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Krokodil auf dem Waldweg

Traum:
An diesem Nachmittag besuchen mich die Älteren während der Mittagspause. Heute habe ich Teildienst, muss also erst später wieder mit der Arbeit beginnen.

Wir gehen einen Weg entlang. Zu Fuß, manchmal mit dem Auto, teils changiert es. Es geht auf 15 Uhr zu und es ist bald an der Zeit, Moina aus dem Kindergarten abzuholen. Der Ältere schlug inzwischen einen Nebenweg ein, während wir den geraden Weg fortsetzen, der uns nun in eine Cafeteria führt (wie im Weser-Park oder NordWestZentrum). Zu dieser Stunde ist hier nichts los. Ich frage die Ältere, ob wir – ehe wir zum Kindergarten fahren – noch einen Kaffee oder Cappuccino trinken wollen. Ob, vor allem, der Ältere damit einverstanden sein wird? Noch während wir uns setzen – wir sind die einzigen Gäste – kommt Rosalie hinzu. Sie unterhält sich in rasantem Italienisch mit dem Besitzer. Oh, bisher wusste ich nichts davon, dass sie die italienische Sprache wie ihre Muttersprache beherrscht! Das ist beeindruckend. Ich erwarte direkt, dass die Ältere eine Frage dazu stellt, oder zumindest ihre Verwunderung ausdrückt – aber nichts. „Wir müssen uns jetzt auf den Weg zum Kindergarten machen“ erinnere ich die Älteren.

Moina begleitet uns, verspielt hüpfend, auf unserem Weg. Irgendwann bemerke ich, dass sie sich mit weihnachtlichem Getüdel behängte. Es ist ein Netz aus naturweißem Wollfaden mit Goldlurex durchwirkt. An jedem Knüpfpunkt leuchtet es! Sie legt es sich verwurschtelt um die Schultern. Ihre kindliche Freude und Unbefangenheit im weihnachtlichem Zusammenhang berühren mich. So bitte ich den Älteren, ein Foto davon zu machen. Ein Foto von Moina und mir. Ja, auch ich möchte fotografiert werden (was ungewöhnlich ist). Während der Ältere die Kamera vorbereitet, setzen Moina und ich uns in eine Pappschachtel am Wegesrand. Meine Füße setze ich außerhalb ab. Ich bemerke beiläufig, dass ich eine schwarze Hose trage. In meiner rechten Hand ein krummer Ast wie einen Gehstock. Inzwischen ist Moina das lichterne Netz von den Schultern gerutscht und ich ziehe es wieder hoch, denn ich möchte so gerne, dass dieser berührende Moment auf dem Foto eingefangen wird. Zudem wundere ich mich nochmals darüber, dass ich mich fotografieren lasse. Der Ältere ist inzwischen einige Schritte zurück gegangen, hat den Weg verlassen… aus meiner Sicht ist er nicht mehr zu erkennen.

Der Weg führt uns weiter, in waldiges Gebiet (erinnert an den Bereich der Käseglocke). Ein altes Haus liegt links am Wegesrand. Davor liegt Mike mit dem Rücken auf einer kleinen, naturgegebenen Erhöhung. Ich reite ihn. Dann gleite ich hinab, sitze im Schneidersitz neben ihm, um etwas in meinem Intimbereich zu beseitigen, was unser Zusammensein behindern könnte. Genau in diesem Augenblick, da sein Geschlecht ganz nackt und ungeschützt liegt, erscheint die Ältere und beugt sich über ihn. Nicht wegen ihm, sondern wegen irgendwelcher Gewächse, die in Kästen vor dem Haus, oberhalb seines Kopfes, wachsen. Dennoch, auch wenn ihre Aufmerksamkeit über ihn hinwegsieht, habe ich ein Gefühl der starken Verletzbarkeit was Mike anbelangt. In diesem Augenblick erfahre ich, dass Zucker regelmäßig hierher kommt, da sie hier immer mit einem Mann zum Sex verabredet ist. Ah so, das hätte ich nicht vermutet. Es ist eine Neuigkeit, die ich als sehr belebend empfinde.

Die Ältere ist inzwischen fort und ich mache mich auf den Rückweg, um sie wieder einzuholen. Dabei komme ich an einem weiteren Häuschen – es steht am linken Wegesrand – vorbei. Der Waldweg führt über das Grundstück hinweg. Vor mir ein Torbogen aus Stein, der an die Toskana erinnert. Irgendetwas verbaut zum großen Teil diesen Durchgang. Aber ich kann mich hindurchschlängeln. Dabei bemerke ich – allerdings zu spät – dass es einen Euro kostet, durch den Torbogen zu gehen. Gleich hinter dem Torbogen sitzt der Grundstückseigentümer, ein moderater Italiener. Er bastelt gerade an seinem aufgebockten Ape Pickup. Erschrocken, weil mir einfällt, dass ich kein Geld dabei habe, schaue ich zu dem Italiener und sage: „Das ahnte ich nicht! Ich habe überhaupt kein Geld bei mir! Aber ich werde sofort welches holen, zurückkehren und meine Schuld bezahlen!“ Ich hoffe inständig, dass der Mann mir vertraut und mich gehen lässt. Er winkt freundlich ab und sagt, es sei nicht nötig, denn ich sei ja ganz allein hindurch gekommen. Die meisten Menschen benötigen allerdings seine Hilfe, erzählt er, und für diesen Aufwand verlange er 1 Euro. Also, alles okay! Oh, das freut mich! „Tschüß dann!“

'Traumbild Krokodil' von Traumzeit Bald erreiche ich die Ältere. Der Wald ist dichter geworden, oder es schon spät, denn es ist recht dunkel geworden. Am linken Wegesrand wieder ein Haus. Die Atmosphäre hier ist märchenhaft, magisch – kaum zu beschreiben. Wie wir so stehen, taucht ein Krokodil aus einem schlammigen Wasserloch auf. Ein Krokodil? Hier? Ein Krokodil auf diesem Weg (in Worpswede) wird nicht beißen!! Da geht es auf uns los. Ich finde allerdings, es hat eine handliche Größe und meine Beunruhigung hält sich in Grenzen. Das Krokodil springt an unseren Röcken hoch und langsam überlege ich: Womöglich beißt es doch? Es reißt sein Maul weit auf. Unsere Röcke… Sie sind aus waldgrünem, leicht changierendem Stoff, mit Lurexfäden in Altgold durchwirkt. Das Krokodil zeigt ähnliche Farben. Womöglich fährt das Krokodil hauptsächlich deswegen auf uns ab, weil es sich selbst in uns widergespiegelt findet, ohne dass es dies bemerkte!? Langsam erlebe ich die Situation als bedrohlich, denn der Rockstoff ist nur dünn, und bei den Sprüngen schnappt das Krokodil an den Innenseiten meiner Oberschenkel… immer höher! Womöglich beißt es gleich zu?

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Originalgröße: 860 x 864
Bildquelle: Für dieses Bild verbastelte ich ein “Krokodil” von Stock.xchng/ Carollam

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