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Rhabarber und Blutbad

Traum:
In der Praxis meiner Frauenärztin. Nach der Untersuchung und dem anschließenden Gespräch sind Moina und ich im Begriff, uns zu verabschieden. Die Ärztin reicht mir eine Überweisung und erklärt bedauernd: „Ich kann Ihnen nur diese Überweisung geben, mehr wird von der Kasse nicht gezahlt. Alle weiteren Schritte müssen sie ganz allein unternehmen.“ Okay, das werde ich tun. Das ist mir die Klarheit wert, die ich hoffentlich erlangen werde. Die Ärztin lächelt mir ermunternd zu.
Während wir den ersten Schritt machen, drückt Moina auf eine Tube, die sie vom Schreibtisch der Ärztin nahm. Eine Klacks goldgelbes Öl spritzt hervor und landet auf einem Formular, das auf einem kleinen Servierwagen direkt vor dem Schreibtisch liegt. Schnell nehme ich das Öl mit dem Finger auf, um größeren Schaden zu vermeiden und entschuldige mich bei der Ärztin. Sie winkt ab, das sei doch nicht so schlimm – kein Problem!

Ich liege unter einer weißen Bettdecke auf einem Weg am Rande eines Stadtparks. Vermutlich war ich irgendwann in der Nacht vor lauter Erschöpfung zusammengebrochen und eingeschlafen. Es ist ein trüber, feuchter Morgen und ich mag kaum unter der Decke hervorkommen. Eine Frau joggt vorbei. Ihr einzigstes Kleidungsstück ist ein String. Warum sie wohl fast nackt joggt; es ist ja ziemlich kühl. Da rennt eine zweite Läuferin vorbei; sie ist völlig nackt. Mit einem Male ist mir klar, warum sie nackt joggen. Es ist ihnen ein Bedürfnis, sich nicht mehr bedeckt zu halten. Das Joggen hat den Vorteil, nie für lange Zeit Anschauungsobjekt für eine einzelne Person sein. Der Moment ist schnell vorüber, und sie leben gleichzeitig ihr Bedürfnis aus.

Ich stehe langsam auf, schäle mich aus der schützenden Decke und gehe (nackt?) ohne diese los. Nach wenigen Schritten bemerke ich das Fehlen meiner Handtasche. Ich gehe zurück zur Bettdecke. Einige junge Menschen sitzen auf einem gemauerten Winkel aus grauem Stein. In diesen Winkel geschmiegt liegt das Federbett. Auf der Mauer, ein wenig von der Decke verborgen, finde ich meine Handtasche, nehme sie und gehe wieder los. Sie stand dort offen. Ein leiser Schreck… jemand hätte völlig unbemerkt reingreifen können. Wo ist mein Portemonnaie? Ich krame und finde es. Dabei entdecke ich ein zweites Portemonnaie aus schwarzem, an den Ecken abgestoßenem Leder. Au wei, das ist gar nicht meines! Kurz der Impuls, nochmals umzukehren, um es zurückzubringen. Aber ich will nicht umkehren, zumal ich nicht weiß, wer der Besitzer ist. Ich werde es zur Polizei bringen; die können dann den rechtmäßigen Besitzer ermitteln.

Ich erreiche die Landzunge, vielleicht auch eine schmale Halbinsel, die sich weiter vorne wieder mit dem Festland verbindet. Hier war ich bereits öfter. Bisher wählte ich immer den rechten, den parallel zum Festland liegenden Weg. Dort gab es nur wenig Ausblick. Nun bemerke ich einige Leute auf dem linken Weg. Sie schauen interessiert über das Brückengeländer, das den Weg zur linken Seite säumt. Was es dort wohl zu sehen gibt? Ob es mir erlaubt ist, den Weg zu gehen? Oder steht dieser Weg nur einigen erlesenen Menschen offen? Es führt jedenfalls kein direkter Weg dorthin. Also mache ich einen großen Schritt über das große Rasenstück hinweg – dessen Grundriss wie ein großes Schiff geformt ist – das zwischen den beiden Wegen liegt. Nun kann auch ich nach links über das Geländer schauen… welch eine Freude dieser Ausblick ist! So weit! Das Meer und Schiffe! Ich genieße die Weite, die Freude – es ist wie ein Urlaubstag!

Dieser Weg nun führt mich durch einige Räume hindurch, die hintereinander liegen. In jedem ist ein Wochenmarktstand. In jedem Raum gibt es Rhabarber – allerdings wird immer nur gekochter Rhabarber, portioniert in zugedeckelten Feinkostschälchen, angeboten. Ich hätte aber viel lieber frischen Rhabarber, denn ich möchte ihn selbst zubereiten. Nach einigen Räumen gelange ich in eine winzige Großmutterküche. Das alte Mütterlein sitzt am Boden und kocht und kocht. Alle Schrankflächen und sogar der ganze Fußboden steht voller offener Schälchen mit Rhabarber- oder Apfelmus. Es ist so warm hier in der Küche und es duftet so süß und fruchtig! Doch dennoch möchte ich frischen Rhabarber, nichts Gekochtes und gehe weiter. Es ist nicht einfach, sich einen Weg durch die kleine Küche zu bahnen, da es kaum einen Platz gibt, wo ich den Fuß hinsetzen könnte. Im letzten Raum schließlich, der sich zur hinteren Hälfte zum Freien öffnet, sehe ich ein kleines Feld. Von einem kleinen Getreidefeld mit reifen Ähren, von Sonnen- und Herbstblumen gesäumt, entdecke ich ein kleines Karree mit Rhabarber. Die roten Stängel (ohne Grün) staken im Feld. Oh toll, frischer Rhabarber. Schnell an den Tresen! Ich will mir den Rhabarber gleich reservieren lassen, damit mir niemand zuvor kommt. Es ist ja nur noch eine Portion da.

Im Kinderzimmer meiner Kindheit. Es liegt ganz verlassen. Moina sitzt mir gegenüber. Ich halte eine längliche Blechdose in den Händen. Diese ist mintgrün und sehr plastisch geprägt. Darin liegen ein paar Selbstgedrehte. Der Tabak in dem weißen Papier ist ganz schwarz. Einige Zigaretten sind sehr dünn gedreht, andere wieder besonders dick. Moina gefällt die Dose mit den Zigaretten so sehr, dass sie unbedingt eine der Zigaretten haben möchte. Natürlich bin ich damit nicht einverstanden, aber sie quengelt derart nachdrücklich, dass ich in Versuchung gerate. Ob ich ihr doch eine Zigarette geben sollte? Ich schwanke… eine dünne oder doch lieber eine dicke Zigarette? Aber nee, das ist ja Wahnsinn! Sie würde sie rauchen. Naja, vielleicht auch kauen, aber das wäre genauso giftig. Allein die Vorstellung… brrrrhh! Dann habe ich die Lösung: Mit einem Griff nehme ich alle Zigaretten heraus und überreiche Moina die leere Dose. Sie freut sich sehr, denn von Beginn an war sie ja nur an der Dose interessiert. Sonderbar, dass ich nicht gleich darauf gekommen bin.

Ich bin lange Zeit unterwegs und erreiche dann eine alte Moorkate. Es ist wie in einer Vergangenheit. Alles aus Holz, sehr einfach, keine Elektrogeräte und so fort. Das alte Mütterlein werkelt in der Küche. Aus einem anderen Raum höre ich den Jungen rufen und klagen. Das Mütterlein ruft dem Mann im Haus zu, er solle sich doch um seinen Jungen kümmern! Der Junge kann nicht kacken; ein paar Schläge auf das Hinterteil wären da sicher förderlich! Der Mann eilt herbei. Inzwischen habe auch ich den Raum erreicht, in dem der Junge auf dem Plumpsklo sitzt. Ich höre auch schon Schläge auf nacktem Fleisch. Was ich dann aber sehe, ist einfach nur widerlich. Er betrügt das alte Mütterlein! Er lässt sie im Glauben – man hört es ja klatschen – er gäbe dem Jungen die notwendigen Klapse. In Wirklichkeit steht er aber hinter ihm an einer Vorrichtung: Eine Viehwanne aus Blech, voller Wasser und Blut. Ein hoher Rahmen aus biegsamen Holzstreben steht im Blutbad, einige Stücke Lammfleisch wurden eingespannt.. Der Mann schlägt mit voller Kraft auf das Fleisch ein; hört gar nicht mehr auf. Es darf ja ruhig mürbe werden. Vom Fleisch tropft das Blut, mit salzigem Wasser vermischt in die Wanne zurück. Der Junge auf dem Klo schreit, der Vater hilft ihm nicht!

Meine Chefin und ich erinnern uns gemeinsam des Traumes. Sie sagt: „Der Traum endete dann ja so, dass mit dem Jungen ein Baiser geteilt wurde!“ Baiser? Ich sah doch anderes?!? Es macht aber keinen Sinn, ihr das zu sagen. Wenn sie es so sah – Baiser!! – dann wird sie mir nicht glauben. Ich schweige.

Notizen:
Gestern Barbara, heute Rhabarber – das ist barbarisch!
Rhabarber gab es tatsächlich am Elternhaus. Die Viehwanne gab es bei meinen Großeltern, darin badete ich.

Zur Schlußszene fiel mir sofort „Das Schweigen der Lämmer“ ein.
Zitat aus dem Film – Agentin Starling zu Doktor Lecter:
Sie sehen eine Menge. Aber sind Sie auch stark genug um diese enorme Beobachtungsgabe bei sich selbst anzuwenden? Wie stehts damit? Wieso betrachten Sie sich nicht selbst und schreiben auf, was Sie erkennen? Vielleicht fürchten Sie sich vor sich.

Das Lammfleisch erinnert mich an den gestrigen Traum mit meiner Nachbarin, die mich real wegen der Schafe angesprochen hatte. Die Nachbarin wiederum erinnert, im Zusammenhang mit dem Traum von gestern, an meine Großmutter, die sich an einem 23. Dezember erhängte. Nach dem Traum mit den Steinen bekam ich heftige Schmerzen im gesamten Schulterbereich. Mir war und ist, als fiele mir der Kopf ab, alles verhärtet. Gestern Abend überlegte ich, ein Schmerzmittel zu nehmen, entschied mich aber dafür, noch eine Nacht zu warten. Falls mir der Traum etwas über den Schmerz erzählen möchte, wäre es vielleicht besser, den körperlichen Schmerz erst einmal nicht zu unterdrücken. Bin ich eine Barbarin? Jedenfalls fühlt sich mein Rücken inzwischen tatsächlich an, als sei versucht worden, ihn mürbe zu schlagen.

Seit den letzten Träumen fühle ich mich ziemlich durcheinander. Ich verstehe meine Welt nicht mehr.

Zum Joggen kam mir ein Gedanke, den ich hier extra notiert habe.

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