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Bewerbung

Traum vom 5. November 2009

Ich erfahre von einem Job, der in der Künstlerboutique für alternative Damenoberbekleidung angeboten wird. Vor Begeisterung vergesse ich mein fortgeschrittenes Alter, greife den Telefonhörer und gehe nach nebenan. Da ein Mp3 Player im Hörer integriert ist, nehme ich nur das Innenleben mit, damit die Musik nicht stört. Ohne dem Gehäuse fehlt dem Hörer etwas Halt. Die drei Hauptteile – zwei äußere Metallteesiebe und eine mittige Spirale aus Bimetall – muss ich locker aber doch fest genug halten, damit es nicht auseinander fällt. Das Telefon klingelt, ich halte die Teile ans Ohr. Oje, die Musik ist doch drin. Am anderen Ende der Leitung wird das Gespräch schon angenommen. Zum Glück klingt die Musik in diesen Sekunden doch noch aus.

Es ist die Boutiqueinhaberin; wir unterhalten uns über den angebotenen Job, ich erzähle von meiner Einstellung zu diesem. Zeige mich arbeitsam.
„Arbeit, Arbeit!!“ ruft sie mit ausholenden Armen aus, „es wird viel zu viel gearbeitet! Anstatt sich um sich selbst zu kümmern!“
Da hat sie recht, oft ist es so. Zustimmung.
Wir werden uns also kennenlernen.

Das Dunkel im unterirdisch gelegenen Raum ist in den glutvollen Schein der Erwartung eines schönen Spätsommerfestes getaucht. Die Boutiqueinhaberin ist auch unter den ersten Gästen. Sie lässt mich zehn ihrer Kunstwerke in einer Diashow – in dunklem Raum – sehen. Wunderbar! Die warmen Farben sprechen mich an – erdige Orangetöne, satte Gelbtöne, warme Rottöne, die teils ins Aubergine gehen. Manche Bilder sind teilweise von spinnwebartigen Goldstrichen durchwirkt. Diese sind so zurückhaltend gebraucht, dass es nicht mal kitschig wirkt. Überhaupt: welch eine Gelegenheit die Bilder bieten! So kann ich sehen, welche Farben sie bevorzugt und mich zum Vorstellungsgespräch entsprechend kleiden! So werde ich ihr gefallen, ohne dass sie bemerkt, dass ich mich in die Farben ihrer Kunstwerke gekleidet habe.

Wir sind uns so sympathisch, die Sache ist fast abgemacht. Überrascht, und es legt ein Lächeln in mein Gesicht, bemerke ich, dass wir sogar heute beide ein Oberteil in der gleichen rostorangenen Farbe tragen. Sie trägt sogar einen Rock in der Farbe dazu; ich eine wollweiße Hose. Na, so eine zufällige Übereinstimmung ist doch erfreulich.

Wenig später schaue ich aus der Ferne auf die Boutique, die ganz allein auf den weiten, frischen Grasflächen an der Küste steht. Zwei Schaufenster; in der Mitte die Eingangstür. Man munkelt, dass die Boutique, im Zuge der eingetretenen Neuerungen, bald aufgegeben werden soll.

Jetzt, am Abend, wird die Feier beginnen; in den Gärten der umliegenden Nachbarn. Es wird Freudenfeuer geben und es ist gut möglich, dass die dadurch ausgelöste Feuerwalze über uns hereinbricht und alles verbrennt.

Ich schiebe mein Rad. Schlecht gelaunt, weil mir niemand dabei hilft, es auf der steilen, kleinen Fahrspur, wie sie neben diesen Treppen aus Unterführungen oft zu finden sind, hinauf zu schieben. Ein junger Mann geht durch die Szenerie. Ich schaue böse.

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