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Reise in die Kindheit

Traum:
Ganz langsam fährt der Bus und hält schließlich vor einem alten Bauernhaus – ich spüre im Rücken die Worpsweder Grundschule. Staunen… Vor uns liegt das Haus meiner mütterlichen Tante. Ich schaue durch das Busfenster, und… es ist unglaublich, fast unwirklich: der Bus ist zurück in meine Kindheit gefahren. Alles wirkt wie durch eine bräunlich getönte Linse gesehen. Dort draußen auf dem Fußweg sehe ich meine kleine Schwester und mich. Sie zu sehen – sie zu erleben! – berührt mich zutiefst. Wir sind nur wenige Jahre alt. Merkwürdig… das Kind bin ich, aber ich sehe etwas anders aus, als ich mich in Erinnerung habe. Ja, ich ähnele meiner ein Jahr jüngeren Schwester. Dass genau diese Schwester nicht hier ist, das wundert mich nicht. Sie scheint nicht in diese Zeit zu gehören, so als gäbe es sie nicht.
'mit Bären' von Traumzeit Durch das Glas der Busfenster dringt kein Ton von draußen zu uns – ein Stummfilm, die Kindheit fast zum Greifen nah.

Der Fußweg zu beiden Seiten der Straße ist mit Menschen gesäumt. Eine Feier findet statt, vielleicht ein Erntefestumzug. Nun weiß ich: drinnen in dem alten Bauernhaus sind meine Eltern; sie heiraten heute. Deshalb all die Gäste. Und deshalb tragen wir unsere hellen Sonntagskleider. Eine unbenennbare Frau ist an meiner Seite; an sie gerichtet spreche ich einen Gedanken aus: „Ob sie mich hören/bemerken, wenn ich an das Fenster klopfe?“ Eigentlich ist es unmöglich. Ich bin im Bus, in der Jetztzeit, und mein Kind- und Schwestern-Ich in einer Zeit vor über 40 Jahren. Ganz vorsichtig klopfe ich, ein wenig ängstlich. Was nun wohl geschehen wird? Meine Schwester und ich merken auf, schauen dann tatsächlich zu mir her. Ich winke ihnen lächelnd zu. Einen Moment lang schaue ich in ihr Gesicht… in mein eigenes Kindergesicht, in meine eigenen Kinderaugen. Da lächeln die beiden, winken und wenden sich wieder dem Geschehen zu.
Langsam setzt sich der Bus in Bewegung. Ich drücke mir fast mein Gesicht an der Scheibe platt, während ich versuche, mit dem Blick bei meinen Kindern zu bleiben. Meine kleine Schwester sehe ich noch loslaufen, sie läuft neben dem Bus, auf dem Fußweg. Marianne bleibt zurück. Die Frau an meiner Seite sagt: „Sieh, es kümmert sich niemand um diese Kinder. Sie sind ohne Aufsicht. Ich bin bestürzt, denn wie leicht könnten sie unter die Räder kommen. Aber es ist ja alles gut gegangen – wir leben noch.

Notiz:
Ein Traum, der mich zutiefst bewegt. Letztlich ist es so, als sei etwas Wesentliches verloren – unwiderruflich.

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6 Antworten zu Reise in die Kindheit

  1. zuckerwattewolkenmond

    ich habe letzte Nacht auch vom Ort meiner Kindheit und meinem Spielfreund geträumt. Leider scheint die Mail irgendwo unterwegs verlorengegangen zu sein. *wartet* *grmpf*

  2. REPLY:
    per Mail an Dein Blog gesendet und er ist noch nicht eingetroffen? *auch wartet*
    (Oder war Dir im Traum eine Mail verloren gegangen?)

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    wenn ich in der Woche was geträumt habe, dann notiere ich mir das möglichst schnell schon morgens im Büro oder spätestens in der Mittagspause am Computer und schicke mir das dann an meine Emailadresse. :-/

  4. REPLY:
    Zwar hatte ich es schon lange nicht mehr, aber manchmal braucht eine Mail ja locker drei Tage. Hast Du sie denn gesendet? *dummfrag und Kopf einzieh*

  5. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Das weiß ich deshalb so genau, weil ich die Kopie im Ordner “Gesendet” danach gelöscht habe. Aber keine Angst, die Datei hab ich noch auf dem Computer. Notfalls muß ich sie morgen nochmal senden. ;o)

  6. REPLY:
    keine Entwarnung ist, dann weiß ich auch nicht! :-)
    Dann gucke ich morgen noch mal bei rum.