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Glühstrumpf und Anrufung

Eine traumreiche Nacht, von der nur wenig in Erinnerung blieb.

Traum:
Bioladen-Verkaufslagerraum. Vor uns, in Stirnhöhe, ein tiefes Regalbrett. Gemeinsam mit zwei Assistentinnen packe ich die Kartons aus, arrangiere das Angebot mit Socken und Kniestrümpfen. Eine reichliche Auswahl verschiedener Modelle – in mehreren Größen und unterschiedlichen Farben. Der hintere Bereich des Regals ist bald bestückt und wir stehen vor dem Problem, noch viel mehr Modelle präsentieren zu müssen, ohne dabei die hintere Auswahl zu verdecken. Wie können wir das gestalten? Ich frage die Assistentinnen, ob die Chefin bestimmte Vorstellungen hinsichtlich der Präsentation geäußert habe. Keine wüsste davon. Ja, dann sollten wir sie erst einmal befragen; das könnte neue Impulse geben!

Einige Schritte vom Strumpf- und Sockenregal entfernt. Links an der Wand liegt ein Haufen zusammengefegtes trockenes Herbstlaub verschiedener Bäume. Eine ältere Frau kommt hinzu und wählt ein Blatt aus dem Haufen. Greift erst ein halbes Kastanienblatt, entdeckt dann aber ein vollständiges Kastanienblatt, dessen Blattspitzen sich bereits aufgerollt haben. Okay, sie kann es nehmen, ohne dafür ein Entgelt zu entrichten – eigentlich ist das Laub nur für den Verkauf gedacht. Für ein krumpeliges Kastanienblatt nehmen wir natürlich kein Geld – und ich hoffe, das ist auch ganz im Sinne meiner Vorgesetzten.

[…]

Moina, Mike und ich gehen ins Wochenende. Achmed steht schon fern, viele Schritte entfernt. Ehe wir gehen ein Umwenden und Stehenbleiben. Zum Abschied winke ich Achmed zu. Er lächelt. Freude. Moina schaut mich still fragend an: „Soll ich, darf ich?“ Ich nicke lächelnd, sie winkt Achmed zu. Er lächelt. Freude.

[…]

English, that’s the way.

[…]

Ein Päckchen von Rabina – vielleicht zu meinem Geburtstag. Darin drei Kleidungsstücke: eine dunkelblaue Hose, eine braune Velourslederbluse im Indianer-Look und eine altbacken wirkende Flanellbluse mit herbstfarbenem Blockkaromuster. Sie hatte mir diese Klamotten bereits während meiner Schwangerschaft geliehen. Inzwischen hatte ich es ihr zurückgegeben, denn es war mir zu klein. Ihr ist es heute noch zu klein, mir aber passt es wieder. Obwohl der Kleidungsstil altmodisch wirkt, scheint es mir doch ein besonderes Geschenk zu sein, über das ich mich irgendwie freue.

Eine Glückwunschkarte liegt dabei. Mit handgeschriebenen, etwas rätselhaft anmutenden Vierzeilern. Rabina liest sie vor, links neben mir am Boden sitzend, während die Worte vor meinen Augen vorüberziehen. Immer wieder kommt die Zahl Zwei vor. „Erst zwei, dann eins, dann keins!“ Woran nur erinnert mich das? An das Hexen-Einmaleins.
Dann wird mir klar, dass Rabina hier geheimes Wissen aus einem spiritistischen Zirkel rezitiert, den sie längst hinter sich gelassen hat. Vierzeiler, die vielleicht zur Anrufung gesprochen wurden. Die Vierzeiler nehmen kein Ende. Sie entrollen sich wie ein langes Band über den unteren Kartenrand hinaus – frei schwebend, ohne ihre Form zu verlieren. Es geht um Heirat und um den Herbst, und immer wieder um die Zwei.

Während ich aus dem Traum aufwache, folgen mir die sichtbaren Worte, inzwischen von männlicher Stimme eindringlich geflüstert. Ich blicke mich um, nach unten in die dämmerdunkle Tiefe träumenden Raums, und sehe die Vierzeiler mir folgen
– wie ein Sternenschweif aus einem Zauberstab.
Ich registriere bereits die Geräusche im Wachleben, spüre mich im Bett liegen, aber die Vierzeiler werden nach wie vor eingegeben, immer schneller nun, als sei keine Zeit zu verlieren. Es verliert sich mit dem Aufstehen.

Notiz:
„Mich dünkt, das Traum-Ich ist im Fieber…“
Mephisto: „Das ist noch lange nicht vorüber.“

Ich argwöhne, dass dieser Traum mit dem Triggerwort zusammenhängt, das ich gestern kurz vor dem Schlafengehen noch las. Ein Triggerwort, nach außen hin völlig harmlos dargeboten: im TV rumchanneln!

Ich würde behaupten w o l l e n, dem Traum hafte der Geruch von Mottenkugeln an! Es muss so sein, angesichts des altertümlich anmutenden spiritistischen Hokuspokus, den altbacken wirkenden Klamotten und all den Socken in den Kartons! Die Traumkartons erinnern an Kartons meiner Tante; die rochen doch auch nach Mottenkugeln! Meinem Empfinden nach verweigern die Traumkartons vehement, den Mottenkugelgeruch anzunehmen.

Geburtstag, Strümpfe, Päckchen erinnern daran, dass ich kürzlich wieder über dieses „Glühstrumpf“ gestolpert bin. Ich weiß, dass Glühstrumpf ein problematisches Wörtchen für mich ist. Denn ich will es keinesfalls in den Mund nehmen, aber es übt – gerade deshalb – eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich aus!
Ein Wort, eine Redewendung, einen blöden Schnack auf keinen Fall in den Mund nehmen zu wollen, aber gerade dies immer wieder ganz beharrlich ins Bewusstsein dringt und leise raunt: Nimm mich, nimm mich, nimm mich!! Kennt das jemand?

Verwandte Träume:
„Lebensbaum“
Ich sollte Spiritistin werden!

Mir dämmert langsam, dass ich versuche, die ganze Sache ein wenig ins Lächerliche zu ziehen. Warum mache ich das? Halte ich es nicht aus, es ernst zu nehmen? Irgend etwas macht mir da Angst, nur kann ich es noch nicht begreifen/erkennen.

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