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Blitz im Dunkel

Traum:
Mitten in dunkler Nacht. Aus unerfindlichem Grund ist Leben im Wohnzimmer. Nur das Licht einer entfernten Straßenlaterne wirft einen Schein durch den Vorhang. Moina turnt im Dunkel auf der Couch herum. Ich gehe zur Kommode und taste nach meiner DigiCam. Huch, was ist das? Ein leises Surren, das Objektiv fährt aus, noch ehe ich sie berühre. Na, so was, ich wusste nichts von einer selbstauslösenden Funktion. Ich vermute, sie reagiert auf das Licht der Straßenlaterne. Na, dann kann ich auch gleich ein Foto zu machen. Oups, gar nicht so leicht. Als ich sie im Griff habe, gehe ich auf die dem Fenster gegenüberliegende Wand zu, wo sich ein sanfter Lichtkreis in Augenhöhe abzeichnet. Bei einem Blick durch das Objektiv, gleichzeitig auf das Display, entdecke ich etwas Unerwartetes: eine horizontal verlaufende rote Linie zeigt die laufenden Berechnungen an. Mitten auf der Linie eine 1, die Linie endet in Pfeilspitzen, dort wo der lichte Bereich im Dunkel ausläuft. Es sind sogar einige Blütenköpfe zu erkennen; weiße Rundköpfige, die ihren Schatten in den Lichtkreis werfen. In der Camera sirrt es leise, während das Bild scharf wird. Oh wow, ich bin inzwischen sicher, diese Camera wird eine bemerkenswert präzise Aufnahme machen können, obwohl die Bedingungen ungünstig sind. Ja, der Blick durch das Objektiv lässt nun sogar die Bilder eines Trickfilms, der hinter mir im Fernseher läuft, erkennen. Eine farbige Projektion. Phantastisch, ich bin ganz begeistert, denn bisher hielt ich meine Cam für relativ unscharf.

Mit Mike und Moina finde ich mich urplötzlich in Steffens Räumen wieder. Die Räume liegen still – er scheint nicht hier zu sein. Alles liegt im Dunkel, wir gehen tastend und langsam vor. Gleich am Eingang eine Nische. Darin wie ein in der Wand eingelassener Monitor, der das Ende einer Mail, mit den daran anhängenden Bildern zeigt. Hey, die Mail hatte ich gestern zwar gelesen, aber dabei völlig übersehen, dass sich Bilder im Anhang befinden. Das ist ja interessant! Es sind vier Aufnahmen, die wie von hinten beleuchtete Bilder in der Wand integriert sind. Drei dieser Aufnahmen zeigen in etwa das gleich Detail – nur in marginal unterschiedlichem Bildausschnitt: Mauerwerkt und Moos – erdiges Grün mit gebranntem Tonrot. Die Farben sind matt und intensiv; wirken empfänglich. Anhand dieser Bilder werden Details aus einem Traum veranschaulicht. Die Detailliebe berührt mich auf angenehme Weise und ich mag gar nicht meinen Blick davon lassen. Das vierte Bild ist heller, zieht aber meine Aufmerksamkeit weniger auf sich.

Ich gehe wenige Schritte weiter. Der hier noch schmale Raum weitet sich nach rechts. Ein großes Magazin, womöglich ein Atelier, vielleicht ein Loft. Da es dunkel ist, kann ich nicht viel erkennen – eher nur spüren. Mir kommen Stichworte in den Sinn: Equipment, Fotografie, Overhead-Projektor, Flipchart. Mike und Moina tasten sich nahe der Wand weiter, sind mir etwas voraus. Vor mir steht etwas im Weg, ich klettere drüber, dabei bemüht, nicht an einem schwarzen Kabel hängen zu bleiben. Fast im gleichen Augenblick, da ich mich am Boden hinsetze und mich vergewissere, nichts umgestoßen oder beschädigt zu haben, blitzt es grell auf. Direkt vor meinem Gesicht! So ein Mist!! Umgehend begreife ich, was geschehen ist: Steffen hat hier eine Kamera aufgebaut, die sich selbst auslöst, sobald jemand den Belichtungsbereich durchquert. Da ich zufällig genau in Richtung Kamera schaute, als der Blitz ausgelöst wurde, wird mein Gesicht in Großaufnahme zu sehen sein, wie ich ganz neugierig hinschaue. Klar, ich hatte ja nicht gewusst, worüber ich kletterte und wollte nun nachsehen. Auf dem Bild wird es jetzt so aussehen, als schnüffele ich hier herum. Grummel, das ist ja echt zu blöd. Ein kurzer Impuls in mir, die Kamera zu öffnen und dieses Bild einfach herauszunehmen. Aber das wäre ein Eingriff in sein Privatrefugium und ich bringe es nicht übers Herz. Ich bleibe einfach ruhig neben der Kamera sitzen, um nicht noch mehr auszulösen. Auch Mike und Moina finden langsam zur Ruhe. Gleich werde ich überlegen, was wir hier überhaupt machen, was uns hierher geführt hat. Davon habe ich nämlich nicht die leiseste Ahnung.

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