Home » Traumtagebuch » Feuerwerk a cappella

Feuerwerk a cappella

Traum:
Während meiner Arbeit in einem noch unbekannten Bioladen. Im Halbdunkel sortiere ich Tuben mit Pflegecreme für fettige Haut in ein Holzregal. Es wundert mich etwas, denn ich kenne es eher so, dass es ein reichhaltiges Sortiment für die reifere Haut gibt, aber kaum etwas für jüngere, fettige Haut. Diese Creme stellt eine Erweiterung dar, die ich gutheiße, aber dennoch als etwas anstrengend erlebe, ohne dies weiter begründen zu können.

Im Personalraum. Moina und ich sind gerade eingetroffen. Meine neue Chefin – die Ehefrau des Röntgenarztes – überreicht mir einen roten und einen schwarzen Schminkstift. Sie sagt, es sei Bedingung, uns damit zu schminken. Ich könne das allerdings ganz nach Belieben ausführen. So beginne ich mit Moinas Gesicht, röte ihre Lippen und ziehe eine schwarze Konturlinie. Unter der Nase/am Kinn bemale ich eine Fläche rot und umgrenze sie teils mit Schwarz. Moinas Mund sieht aus, als habe er einen Schmutzrand. Ich wische die schwarze Konturenlinie wieder fort. Dann schaue ich mir ins Gesicht. Ein Hauch von Schwarz liegt auf den Lidrändern. Auf den Lippen eine kaum wahrnehmbare Spur von der roten Farbe. Es ist kaum zu erkennen; so hoffe ich, dass es trotzdem für die Chefin okay ist. Gleich am ersten Arbeitstag will ich es mir schließlich nicht mit ihr verderben.

Also an die Arbeit. Kunden sind derzeit nicht zu bedienen. Ich könnte das Kühlregal auffüllen. Hm, allerdings kann ich von hier nicht genau erkennen, was fehlt. Der Verkaufstresen – die Chefin steht dahinter – verwehrt einen Teil der Sicht. Mir fällt es wieder ein: nur ja keinen Weg mit leeren Händen gehen! Also den Grips anstrengen…Im Lager schaue ich mich um, was überhaupt noch auf Vorrat ist. Auf einer Ablage liegt Brot in Folie. Zwei Vollkornquarkzöpfe liegen auf dem Holzbrett. Ich frage die Kollegin an meiner Seite, ob es hier immer Brot auf Vorrat gibt und erfahre, dass es so üblich ist. Das gefällt mir. Mit dem Quarkzopf gehe ich zurück in den Verkaufsbereich und lege ihn schließlich ins Regal. Der Teigzopf ist ganz weich, aber mit beiden Händen genommen bleibt er heil.

Tja, was nun? Es sind immer noch keine Kunden im Laden. Die Chefin bittet mich und einige männliche Kollegen nach vorne in den Probenbereich. Wenn keine Arbeit ansteht und keine Kunden im Laden sind, wird die Zeit immer für Proben genutzt. Wir sitzen auf Holzklötzen verteilt und ich höre die Männer singen: A cappella! Anfangs dachte ich, Instrumente zu hören. Bald singe ich verhalten mit – leise nur. Vor meinen Füßen liegt ein Berg mit Wanderschuhen und derbe Stiefeln. Es geht darum, sich die stimmigen Stiefel zum Gesang überzustreifen. Je nach Schuhwerk verändert sich auch der Klang der Stimme – es muss zusammenpassen. So probiere ich zögernd, während der Gesang der Männer immer lauter wird. Nun erkenne ich auch, was sie singen: ein Feuerwerk! Ein Feuerwerk, das sich langsam seinem Höhepunkt nähert. Nanu, warum ein Feuerwerk? Gibt es einen Anlass? Es macht Spaß ein Feuerwerk zu singen, ich werde mutiger und lauter, lasse Töne zwischen den Lippen knallen und brisseln, zischen und knallen! Erstaunlich, wie viele Variationen und Nuancen gesungen werden können. Es zischt und pfeift, schneller, immer fülliger – ein gesungenes Feuerwerk.

Als es vorüber ist, setzt sich die Chefin nah bei mir auf das Podest und erzählt in die Stille hinein, wie wichtig es sei, im richtigen Moment aufzuhören. Und während sie sich ganz sorgfältig und langsam eine Haarsträhne hinter das Ohr schiebt, sagt sie, dass sie früher öfter ihre Eltern gefragt habe: „Krieg ich noch zwanzig Mark?“ Wenn man das immer wieder macht, immer mehr will, dann macht das süchtig. Dem stimme ich zu.

Ich bin ganz begeistert davon, wie in diesem Bioladen mit Leerlaufzeiten umgegangen wird.

Verwandte Träume:
Sonne-Saturn
Gehen fördert Denkprozesse
Blutender Sohn und sonderbare Großmutter

Tags: