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Behinderter Geist

Traum:
Bis vor wenigen Minuten wurde ein geisteswissenschaftlicher Vortrag gehalten, der immer wieder unterbrochen wurde, um mit den reichlich erschienen Zuhörern ins Gespräch zu kommen. Eine interessante Veranstaltung liegt hinter mir – die Zeit verging wie im Fluge und meine Wangen sind noch ganz gerötet, so anregend und bewegend war es. Ich fühle mich inspiriert und herrlich lebendig. Es sind überwiegend Männer, die nun grüppchenweise im Zollsaal herumstehen und sich unterhalten. Es gab so viel neue Eindrücke – reichlich Gesprächsstoff. Ich muss nun aufbrechen, denn ich habe noch eine Termin – eine eher alltägliche Verpflichtung, die ziemlich ernüchtert wirkt, und mich von den geistigen Höhenflügen wieder auf den Boden zurückbringt.

[…] … die Erinnerung an den hier folgenden Trauminhalt fehlt. Das einzige was bleibt ist ein isoliertes Bild: ein ockerfarbenes Fahrradgestell vor weißem Hintergrund.

[…] Mike wartet mit Moina an der Hand an einem Personalausgang (Abwaschküche?) am Rande des Saales. Ich sage: „Wir müssen sofort los, die Bahn geht gleich!“ Von Beginn an trödelt Moina und wenn es so weitergeht, werden wir die Bahn verpassen, die mich noch pünktlich zum Termin bringen könnte. Da ich noch eine Fahrkarte lösen muss – Mike hat eine Monatskarte – schlage ich vor, schon mal vorzulaufen und den Zeitvorsprung zum Ziehen einer Fahrkarte zu nutzen. Dann schaffen wir es vielleicht doch noch. Wir werden uns an der Haltestelle treffen. Okay, ich laufe los.

Es klappt, die U5 nimmt mich auf und fährt von der Sigmund-Freud-Straße los. Schnell ist die nächste Haltestelle (real nur wenige Meter Entfernung) erreicht und ich spähe durch die Türfenster, ob Mike und Moina es geschafft haben. Anfangs entdecke ich sie zwischen all den Wartenden nicht – oje! Aber dann doch, sie passieren gerade die Wegbehinderung am Bahndamm. Ich vergewissere mich, dass sie tatsächlich einsteigen und setze mich hin. Hinter mir bemerke ich, dass sie einen Sitzplatz an der rechten Seite gefunden haben.

Nun erst richtet sich meine Wahrnehmung auf die Vierersitzgruppe, wo ich einen Platz am Gang gefunden habe. Zwei Frauen sitzen am Fenster und unterhalten sich laut. In meinen Ohren ist es dummes Blabla und irgendwelches Geschnatter. Peinlich, wenn Menschen ungehemmt so viel dummes Zeug in voller Lautstärke von sich geben. Wer will das hören? Nur meist ist es ja so, dass es eben diesen Zeitgenossen völlig gleichgültig ist. Mit einem Male dreht sich die Frau, die links neben mir sitzt, zu mir her und blafft mich voll an: „Ey, haste’n Problem mit mir?“ Gerade will ich verneinen, da greift sie in mein Gesicht und kratzt mit allen zehn Fingernägeln über die Haut. Noch während die Finger auf mich zukommen, bemerke ich die total sauberen weißen Fingernägel. Sie sehen aus, wie lange gebadet und gereinigt. Nur am Mittelfinger der rechten Hand ist ein winziges schwarzes Körnchen unter dem Nagel – dieses irritiert mich sehr, eben weil die Nägel so grundsauber sind! Andererseits bin ich froh, dass es nur ein Körnchen ist und nichts, an dem ich Krankheitserreger vermuten würde. Trotzdem… es stört mich und ich sage mit lauter und entschlossener Stimme: „Ich möchte nicht, dass Sie das machen!!!“ Sie schaut mich herablassend an. Ihrem Gesichtsausdruck entnehme ich, dass sie mich für hart und herzlos hält. Dabei bemerke ich ihre wimperlosen Augen – vielleicht sind es auch unsichtbare Wimpern, denn sie hat blonde Haare. Ihr Gesicht ist weiß mit blassen Sommersprossen auf den Wangen. Die Gesichtshaut wirkt etwas aufgedunsen – dickes Fell? – und mir geht auf, dass sie wahrscheinlich geistig minderbemittelt, wenn nicht gar behindert ist. Ebenso womöglich ihre Bekannte, die ihr gegenüber sitzt. Das zumindest würde ihre Einfältigkeit erklären, und dass sie sich derer nicht schämen.

Ich fühle mich unwohl. Nachdem ich mich laut dagegen ausgesprochen habe, weiterhin von ihr gekratzt zu werden, werden alle anderen Fahrgäste einen herzlosen Menschen in mir sehen. Denn wie kann man einer armen Behinderten verbieten, dass sie kratzt. Es ist ja wohl das Mindeste, was man einem Menschen zugestehen sollte. Einem geistig behinderten Menschen sollte man diese kleine Freude erst recht nicht nehmen. Jaa jaa…, denke ich entnervt. Aber ich habe jetzt die Faxen dicke und will das nun mal nicht. Sie soll mich mit ihren Krallen in Ruhe lassen.

Traum-Ort/Google Maps

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2 Antworten zu Behinderter Geist

  1. zuckerwattewolkenmond

    erinnert mich wieder an einen, den ich einmal hatte, wo ich ebenfalls in einer Bahn saß und um mich herum überall furzende Kinder. Nach dem Aufwachen konnte ich nicht mehr vor Lachen, weil das irgendwie so surreal und gleichzeitig urkomisch war. *gg*

  2. REPLY:
    das ist d a s Abwehrmittel – Furzen! Gerade kürzlich habe ich so ein Mini-Furzkissen in der Spielzeugabteilung entdeckt. Sowas gehört in die Jackentasche; wenn mich jemand kratzen will, drücke ich drauf *pffffrrrr*