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Türen

Traum:
Wir – gut ein Dutzend Menschen – sind auf dem Weg zu uns selbst. Hier in einem leeren Raum zusammen gekommen, um voneinander zu lernen. Die Stimme eines körperlosen Kursleiters schlägt vor, jeder erzählt etwas über sich, zeigt sich den anderen. Dabei könnte uns vielleicht folgende Einstellung helfen: sich vorzustellen, man sei ein Adventskalender, an dem man Tür um Tür öffne. So öffnet man Türchen um Türchen zu sich selbst. Dabei steigt das Bild eines Adventskalenders auf. Er reicht bis zur Zimmerdecke, hat die Form eines Hauses. Einige Türen sind bereits geöffnet; Kerzenschein strahlt heraus.

Wir sitzen zu dritt auf dem Boden; einander zugewandt. Wir wollen Skat spielen; jeder nimmt seine Spielkarten auf. Ich fächere die Karten auseinander, mit der Rückseite nach oben. Oh, das sind ja meine Tarotkarten (blau mit gelb-orangenem Blüten-Kreuz). Das ist unerwartet und etwas ungewöhnlich für ein Skatspiel, aber okay… warum nicht. Wir stellen fest, dass jeder Karten aus einem eigenen Spiel in der Hand hält. Es ist deutlich an den unterschiedlichen Mustern auf der Rückseite zu erkennen. Eine von uns springt auf, um von den Wirtsleuten ein einheitliches Kartendeck zu besorgen. Anfangs finde ich den Gedanken spannend, dass jeder mit seinen Karten spielt, sich diese mit den Karten der anderen vermischen – eine Vorstellung von Farbigkeit und Vielfalt.
Ich stelle mir das Spiel vor: die Karten gehen hin und her. Stets ist an der Kartenrückseite zu erkennen, wie sich das eigene Blatt mit den Karten der anderen mischt. Ein Spieler, der sich merken kann, welches Motiv zu welchem Spieler gehört, dürfte ein jedes Spiel leicht gewinnen können, da an den Rückseiten zu erkennen, wie viele Karten eines jeden Mitspielers dabei sind. Abzüglich der Karten, die man in den eigenen Händen hält, lässt sich dann recht gut einschätzen, welche Karten das Gegenüber haben könnte. Aber dadurch verlöre alles seinen Reiz und ich hätte keine Freude mehr daran. Also springe auch ich auf, um mich ebenfalls um ein einheitliches Kartenspiel zu bemühen.

In dem gemütlichen Kiosk der Wirtsleute. Ich hocke vor einem drehbaren Verkaufsständer und hole einen wiederverschließbaren Klarsichtbeutel hervor, der mit einem Tarot-Set gefüllt ist: eine Schachtel mit einem Tarot-Deck und zwei Beigaben. In diesem Falle ein Fensterbild/eineLaterne mit Marienbildnis; und Schreibzeug. Das Set strahlt Besinnlichkeit aus, spricht mich sofort an. Aus Neugier ziehe ich einen zweiten Beutel hinter dem Drehständer hervor hervor. Auch darin eine Schachtel Tarotkarten und als Beigabe unter anderem eine kleine Flasche Obstbranntwein. Die Flasche ist rautenförmig, ein Teil der Glaswand geriffelt; das Etikett ist durchsichtig, schwarz beschriftet und zeigt die Abbildung einer Orange/Mirabelle. Während ich überlege, ob es sich um Orangenschnaps oder Obstler handelt, nimmt die Frau den Beutel, zieht die Flasche heraus und liest mir die Inhaltsstoffe vor. Oh nein, sie soll sich nicht so viel Mühe damit machen! Sie schlägt vor, ich könne dieses Tarot-Set mit dem Obstler nehmen. Aber ich habe mich ja bereits für das andere Set entschieden! Ich möchte auch keine Spirituosen – sie trüben den Geist.

Mit einem Tarot-Deck in der Hand mache ich mich auf den Weg zurück. Dabei durchquere ich immer wieder neue Räume, die zusammen einen langen Gang durch den Zeit-Raum ergeben. Es sind kleine Räume – etwa fünf Schritte lang. Sie liegen etwas ver-rückt und leicht verschachtelt an-/ineinander. Durch eine Tür geht es hinein, durch die gegenüberliegende in den nächsten Raum hinein. Auf diesem Weg öffne ich verschiedenste Türen. Es geht ziemlich schnell. In der Hand halte ich einen Schlüssel, der erstaunlicherweise bisher für alle Schlösser passte. So betrachte ich diesen Schlüssel genauer: die silberne Oberfläche ist flächenweise abgerieben. Dort kam das darunter liegende glanzlose Gold zum Vorschein. Ja, diesen Schlüssel habe ich seit vielen Jahren – er liegt vertraut und warm in der Hand. Nebenbei registriere ich einen Mann – nackt und alterslos – der ebenso wie ich auf dem Weg ist. Obwohl wir in die gleiche Richtung streben, begegnen wir uns manchmal einander entgegenkommend. Er durchläuft die Räume in anderer Reihenfolge als ich. Mir wird bewusst, dass der Schlüssel in meiner Hand nicht nur all diese Türen durch die Zeit-Räume öffnet, sondern dass es gleichzeitig der Schlüssel ist, der auch die Tür zu meiner Wohnung öffnet! Der Mann hat ebenfalls einen Schlüssel, mit dem sich all die Türen hier öffnen lassen. Logische Schlussfolgerung: wenn sein Schlüssel die gleichen Schlösser öffnet, wie meiner, dann wird er mit seinem Schlüssel auch die Tür zu seiner meiner Wohnung öffnen können. Ich ahnte nicht, dass es irgendwo auf Erden jemanden geben könnte, der den Schlüssel zu mir hat! Nein, ich ahnte noch nicht einmal etwas von der Existenz eines solchen Schlüssels! Vom Gefühl des Ausgeliefertseins übermannt, verwischt die Situation/Szenerie zu einem einzigen Greyout. Dann jedoch wird mir bewusst, dass auch dieser Mann seinen Weg geht, ich nichts zu befürchten habe, denn er wird mir keinen Schaden zufügen wollen. Mit dieser Erkenntnis kehrt die Klarheit zurück.

'Türen - Traumbild' von Traumzeit Ein leerer hoher Raum mit einem weihnachtsblauen Adventskalender in Form eines Hauses. Einige nackte Menschen – sie erinnern an die Tarotkarte „Das Gericht“ – gehen von links auf den Kalender zu. Manchmal gehen sie dabei in die Knie, den Blick nach oben gerichtet, teils die Hände vor der Brust gefaltet, die Augen weit offen, gleichzeitig jedoch demütig gesenkt. Kurz wirken ihre Köpfe so durchscheinend wie anatomische Zeichnungen (Alex Grey/Sacred Mirrors). Ein Teil der Türen am Adventskalender ist geöffnet. Aus ihnen quillt Licht wie Kerzenschein.

Die körperlose Stimme schlägt vor: Zeigt Euch! Habt den Mut, Tür um Tür zu öffnen! Ihr seht den spirituellen Hintergrund – das Licht im Kalender – und vor diesem gibt es nichts, das ihr befürchten müsstet. Im Gegenteil: wenn wir uns zeigen, öffnen wir die Türen zueinander, die Türen zu unseren Herzen und damit die Türen der Liebe.

[Text wartet vielleicht ewig auf Feinschliff]

Notiz:
Gestern nahm ich die Adventskalender-Bastelei wieder in Angriff, die ich erst kürzlich verworfen hatte. Die Frage dabei war, womit ich den Kalender füllen könnte.
Dieser Traum brachte Seelenfrieden. Das Dunkle und Bedrückende der letzten Zeit ist gewichen.

Dieser Traum brachte mir Svarupas “Schwarze Orangen” in Erinnerung.
Zucker träumte kürzlich “Adventskalenderträumen”.

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