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Gaukelei

Traum
Seit einer ganzen Weile sind wir mit dem Abwasch in Annas Küche beschäftigt. Wir – das sind meine Mutter, eine ihrer verstorbenen Freundinnen und ich – legen nun eine kurze Pause ein. Wir gehen auseinander; werden später wieder zusammenkommen.

Ich durchquere verlassene Klassenzimmer, gehe die Worpsweder Bergstraße entlang und finde mich schließlich in der Kaminecke des Kaffee Verrückt wieder. An der Wand über dem Kamin hängen einige meiner Bilder. Ebenso an der Wand dem Kamin gegenüber. Freundinnen meiner Mutter sind hier, begutachten meine Bilder. Die Bilder zeigen rote, mittelblaue und weiße Flächen; sie werden von breiten Holzrahmen gehalten, die ich jeweils mit einer dieser drei Farben strich. Ich nehme einen Pinsel und bestreiche die Rahmen mit einer anderen Farbe. Beispielsweise Rot auf Blau. Im Augenblick streiche ich weiße Farbe über einen Teilbereich des Rahmens, der mit einigen rundlichen Blütenköpfchen – sie sind aus Ton modelliert – bestückt ist. Aber das ist doch die falsche Farbe, hatte ich nicht mit Rot malen wollen? Wie auch immer… die Frauen loben meine neue Arbeit. Ihr Lob lässt mich gleichgültig, da ich nicht erkenne, was lobenswert daran sein könnte.

Etwas später bin ich mit einer alten Freundin von mir allein. Sie deutet auf ein Bild eher links des Kamins und sagt, das sei ihr Favorit. Ah ja! Was aus dieser Distanz gar nicht auffällt, solange man es nicht weiß, ist, dass es sich bei dem favorisierten Bild gar nicht um ein Bild handelt, sondern um ein Buch. Ich hatte das Buch zu den Bildern gestellt, weil es mir so gut gefiel; um mir eine Freude zu machen. Da das Titelblatt ähnlich geometrisch wie meine Bilder gestaltet ist, passt es tatsächlich zu dieser Bilderserie. Ich sage der alten Freundin nicht, dass es ein Buch ist. Ich könnte ihr erzählen, dass das Buch von Alchemie und Transformation handelt und dass es lange her ist, dass ich darin las, aber ich fühle mich zu träge und nicht genötigt es zu tun – ich fühle mich einfach nicht berührt.

Dann sitze ich draußen auf dem Sims eines Sprossenfensters. Hinter meinem Rücken die Worpsweder Passage, die Weinhandlung und das Antiquitätengeschäft. Es ist angenehm warm, denn die Sonne scheint. Am Philline-Vogeler-Haus sehe ich mit einem Male Claus. Na, so eine Überraschung! Da sind die beiden mal wieder aus Spanien zurück. Aber wo ist seine Frau, Christa? Erst sehe ich sie nicht. Vielleicht ist sie inzwischen gestorben? Dann sehe ich sie weiter rechts auf dem Bürgersteig – sie geht auf Claus zu. Ob sie wirklich lebt? Ihre Haare sind gar nicht mehr so spanisch dunkel, sondern grau und spärlich. Und außerdem… ihr Gang, ihre Schritte… man könnte meinen, ihre Füßen berührten gar nicht den Boden – also ist sie doch tot? Ich bin unentschlossen – weiß nicht, ob ich sie sehe oder nicht – mein Interesse ist nicht sehr stark, und da sie mich noch nicht bemerkte, wende ich mein Gesicht nach links, strecke es mit geschlossenen Augen der wärmenden Sonne entgegen. Es ist wohltuend und entspannend. Ein wenig meine ich nun ihre Blicke zu spüren, aber nein, das bilde ich mir nur ein. Im nächsten Augenblick setzt sie sich an meine linke Seite und spricht mich an. Sie ist etwas beleidigt, weil ich nicht grüßte. Wir unterhalten uns dann über Bademoden, was ziemlich uninteressant ist. Es ist ermüdend, am liebsten würde ich einschlafen.

Es ist aber an der Zeit zu meiner Mutter und ihrer toten Freundin zurückzukehren, um den Abwasch fortzusetzen. Sicherlich warten die beiden Frauen schon auf mich. Claus und Christa sagen sofort, sie wollen mich gerne dorthin begleiten. Oh toll, darüber freue ich mich echt! Mit einem Male fällt mir ein, dass inzwischen vier Stunden vergangen sind! Vier Stunden, und wir hatten nur eine halbe Stunde Pause machen wollen! Oje, wahrscheinlich warten sie nicht mehr auf mich, sind längst nach NSJ gefahren.

Gemeinsam mit Claus und Christa besteige ich einen dunkelblauen Bully. Er hat zwei Fahrersitze, ansonsten gibt es keine Einbauten. Der Bully ist ziemlich großräumig und ich komme mir direkt verloren darin vor. So wenig Halt und überhaupt wirkt alles ein wenig geisterhaft. So als existiere er mehr in meiner Phantasie als in der Wirklichkeit. Er liegt nicht fest auf der Straße, sondern gaukelt haltlos. Er fährt los, ohne dass jemand auf dem Fahrersitz säße! Jemand von uns muss dort Platz nehmen, das Fahrzeug unter Kontrolle bringen – es lenken und bremsen!! Ich hatte sehr gehofft, dass Claus oder Christa das übernehmen würden, aber nein, wie es ausschaut, haben sie das ganz sicher nicht vor. Claus ist damit beschäftigt, Moina zu halten, die fast quer durch das Fahrzeuginnere geschossen wäre. Währenddessen überlege ich angestrengt, wie ich zu dem Wohnhaus der verstorbenen Freundin komme. Ich erinnere dieses oder jene Detail, aber anfangs ohne Verbindung zueinander. Dann aber, mit einem Male, passen alle Puzzleteile zusammen und mir zeigt sich ein Weg. Es erfordert, bei all dem Schlingern und Schleudern, viel Konzentration, aber nun habe ich den Weg durchgängig in der Erinnerung gespeichert. Gleichzeitig gelingt es mir den Fahrerplatz einzunehmen, erreiche Bremse und Schaltknüppel. So kann ich den Wagen genügend abbremsen und mich in den Verkehr einfädeln, um dann nach links in Richtung NSJ abzubiegen. Uih uih uih, das ist vielleicht eine wackelige Angelegenheit. Claus spart nicht mit Lob. Sagt mehrmals, dass ich die Situation gut meistere. Sein Lob macht mir Mut, bereitet mir Freude und verleiht mir das Gefühl von Sicherheit. Was sich sogleich positiv an meinem Fahrstil bemerkbar macht.

Notiz:
Diese Traumbeschreibung ist mal wieder unter aller Kanone – nur fürs Schmierheft geeignet. Ich werde nichts mehr daran ändern (Ausnahme: etwas arg Störendes …aber ich habe ja ein dickes Fell). Ich möchte es so unfertig stehen lassen. Oh ja, das ist schön.

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