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Blutender Sohn und sonderbare Großmutter

Traum:
'Die goldene Stadt' von Traumzeit
Ein undefinierbarer Raum – ich spüre den Geist der Vergangenheit. Mein Körper so leicht, wie ein Erinnern nur, an eine Zeit. In diesen Minuten trafen mein kleiner Sohn (4 oder 5 J. alt) und ich die letzten Vorbereitungen für den heutigen Schultag. Mit seinem kleinen Rucksack und einer Mütze auf dem Kopf sehe ich ihn bald auf seinem Rad davonfahren. Und wie ich ihn so sehe… Ganz tief, kaum greifbar, spüre ich ein Grauen in mir… als radele er in ein Unglück hinein. So tief dieses ahnende Gefühl, so unfassbar… – so ein Unfug! In mir erwacht ein Schluchzen, steigt auf; zerbricht in der Kehle. ‚Wie süß der Schlaf… wäre.’

Nun bin ich also angekommen, in der fernen fremden Stadt. Ich stehe auf einer Höhe, auf einem felsigen Vorsprung, der mit rundlichen Wackersteinen übersät ist. Der Blick geht weit. Ganz in Grautönen liegt sie vor mir im Tal: die Alte Goldene Stadt (Prag -> Fenstersturz). Hinter meinem Rücken spüre ich die alten Bauten (Phllippsruh’); eine Sehenswürdigkeit am Stadtrand. Die Steine vor mir sind wohl das Steinerne Meer. Auf einigen der Felsen sitzen steinerne Köpfe. Die Köpfe sind bemalt – zeigen asiatische Gesichter im Manga-Stil. Dies zu sehen, hat etwas sehr Eindringliches, so als würden diese stummen Zeugen zu mir sprechen. Ganz sachte und von innerer Ruhe erfüllt lege ich meine Hand auf einen dieser Steinköpfe. Schließe meine Augen und schaue wie durch ein weiteres Auge… Daraufhin löst sich das Antlitz auf und wird zu einem vertrauten Stein. Das mache ich mehrmals und wundere mich.

Ich warte… auf sie. Noch sehe ich sie nicht. Noch nicht einmal dort, wo ein wenig Brachland zwischen der goldenen Stadt und diesem Felsenvorsprung liegt – was diesen Bereich ja eigentlich recht überschaubar macht. Dennoch könnte die Frau durch ein Gebüsch oder von einer natürlichen Nische verborgen sein. Ganz rechts, am Rande der Wahrnehmung – wie in einem hellsichtigen Moment – taucht kurz mein kleiner Sohn auf, wie er mit dem Fahrrad fährt. In Gedanken spreche ich ihn an: Du bist ganz rot unter der Nase?! Bist Du dort wund? Oder blutig? Der Anblick löst sich auf. Vor mir liegen die Steine, dahinter geht es senkrecht bis hinab ins Tal. Rechts von mir steil hinabführende Stufen, die man hinunter klettern kann. Das werde ich tun. Ich werde ihr entgegen gehen!

Unten angekommen, der Steilhang liegt direkt vor mir, kommt Mike mit unserem Sohn hinzu. Zornig und anklagend sagt Mike: „Ich habe ihn von der Schule genommen! Ein Psychologe hat sich bereits um ihn gekümmert und ein Gespräch geführt! Dabei ist herausgekommen: Er wurde fünf Jahre lang täglich geschlagen!! Und Du sagst, es sei alles in Ordnung?!!“ Seine letzten Worte sind wie brüllende Ohrfeigen ob meiner Ignoranz. Tiefste Betroffenheit dehnt sich in mir aus. Ich… ich habe davon nichts gewusst… Ich knie vor meinem Sohn hin, umfasse seine Schultern, schaue ihn an. Das Blut strömt aus beiden Nasenlöchern. Da ist Schmerz… ich fühle mich überwältigt, handlungsunfähig, bewegungsunfähig – so als sei ich gebannt. Ich ahnte nichts von alledem. Ich bin so froh, dass Mike ihn gleich von der Schule genommen hat. Wir werden später überlegen, wie es weitergehen soll, eine Lösung finden.

Da bemerke ich sie! Meine Großmutter geht hinter meinem Rücken vorbei. Sie ist verblüffend schnell. Ich schaue ihr hinterher. Wie sie geht… mit solch kurzen Schritten, die Oberschenkel zusammen haltend? So jung ist sie an diesem Ort? Aber sie ist es, ich erkenne sie. Nie im Leben sah ich sie so entschlossenen Schrittes gehen?! So eilig? Besser, ich folge ihr sofort, sonst verlieren wir uns aus den Augen. Flink und geschickt, erklimmt sie die Steilwand, so dass sie bald hinter einem kleinen Vorsprung verschwunden ist. Ich stehe noch immer am Fuß der Steilwand, finde zwar Halt an Steinen, jedoch reicht meine Muskelkraft in den Armen nicht aus, mich an den Steinen hochzuziehen. Da links, neben den eingearbeiteten Tritten, gibt es eine alternative Steigmöglichkeit. Zwei ovale, hochkant stehende Felsen – wie geöffnete Schenkel. Sie tragen je eine blau und rot lasierte Steinkugel auf ihrem höchsten Punkt. Daran kann man sich festhalten. Ein Fuß zwischen die Felsenschenkel gestellt, sich hochziehen und dann die nächste Wölbung erklimmen: so ginge es. Aber die Kraft verlässt mich stets in diesem Moment, da ich mich hochziehen will. Immer wieder setze ich neu an. Hinter mir sind inzwischen zwei junge Männer, die ebenfalls hinaufsteigen wollen. Ich entschuldige mich und sage: „Bitte, ich bin so langsam, gehen Sie doch an mir vorbei.“ Es wäre mir lieber, denn ich setze mich wegen der beiden Männer unter Druck; will ihnen nicht im Wege sein. Heiter antworten sie, es sei doch alles okay so. Ich gelange langsam zwei Schritte höher, aber ich fühle mich so entsetzlich kraftlos. Alles in mir scheint nachzugeben, weichzuwerden. Immer wieder versuche ich mich erst an den natürlich geformten Stufen, was erfolglos bleibt, probiere es dann aber an den hochkant stehenden Ovalfelsen. Diese beiden Möglichkeiten werden an dieser Wand mehrmals als Paar geboten. Stets mit diesen roten oder blauen Steinkugeln gekrönt.

Bildherkunft:
Originalbild von Stock.Xchng/ raatcc36

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