keinen Film davon machen! Schnell drücke ich den Auslöser und beende diese Funktion. Puh! Es macht doch eh alles keinen Sinn so. Will ich das schöne Erleben wirklich durch ein Festhalten mindern? Nein.

Bald ist der Hafen erreicht – mein Körper gleitet über die Meeresoberfläche hinweg. Das ist mit einem ganz speziellen Gefühl verbunden, so als würde ich umgehend und ohne Zeit zu verlieren, an einen anderen Ort versetzt. Schade, die schöne Schiffsreise ist also zu Ende. Andererseits ist es auch schön, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.

Bald sitze ich in einem Küstenrestaurant vor einem Panoramafenster mit Blick auf das Meer. Mit am Tisch eine kleine Reisegesellschaft; irgendwie vertraut, womöglich familiär. Frank geht mit einem Topf Zwiebelsuppe um den Tisch und bietet allen davon an. Ich lasse mir davon zwei Esslöffel voll in mein Turtlesoup-Tässchen geben. Denn die Zwiebelbrühe soll eine ähnlich gesunde Wirkung haben, wie das Trinken von heißem Ingwerwasser. „Bitte ohne Zwiebelwürfel!“ rufe ich aus, da ist es aber schon geschehen. Naja, zu spät. Der Ältere, rechts neben mir, sagt in moderatem Tonfall: „Gib mir die Zwiebelwürfel. Ich nehme sie Dir ab.“

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