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Kuschelparty-Zumba für Senioren

Traum vom 2. November 2009

In einer kleinen Boutique entdecke ich Jacken für den Herbst. Könnte gut eine gebrauchen. Die Modelle, die ich ins Auge fasse, hängen an einer Kleiderstange unter der Decke. Ein Angestellter ist eh gerade dabei, diese Jacken zu ordnen und reicht, auf meine Bitte hin, die Jacke an einem Dachlukenhaken her. Leider ist es nicht das gewünschte Modell, aber schick ist sie: grauer Strick aus edler Schurwolle. Schwups ist sie anprobiert, der Reissverschluss hochgezogen. Schade, sie ist einfach zu luftig für eine Herbst-/Winterjacke.

Als ich wieder zu mir komme, ist geraume Zeit vergangen und ich bin allein in der Boutique. Mittagspause – Inhaberin und Angestellte sind gegangen. Abgeschlossen. Sie dachte sicherlich, ich würde so bald nicht wieder aufwachen und ließ mich deshalb einfach hier.

Dann sitze ich auf einer der Toiletten, die sich in den Umkleidekabinen befinden. Der Toilettensitz ist aus billigem haltlosen Plastik. Mike hatte angeboten, ich könne mich, während er hier sitzt, auf seinen Schoß setzen und er würde mich dann mit einem entleerten Rote-Bete-Glas mit blauen Deckel befriedigen. Na, ich weiß nicht… eine solch wackelige Toilettenbrille würde mich vermutlich zu sehr ablenken. Die hält einem erregten Gewackel eh nicht stand. So sitze ich nun also allein, schaue auf die beiden weißen Plastikschildchen, die von links und rechts in Brusthöhe gehalten werden. Vermutlich Teil der Rundum-Dusche, die in diese Toilette integriert ist.

Ich trödele… und während ich durch die verlassene Anna-Küche gehe – von der Waschküche in Richtung Treppenhaus – fällt mir ein, dass ich heute Nachmittag Dienst habe. Angenommen, Amy erscheint ebenfalls nicht, dann ist dort geschlossen. Es ist 16:30 Uhr!! Diese Bewusstwerdung macht mich schwindeln, wanken, die Sinne drohen zu schwinden. Schlechtes Gewissen. Womöglich erwartet mich großer Ärger.

In einem über einer Sporthalle liegendem Gymnastikraum findet eine Zumba-Stunde statt. Der Mann – bei ihm handelt es sich um einen Geschäftsmann in grauer Kleidung, den ich offenbar seit einiger Zeit vom Sehen her kenne und näher kennenlernen möchte – hat sein Sakko abgelegt und tanzt mit weit geöffneten Schenkeln und stark wippendem Becken Zumba. Vielleicht ist es seine geschäftsmäßige Hose, die zappelige Krawatte vor dem altrosa Oberhemd, oder auch sein konservativer Haarschnitt, die graumelierten Haare leicht wellig,.. Welch ein lächerliches Bild er abgibt. Fast schäme ich mich für ihn. Was macht er hier auf dieser Kuschelparty? Vage drängt sich die Erinnerung in den Sinn, dass ich selbst kürzlich erwog, an einem Zumba-Kurs teilzunehmen. Das sollte ich mir vielleicht noch einmal überlegen.

Später sehe ich den Mann erneut. In einem Gastraum, wo eine Zusammenkunft von Senioren stattfindet. Er sitzt auf einem Stuhl an der Wand, mit Blick auf das Geschehen, aber doch mehr im Hintertreffen. Nachdem ich eine Weile in seiner Nähe herumstand und abwartete, ohne dass sich ein Gespräch entwickelt hätte, gehe ich auf ihn zu, um eine Annäherung zu ermöglichen. Moina an der rechten Hand haltend, erzähle ich ihm amüsiert davon, dass ich die Hälfte der Strecke (auf dem Weg zu diesem Treffen) mit dem Flugzeug zurückgelegt habe. Ein Witz, wenn man die Gesamtstrecke von 500 km bedenkt. Lachend erzähle ich: „Der Flug war so kurz, dass es nicht mal zum Pinkeln reichte!“
Ich finde es jedenfalls komisch, eine so kurze Flugreise hinter mir zu haben. Der Mann jedoch zeigt sich ungerührt. Kein Blick, keine Antwort, noch nicht einmal die leiseste Reaktion in seinem Gesicht, obwohl ich direkt vor ihm stehe. Etwas enttäuscht setze ich mich auf dem Stuhl neben ihn. Nicht lange, da kommt eine Seniorin und fragt, ob der Platz noch frei sei. Ich stehe auf, sage „Ja“ und überlasse ihr diesen. Gehe hinüber zur gegenüberliegenden Wand und schaue nun auf die kleine Gesellschaft. Ich fühle mich gut. In meiner dunklen Kleidung, dem kurzen Rock – schlank, fit, aufrecht, angemessen gekleidet. Soll er mich ruhig aus der Entfernung sehen – auch gut.

Eine Tafel in Rechteckform – rundum sitzen Landfrauen und -männer. Alle so um die sechzig Jahre alt. Eine der Frauen beginnt zu singen. Rechts der Rechtecktafel eine lange Tischreihe, an der Frauen sitzen, die alle eine ähnliche Bluse tragen: weiße Punkte auf gelbem, pinkfarbenem, schwarzem oder grünem Grund. Sie alle tragen Brille, haben eine Hausfrauendauerwelle und schauen unbewegt zur Rechteckttafel. Die Sängerin ist gerade bei einer nachdenklichen Passage – Erinnerung an junge Jahre – angekommen. Während sie sorgfältig singt, hebt sich ihre linke, sehr fein in hübschen Schwung gezupfte Augenbraue – ganz wenig nur, aber doch so viel, dass das helle Muttermal oder die Warze darüber erst auffallen. Diese fast unscheinbare Geste ist berührend, ihr Gesicht wirkt verjüngt, als sei sie gerade erst Vierzig. Aber genau darum geht es ja; sie ist so jung geblieben, zählt aber aufgrund ihrer äußeren Erscheinung doch zu den Senioren und ist somit alt. Die Jugend liegt weit zurück und bietet nun auch bestimmten Üblichkeiten eine sentimentale Stimmung. Als mein Blick wieder zu den Damen in Pünktchenblusen schwenkt, spüre ich betroffen die aufsteigenden Tränen. Das kann ja wohl nicht sein! Eine solche Rührung bei einer solchen Schnulze!!

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