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Poet in Seemannskiste

Traum:
Durch irgend etwas oder irgendwen alarmiert, treten einige Bewohner und ich an die Terrassentür einer vorübergehenden Unterkunft. Einige Meter vor uns schlagen orangerote Schlangen Flammen bis zu drei Meter hoch. Fast mehr noch fällt der rußig schwarze Rauch auf, der die Flammen dick ummantelt. Weiter links, auf gleicher Höhe, am Rande einer kleinen Straße, fällt ein Gebäude auf, das Teil einer geschlossenen Hausreihe ist. Es ist, obwohl es die Fassade eines Hochhauses zeigt, kleiner und gedrungener als die Gebäude daneben. Es ist ein komprimierter Gebäudeteil – massiv, kompakt, und wie mit Stahlwänden gepanzert. Das Ding steht augenscheinlich unter innerem Druck/Hochspannung. Die Flammen zeigen es auf: es ist nur noch eine Frage der Zeit, dann fliegt das Teil in die Luft! Die zu erwartende heftige Explosion stellt auch eine Gefahr für die benachbarten Gebäude dar.

Wir eilen zurück ins Haus, und packen unsere Sachen. Ich stehe vor dem Tisch, der während meiner Kindheit in der Diele der Großeltern stand. An diesem Tisch, oder auch darunter, saßen wir während der Gewitter. Die gepackten Koffer daneben. Meine Handtasche steht vor mir und ich will meine Brillen – Lese- und Fernbrille – einpacken. Dabei bin ich von einem so durchschüttelnden Beben erfüllt, dass meine Hände heftig zittern. Immer wieder rüttele ich so die Brillen im Etui hin und her, so dass es sich nicht schließen lässt, weil die Brillenbügel herausragen. In der Eile werfe ich dann alles so, wie es ist, in die Tasche und werfe noch schnell einen Lippenpflegestift von Dr. Hauschka hinterher.

Ich laufe raus, auf eine große Scheune zu, die direkt am komprimierten Gebäudeteil angrenzt. Im Gegensatz zu meiner Wahrnehmung vor wenigen Minuten wirkt nun alles ganz harmlos und entspannt. Ich spüre weder Spannung noch Druck. In der Scheune ist es weit und luftig, die Bretterritzen lassen etwas Tageslicht durchdringen. Die anderen Bewohner haben hier bereits Schutz gesucht und auf Pritschen Platz genommen.

Ich registriere die Präsenz der andern und trete innerhalb der Scheune durch eine Zimmertür, die in das angrenzende Gebäude mündet. Ich tue dies mit einer solchen Selbstverständlichkeit, als sei es nicht das erste Mal. Im Halbdunkel des kleinen, sehr kompakt wirkenden Raumes steht eine Seemannskiste. Sie wird einstmals mit türkiser Farbe bestrichen gewesen sein, heute ist nur noch ein Schimmer davon zu sehen. Ein messingfarbenes Vorhängeschloss hängt am Deckel der Kiste, ohne mit dem Korpus verbunden zu sein. Der Deckel hebt sich zu einem Spalt und ich sehe einen blonden Schopf aus dem Dunkel der Kiste auftauchen, kurz darauf auch das Gesicht: Michael Perkampus. „Hey, Du bist das!“, rufe ich erfreut aus und hebe die Hand zum Gruß. Inzwischen hatte er den Deckel bereits wieder zugehen lassen, hebt ihn erneut an um meinen Gruß freundlich zu erwidern. Als ich nun nochmals ein Hallo zurufe, ruft er mir nur noch ein sehr bestimmendes „Nun ist aber gut!!!“ zu und der Deckel fällt wieder zu. Ganz klar, damit ist die Begegnung für heute beendet. Ich konnte gerade noch erkennen, dass die Kiste mit rot schwarz changierendem Stoff ausgeschlagen ist und er darin wie in einem Sarg liegt. Na, das erinnert aber arg an Dracula, oder? Während ich über die Schwelle zurück in die Scheune gehe, denke ich: Kein Wunder, dass er in der Lage ist, 14 Stunden lang ununterbrochen Träume zu schreiben! In der Kiste ist er von ablenkenden Außeneinflüssen ja völlig abgeschirmt!

Notizen:
Der Stoff in der Seemannskiste wurde eindeutig von dem Bild inspiriert, das auf der Route 666 herumliegt. Dabei könnte ich damit doch noch 6 Tage warten.

Das ’14 Stunden andauernde Träume schreiben’ lässt etwas anklingen, was ich kürzlich las: Februar, Fünf, Acht

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