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Lehrjahre gehen zu Ende

Traum:
Die Lehrgebäude liegen verlassen. Viele Lehrjahre liegen hinter uns – fast wie ein ganzes Leben. Nur wir, eine Handvoll Lehrer und Schüler meines Alters, sitzen in einem Klassenraum beisammen. Auf ein letztes gemeinsames Essen. Wir werden das letzte Geschirr und die Gläser spülen, und letztendlich die Tischdecken abziehen und zur Wäsche geben, und gehen – in etwa einer Stunde.

Vor mir auf dem Tisch entdecke ich zwei viereckige Trinkgläser mit geriffelter Oberfläche. Als ich blassschwarze Spuren auf den Gläsern entdecke, schärfe ich den Blick. Auf einer Seite der Gläser klebt jeweils ein durchsichtiger Aufkleber, der vor Jahren mit schwarzem Folienschreiber beschriftet wurde. Nur ein Hauch dieser Linien blieb zurück. Vorsichtig löse ich die Aufkleber und halte sie gegen das Licht. Mit wenigen Strichen skizziert das Portrait des Schülers und der Schülerin. Ich mache die Lehrerin auf die Gläser aufmerksam. Sie wundert sich: „Diese Arbeiten sind nie bewertet worden…“
Deshalb sind die Gläser also noch hier. In all den Jahren – zehn oder zwanzig Jahre, vielleicht mehr – kümmerte sich niemand drum; niemand vermisste sie, niemanden fielen sie auf. „Es sind gute Arbeiten“, stellt die Lehrerin fest.
Umso verwunderlicher, dass sie nicht mitgenommen wurden. Die Gläser, etwas Zurückgelassenes mir unbekannter Menschen. Schicksal… wohin es diese Menschen wohl führte. Die Gläser und was damit verbunden wurde; das Leben war vielleicht voller Visionen und Pläne… Die Gläser heute, wie ein Foto aus vergangener Zeit – ein Zeitstempel, der längst an Bedeutung verloren hat. Die Lehrerin möchte die Bewertungen nachholen. Gute Arbeiten sollte man nicht unbewertet lassen, so ihre Meinung.

Mit einem Arm voller gebrauchter Tischwäsche laufe ich einen der Gänge im Schulgebäude entlang, um die letzten Arbeiten zu beginnen. Gleich werde ich noch Besteck und Gläser abwaschen, derweil auch die Pizza in den Ofen schieben, die wir zusammen essen wollen.

In einer kleinen Küche. Völlig überraschend erscheint die Nürnberger Geschäftsfrau. Wir hatten lange keinen Kontakt mehr. Mich an vergangene Vorkommnisse erinnernd, bin ich zwar freundlich, aber mein Entgegenkommen bleibt distanziert. Wir wechseln wenige Worte. Sie verlässt die Küche um zu den anderen zu gehen. Durch den Windzug ihrer Schritte ausgelöst, kippt ihre (meine) auf dem Boden stehende Handtasche zur Seite. Ein paar Tampons rollen heraus. Anfangs überlege ich, ob es nicht meine eigenen Tampons sind, die in Bewegung gerieten, sich mit ihrem Tascheninhalt vermischten. Ich sehe nämlich die Tampongröße Spezial. Es wundert mich, hätte eher gedacht, sie verwende Normal. Nachdem ich die Sache ganz genau betrachtet habe, komme ich zu dem Ergebnis: es sind ihre Tampons und sie sind Spezial. Dann wende ich mich den Arbeiten zu. Es ist ein gutes Gefühl. So lange Jahre liegen hinter uns – dieses ganze Lehrgebäude. Nun ist die Zeit zu Ende, alles ist geklärt und aufgeräumt – nur noch letzte Handgriffe stehen aus.

Mike fährt auf einem roten Mini-Motorrad vor mir her. Der Weg führt uns am Kanal entlang – wie die Themse/ der Main? Ich fahre mit dem Rad hinterher. Moina bei mir. Hinter mir folgen einige Verwandte. Mike fährt mit deutlichem Rechtsdrall, nähert sich schnell dem Kanal. Er müsste es doch merken, selbst wenn er mit anderem beschäftigt ist. Aber er merkt es nicht. Selbst jetzt nicht, als er über die Kante fährt. Ihm bleibt keine Chance zur Umkehr. Das Wasser beginnt zehn oder zwanzig Meter weiter unten. Ich überlege, ihm zu folgen. Moina? Sie kann sich im Wasser auf meinen Rücken legen, sich an meinen Schultern halten und ich werde so mit ihr ans andere Ufer schwimmen. Ich sehe kein Problem und folge Mike. Was die Verwandten nun tun… – es sei ihnen überlassen.

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