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Der zerschnittene weinrote Webteppich

Traum:
Seit einiger Zeit lebe ich in einer Wohngemeinschaft mit Mike und einer weiteren Person. Es erforderte anfangs einige handwerklichen Arbeiten, ehe wir die Wohnung zu all unserer Zufriedenheit hergerichtet hatten.

Inzwischen gab es Veränderungen; ich lebe allein mit der Frau. Übrigens ist sie gerade nicht anwesend. Gedankenversunken gehe ich über einen weinroten Webteppich, der auf dem Parkett liegt. Ich bemerke seine quitschnassen Ränder. Vielleicht kommt das vom Wischen? Uih, der ist aber echt nass! Wir müssen unbedingt drauf achten, dass er bald komplett austrocknet. Der Teppich rutscht auseinander; in zwei Teile. Nanu? Ich drehe mich um. Hinter mir hockt die Mitbewohnerin am Boden. Sie hält ein Drittel des Teppichs in den Händen – er ist also sogar in drei Teile zerfallen! Neben der Frau liegt Nähzeug. Sie will die Schnittkante mit Nähgarn sichern. Es ist bereits jetzt zu sehen, dass das Gewebe auseinander fällt! Warum nur hat sie es zerschnitten? Das ist mein Teppich!! Ich habe viel Geld dafür ausgegeben, und ich habe im Moment kein Geld um einen neuen Teppich zu kaufen. Wut, Verzweiflung, Enttäuschung und Traurigkeit mischen sich. Ich packe die junge Frau an den Schultern und rüttele sie – sie soll meinen Frust spüren! Sie wirkt auch jetzt noch unbeteiligt. Ich haue ihr rechts und links eine runter – zumindest führe ich diese Bewegungen aus, ohne sie jedoch mit Kraft umsetzen zu können. Da ist irgendwas, das die Durchschlagskraft hemmt. Ich weiß nicht einmal, ob ich die Frau wirklich berühre. Ich spüre Verzweiflung und Hilflosigkeit hinzukommen. Weiterhin versuche ich, sie mit Schlägen spüren zu lassen, was sie mir damit angetan hat, den Teppich zu zerschneiden! Vergeblich. Entweder ich kann wirklich nicht zur ihr durchdringen, weil meine Schläge ohne Kraft sind, oder sie selbst ist zu abwesend, als dass sie dies mitbekäme.
Ein Schmerz in der Brust bricht aus der Kehle empor: „Liebst Du mich?“ Ach, die Frage ist absurd, ich müsste mich fragen: Liebe ich sie? Sie antwortet ganz schlicht: „Ja.“
Verzweifelt und voller Weh sage ich: „So geht es nicht! Was soll ich tun, ich muss ausziehen!“ Während ich meine ersten Schritte auf diesem Weg überlege, dringt mehr und mehr etwas in mein Bewusstsein, was ich bisher übersehen hatte: Die junge Frau ist ein Mädchen, ein Kind noch – so klein und unbescholten. Ihre blonden Haare sind zu einem französischen Zopf geflochten. So zart und lieb. Wie konnte ich sie nur schlagen? In mir so viele Gefühle… ich kann nicht weinen.

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5 Antworten zu Der zerschnittene weinrote Webteppich

  1. zuckerwattewolkenmond

    mir ist fast als hättest du von meinem Teppichboden geträumt. Der ist zwar nicht weinrot, sondern natur, hat aber einen schönen großen Wasserfleck und ich bin so wüüüüütend, hab aber niemanden, den ich schlagen kann. *gg*

  2. REPLY:
    Wie oder wodurch ist der Wasserfleck denn entstanden?
    Also, ich hab überlegt, ob ich mit Dir in den Ring steigen soll, aber ehrlich gesagt… Nö, hab gerade keine Lust. *gg*

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    die graue Laufstrecke genervt hat und ich ihr mit heißem Wasser zu Leibe gerückt bin. Ich müßte mich also eh selbst schlagen, aber keine Angst, soweit kommt es nicht. War heute extra im Baumarkt auf der Suche nach Feuchtfressergranulat, weil ich im Internet gelesen habe, daß das helfen soll, aber das hatten sie natürlich nicht. Und das beste ist, daß ich jetzt auch noch vor der Balkontürritze schwarze Rußablagerungen (oder was immer das ist) habe, die ich auch nicht mehr raus kriege und der Teppich ist gerade ein Jahr alt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß ich zur Zeit zwischen Tischkantenbeißen, totaler Resignation und dem Gedanken, mich in ein Heim einweisen zu lassen, hin und her schwanke. :-/

  4. REPLY:
    Da hilft wohl nur, den Wasserfleck über den gesamten Teppich auszudehnen. *kopf einzieh*
    Diese Laufstrecken sind wirklich unschön. Allein der eingedrückte Flor zieht manchmal eine sichtbare Spur, ohne dass es schmutzig wäre. Ich erinnere mich daran, einen Teppichboden mit Schrubberbürste bearbeitet zu haben, um den Flor wieder aufzurichten – vergeblich allerdings. In den letzten Jahren bin ich so häufig umgezogen, dass diese Dinge kein Thema mehr für mich waren. Außerdem bin ich in der Hinsicht gleichgültiger gelassener geworden.
    Ich weiß nun nicht, ob ein Umzug eine Option für Dich wäre. ;o)

  5. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    ich schon gerne umziehen, habe aber keine Wohnung gefunden, für die ich die Strapazen auf mich genommen hätte. Also hab ich stattdessen entschieden, in der Wohnung zu bleiben, aber zu renovieren und neu einzurichten. Manchmal wünschte ich auch, ich wäre wieder so gelassen wie früher, wo mir das ebenfalls alles relativ egal war. Ich habe ja jahrelang mit einer Glühbirne im Flur und von der Decke hängenden Stromkabeln gelebt, aber irgendwie gings mir besser. *gg*
    Was mich daran so ärgert, ist nicht einmal der Teppich an sich. Ich könnte mir jeden Monat neuen Teppichboden leisten und neu ist eh immer schöner, was mich so unglaublich wütend macht ist mehr der Gedanke daran, was für ein Kraftakt das Verlegen jedesmal ist. Das Ausräumen, Verlegen, Schneiden und Einräumen bringt mich sozusagen in der Regel an den Rande des Zusammenbruchs, da ja in meiner winzigen Wohnung mit den schrägen Wänden und Vorsprüngen auch alles doppelt so kompliziert ist. Und dann liegt der Teppich gerade mal ein Jahr und schon habe ich einen riesigen Wasserfleck drauf, obwohl ich extra schon auf die meist betretenen Strecken Läufer gelegt habe. Aber gerade an der Strecke paßt keine Läufer rauf, weil dann die Badtür nicht mehr aufgeht. *grrrrr*