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Schwarze Quäkerfamilie im Zürcher Hauptbahnhof

Traum:
Das Elternhaus liegt hinter mir. Ich stehe am Ende des Vorplatzes. Am Himmel ein Passierflugzeug, von vier kleineren Flugzeugen umgeben. Langsam kommen sie näher. Die vier kleineren Flieger sind weiß, tragen an den Seiten rote Streifen. Vermutlich sind es Feuerwehrflieger. Wobei… es könnten auch Krankenflugzeuge sein. Es ist das erste Mal, dass ich Feuerwehrflugzeuge sehe. Es liegt etwas in der Luft. Die Flugzeuge gleiten geräuschlos – es sind nur Vibrationen wahrnehmbar.

Vor der morgendlichen Öffnungszeit in der (Vor-)Schule. Örtlich in der elterlichen Küche gelegen, sich dabei bis über Flur und das Treppenhaus erstreckend. Vigi kommt herein. Er trägt einige Unterlagen bei sich. Sein Blick ist ernst und besorgt; wenngleich er etwas erleichtert wirkt, als er mich sieht. Er spricht mich in meiner Funktion als Elternsprecherin an, ob er heute, am letzten Tag, noch eine Arbeit schreiben lassen soll. Ihm ist anzumerken, dass er es für sehr wichtig und sinnvoll hält, dass alle Schüler noch einer abschließenden Prüfung unterzogen werden. Ich bin begeistert! Die Aussicht, gleich eine Schreibarbeit zu bekommen, verspricht mir viele erfüllte Stunden und ich freue mich jetzt schon drauf – herrlich! Ich vergewissere mich, dass ich ihn richtig verstanden haben: „Sie sprechen von einer Deutsch-Arbeit!? Klar, damit bin ich einverstanden!“ Er nickt und mit einem Male kommen mir Bedenken. Ich kann gar nicht richtig Deutsch. Nur einige Hauptsätze, die sich dann abwandeln lassen. Das war es aber auch schon. Was die englische Sprache anbelangt… oje. Da kenne ich schätzungsweise gerade mal zehn Wörter. Der Rest ist verblasst. Wirklich erstaunlich, dass ich jemals einen Satz auf Englisch habe lesen und verstehen können, der über diese zehn Vokabeln hinausging. Fazit: wahrscheinlich bin ich dieser Deutsch-Arbeit gar nicht gewachsen. Vor meinem inneren Auge erscheinen einige erwachsene Schüler; die eifrig Hausaufgaben machen und noch zusätzlich lernen und üben. Maurin ist auch dabei – ganz fleißig. Ich schaue zur Uhr: 8:20Uhr. Ich könnte noch etwas lernen. Um 8:40 oder 8:50 Uhr ist Beginn. Egal, auch die letzten Minuten könnte ich nutzen. Nur wie komme ich jetzt schnell an mein Schreibzeug? Der Prüfung stimme ich nach wie vor zu, und ich werde selbstverständlich daran teilnehmen.

Mein Weg führt zu einer Duschkabine, die ich erst kürzlich träumte. Sie steht im Halbdunkel eines öffentlich-privaten Ganges, der zwei Abteilungen miteinander verbindet. Während ich langsam meine Kleider ablege, bemerke ich weiter hinten eine Frau. Vermutlich eine Angestellte beim Rundfunk(?) Sie arbeit emsig und konzentriert. Dennoch konfrontiert sie mich mit der Möglichkeit, dass gleich – wenn ich nackt bin – jemand mit dem Finger auf mich zeigen könnte: „Schaut euch diese lächerliche Gestalt an – wie jämmerlich.“ Ja, das könnte tatsächlich geschehen, wenn man sich öffentlich entkleidet. Noch bin ich fast vollständig bekleidet, streife gerade einen schwarz-grau geringelten Socken vom Fuß. Und da spüre ich etwas in mir… Anfangs nur ganz klein und leise. Ich halte inne, spüre genau hin. Tief in mir drinnen keimt etwas auf. Es gibt mir ein Gefühl der Stärke und etwas Aufrechtes. Es ist etwas, das ich als unantastbar beschreiben würde. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Nun spüre ich es nicht nur in mir drinnen, sondern dieses Unantastbare umgibt mich wie eine schützende Aura. Und während ich all dies zunehmend deutlicher spüre, wird es mir gleich, wie andere Menschen auf mich reagieren oder von mir denken – ich bin ich, das genügt mir.

Währenddessen habe ich mich ganz entkleidet. Das Nacktsein ist selbstverständlich und fühlt sich nun ganz natürlich an. Ich fühle mich nicht mehr schutzlos und preisgegeben. Während ich einen Fuß in die Duschwanne setze, greife ich das Duschgel – es wird „Feige-Olive“ sein – und gebe mir davon in die Hand. Hoppla, es geht mit einem Male alles so schnell! Ich bin doch noch gar nicht abgebraust?! Das Duschgel kann ich doch nicht auf der trockenen Haut verreiben! Sehe nun aber das Duschwasser von meiner Haut perlen. Ich bin ja doch schon nass! Und in meiner Hand halte ich das Duschgel „Magnolia“. Hatte ich mich mit dem, was ich in der Eile sah, wirklich geirrt?

Mike und ich haben den Zürcher Hauptbahnhof erreicht, suchen jetzt nach einem Zugang. Gerade entdecken wir einen schmalen Durchschlupf. Mike gleitet seitlich hindurch und ich folge ihm. Im gleichen Moment gleitet die Nase eines Zürcher Schnellzugs durch einen Efeu-Vorhang zu meiner rechten Seite. Jetzt erst bemerke ich die Schienen, die unter dem Efeuvorhang hervorkommen. Wir überquerten sie gerade eben. Nicht ungefährlich, dass die Schnellbahn hier kreuzt, ohne dass es einen Hinweis darauf gäbe. Ganz sachte rollt die Bahn an.

'Engel' von Zilpzalp In der Bahnhofshalle. Mike sitzt in einem gemütlichen Wartebereich auf einer Bank.. Hier gibt es Automaten mit Kaffee und Snacks. Mike liest in seinem Traumbuch. Er hat sich schon einen Becher Kaffee geholt; er steht vor ihm auf dem Tisch. Ich suche noch einen Platz für mein Fahrrad, stelle es anfangs hinter Mikes Rücken, da es dort nicht im Wege steht. Da ich aber noch kurz gehen muss, das Fahrrad aber nicht abschließen will, könnte es hinter seinem Rücken leicht gestohlen werden. Ich schiebe es also mehr in den Wartebereich hinein, direkt vor die Rückenlehne einer Bank. Dieser gegenüber sitzt allerdings ein älteres Ehepaar aus Melsungen. Sicherlich ist so ein sperriges Fahrrad kein angenehmer Blickfang. Ich möchte sie nicht damit belästigen, aber hier hätte Mike es schön im Blick. Ich schiebe es noch etwas zurecht, und hoffe, dass es in diesen Minuten nicht stört. Langsam drängt die Zeit – in spätestens zwanzig Minuten – um 8:40 Uhr oder 8:50 Uhr – ist Abfahrt. Zu Mike sage ich, dass ich kurz raufgehe, um noch ein paar Sachen für Moina und mich zu holen. Zwar vergesse ich in der Eile Mike zu bitten, hoffe aber, dass er mir zwischenzeitlich einen Becher Kaffee besorgt.

Als ich einige Minuten später von hoch oben in den Wartebereich hinab schaue, kann ich Mike nicht entdecken. Dann aber entdecke ich ihn doch Er ist weiter nach rechts gerückt, an einen Tisch in der Ecke. Dort sitzt er zusammen mit einer schwarzen Quäker-Familie am Tisch. Ein puritanisch wirkendes Ehepaar mit Tochter und Sohn. Mike sitzt zwischen den Kindern. Das Mädchen zu seiner linken trägt zwei krause Zöpfe und kann vor Vergnügen gar nicht still sitzen bleiben. So ist es immer… die Kinder lieben Mike sofort. Den Eltern wird er sich vermutlich voll respektvoller Zurückhaltung genähert haben, so wie ich es von ihm gewohnt bin. Kurz schaut er zu mir hoch, doch ehe ich ein Zeichen geben kann – wegen des Kaffees – wendet er sich wieder der Familie zu. Nun bin ich doch etwas enttäuscht, dass er mich hier hängen lässt, aber naja. Bald bin ich wieder unten. In wenigen Minuten fährt die Bahn ab.

Ich stehe auf dem Vorplatz, mein Blick streift das Elternhaus. Ein Passagierflugzeug fliegt gerade über meinen Kopf hinweg, die Fluglinie im Bereich zwischen Elternhaus und Besens. Vier kleinere Flieger begleiten das große Flugzeug, umgeben es wie die Eckpunkte eines Quadrats. Sie fliegen lautlos – Aufklärungsflieger. Es sieht danach aus, dass die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommen soll. Irgendetwas soll in aller Stille geschehen. Die Atmosphäre ist von einem energetischen Vibrieren erfüllt. Da liegt doch etwas in der Luft?

Links:
Grundlagen des Quäkerglaubens
Zur Laterne im grünen Wasser

Ortslinien:
Am Zürichsee
Begegnung mit Carl
Verdachtsmomente und eine Ziege im Stall
Efeukirche
Niemandsland
Geisterbahn
Im Grünen See

Persönliche Verbindung:
Vigis Abendmahl aus Jüngersicht

Wort-Schatz:
Sonderbare Besprechung
Un-verschämt
Underneath
Peanuts bei den Englischen Fräulein und Mr. Jung am Bahnsteig
I skill
Schlüsselsätze – Deutsch und Englisch
Englisch: 2

Bildnachweis:
Engel von Niki de St. Phalle im Zürcher Hauptbahnhof von Zilpzalp/Sevenload.com Danke! :-)

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