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Homoerotische Annäherungen

Traum:
In einem Wohnraum in der Lindenallee. Ich sitze auf dem Boden. Eine Frau kommt und streift mir einen Pulli aus dunkelbrauner Wolle über. Er ist selbstgestrickt, besteht noch aus zwei Teilen: das untere Bündchen und eine kleiner Streifen darüber hinaus, und der übrige Pulli, den ich ja nun trage. Es muss noch miteinander verbunden werden. Die Frau setzt sich an meine linke Seite und beginnt mit einer Nadel die Verknüpfungsarbeit. Sie arbeitet unachtsam und sticht mir mit der Nadel in die Taille. Als ich zusammenzucke, sagt sie, ich solle mich nicht so anstellen, schließlich habe ich mich freiwillig dafür zur Verfügung gestellt. Ja sicher, so ist es, aber rücksichtslos behandeln lasse ich mich trotzdem nicht – da breche ich lieber mein Wort. Mit einer entschlossenen Bewegung streife ich den Pulli über den Kopf und entledige mich dieser Sache.

Ein nachhaltiger körperlicher Drang veranlasst mich zur Aufnahme erotischer Kontakte. Allerdings bisher ohne befriedigendem Ergebnis. Ich machte mich an einen sympathischen unbekannten Mann heran, der sich über meine Annäherung zwar freut, sich aber wohl doch nicht traut – sei es aus Mangel an Mut oder aus Unentschlossenheit – sich ganz nah mit mir einzulassen. Seine Oberschenkel… ich könnte auf einem reiten; ich fasse es ins Auge, so dass ich keine erklärenden Worte brauche. Aber eine unsichtbare Kraft geht von dem Mann aus, die es nicht so weit kommen lässt.

Ich lege mich unter den Tisch, greife nach einer Frau und ziehe sie auf mich. Sie ziert sich – sei es aus Schüchternheit oder Unentschlossenheit… Vielleicht scheut sie aber auch nur die Kälte, die von einer Lücken zwischen zwei Teppichen ausstrahlt?? Die Frau sicher auf meinem Leib haltend, schlängele ich mich einen Teppich weiter links. Er ist breit genug für uns, warm und weich und – … aber es ist eine neue Erfahrung, wir finden einfach nicht erfüllend zusammen.

Es wird ruhiger. Eine Frau fragt: „Sagt Dir der Name Uschi etwas?“ Oh ja, ich erinnere mich, gerade vorhin etwas von ihr in einem Magazin gelesen zu haben; eine dunkelhaarige Frau, die wegen einer Angelegenheit in die Öffentlichkeit geriet. Ich richte mich aus dem Liegen auf, so als wache ich gerade auf. Vor mir, auf einem Hocker, sitzt nun diese dunkelhaarige Frau: Uschi. Ja, das ist doch Uschi Nerke. Sie fragt; „Wie alt ist sie? 27?“
„Älter“ antworte ich spontan. Ihre Reaktion zeichnet sich im Gesicht ab und ich erkenne sofort, dass diese Uschi 27 Jahre alt ist – nicht älter! Wie peinlich.
„Es liegt eine schwere Zeit hinter mir“, sagt sie nachdenklich; und ich nehme an, sie will damit erklären, warum sie älter aussieht. Dabei muss ich inzwischen feststellen, dass sie ja gar nicht älter ausschaut. Sie hat ein so zartes Gesicht. Während ich hier ganz langsam Haarsträhne um Haarsträhne aus dem Gesicht streife, werde ich von ganz sanften zärtlichen Gefühlen durchflutet, die dieser Frau gelten. Liebe und Mitgefühl; in einer bisher unbekannten sehr sanften Ausprägung voller Ruhe und Frieden – eben nicht mit dem Bedürfnis verbunden, gleich helfen oder gut tun zu wollen, sondern einfach das Gewahrsein, dass die eigene Gegenwärtigkeit völlig ausreichend ist, um Wohlbehagen zu spüren/geben.

Einige Schritte zurück sitze ich wieder mit dem Mann zusammen, dessen Schenkel mir vorhin als Ersatz verlockend erschienen. Er lächelt, fühlt sich mit meiner Annäherung sichtlich wohl, ohne dass er die Initiative ergriffe. Möglich, dass ihm im Moment nichts einfällt, womit er mir handelnd entgegenkommen könnte. Ich lege meine Arme locker auf seine Schultern, verschränke die Finger in seinem Nacken. Bemerke etwas und streife die Frischhaltefolie von seinem karierten Holzfällerhemd – sicherlich noch Reste der Verpackung. „Das kann doch jetzt runter, das braucht es nun nicht mehr“ sage ich zu dem Mann. Da bemerke ich den festen Plastikstreifen, der unter dem Kragen verborgen ist. „So viel Standfestigkeit ist doch gar nicht von Nöten.“ Mit diesen Worten entferne ich auch dies. Es ist schön so, Stärke und Halt ohne Steife und künstliche Festigkeit. Der Mann schaut all dem zu. Mir kommt es vor, als beginne er erst damit, eine Einstellung zu all diesem zu erlangen.

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