Home » Traumtagebuch » Höhenangst und Wut

Höhenangst und Wut

Traum:
In der Stadt – Marktplatz – versammeln sich viele Menschen. Es gibt eine große Ansammlung und daneben eine kleine Außenseitergruppe. Man könnte an Fastnacht denken, aber es gibt keine Jubel-Trubel-Stimmung. Irgendetwas ist hier ungut.

Eine Freundin, Moina und ich klettern auf eine kleine Plattform (2 x 3m), die in mehreren hundert Metern an einem gelben Kran befestigt ist. Anfangs denke ich mich gar nichts dabei, dass wir uns einen solchen Platz aussuchten. Ein Blick nach unten zu der großen Versammlung… – uih, das ist aber verdammt hoch hier. Nicht ungefährlich. Ich versuche Moina festzuhalten, damit sie nicht abstürzt. Das gefällt ihr natürlich nicht und meine Freundin meint, ich solle doch nicht so ängstlich sein, denn es sei nicht gefährlich. Außerdem hätten wir doch die Wahl, wie weit wir gehen möchten. Demonstrativ geht sie einige Schritte rückwärts bis zur Kante und macht absichtlich einen Schritt darüber hinaus. Ich erfahre noch, dass sie damit zeigen will, dass man sich auch beim Fall aus dieser Höhe noch gut fangen kann – dann fällt sie. Sie landet unsanft auf dem Rücken. Nix mit sich-fangen-können. Zwei Polizei-Sanitäter springen herbei und kümmern sich um sie. Ungut. Moina zerrt, will herumspringen. Ich habe immer mehr Mühe sie zu halten. Jedoch ist gerade das Festhalten gefährlich, da sie – falls sie sich losreißen kann – dadurch noch mehr Schwung bekäme.

Die Freundin kehrt auf die Plattform zurück. Etwas aufgebracht erzählt sie, das sei nur deshalb geschehen, weil sie neun Becher Getreidekaffee an einem Vormittag getrunken habe.
„Na und, das macht doch nichts“ sage ich. Getreidekaffee ist schließlich koffeinfrei. Wütend faucht sie zurück, das sei nicht richtig! Zuviel Getreidekaffee sei aufregend und schädigend. Ich bemerke, dass mir ihre Gegenwart schlechte Laune bereitet. Es ist wie es ist: es ist hier viel zu hoch; und damit ist es hier gefährlich. Ich kann die Freundin dann doch noch dazu überreden, nach unten zu gehen.

Unten angekommen. Der Marktplatz füllt sich mehr und mehr mit Menschen. Wir gehen zu unseren Bekannten am Rande des Platzes. Ein Väterlicher und zwei männliche Freunde sind dort. Während wir den Beginn der Veranstaltung abwarten, halte ich einen Klappbuggy fest. Dieser erscheint mir immer schwerer zu halten. Rücken und Arme schmerzen bereits davon. Das ist etwas ärgerlich, weil ich selbst den Klappbuggy gar nicht nutzen werde, sondern eher einer der Männer. Die Muskeln schmerzen plötzlich so sehr, dass ich laut rufe: „Kann mir das mal jemand abnehmen?“ Es kommt keine Reaktion. Die beiden Männer ignorieren mich. Wutentbrannt schiebe ich den Buggy an eine Holzbank und lasse ihn so heftig gegen die Lehne fallen, dass es knallt. Erschrocken springt der junge Mann auf, der bis eben auf der Bank lag und fährt mich scharf an: „Du bist wohl plemplem!“ Er hat sich für die heutige Veranstaltung geschminkt. Rund um seinen Mund ist eine rotbraune Farbmasse aufgetragen. Da ich mich ärgere, finde ich seinen Anblick total albern, was meinen Zorn noch anschwellen lässt. Ich will sachlich darüber sprechen, worüber ich mich ärgere. Meine Stimme aber neigt dazu, sich zu überschlagen. Es kostet viel Kraft sie unter Kontrolle zu halten und vor allem auch, bei Verstand zu bleiben. Während ich spreche – meine Stimme hat kaum Volumen – spüre ich ein Brennen und einen dumpfen Druck hinter der Stirn; was daher rührt, dass ich meine Stimme unter Kontrolle halten will. So gelingt es mir zu meiner eigenen Verwunderung, mich klar verständlich zu machen: „Ich finde es unangemessen, mir mein Verhalten vorzuwerfen, wenn ich – nachdem meine Überforderung ignoriert wurde – wütend reagiere. Das vielleicht anfangs das Verständnis dafür fehlt, okay.“ Aber der Mann ist gar nicht willens, sich um Verständnis zu bemühen.
Obwohl ich von meinen Gefühlen überwältigt bin, gelingt es mir tatsächlich ohne Kreischen und Tränen zu sprechen. Sogar der Verstand funktioniert. Gut, die Stimme kommt zwar spärlich, aber immerhin: ich spreche. Ein Fortschritt.

Tags: