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Herzblut

Traum:
Nach Ewigkeiten, so scheint es mir, trete ich erneut meine Tätigkeit als Haushälterin an. Die Räumlichkeiten meiner Brotgeber wirken vertraut, als ich durch die Räume gehe, um mir einen Überblick zu verschaffen. Einerseits bin ich froh, heute endlich daran gedacht zu haben, arbeiten zu gehen! Andererseits ist da auch eine Unsicherheit in mir: ob das wirklich wahr ist, dass meine Arbeit hier erwünscht ist? Womöglich irritiert es die Leute, mich hier plötzlich zu sehen? Ich kann mich nämlich nicht an irgendein Gespräch erinnern, während dem dies abgemacht wurde. Aber ehe ich hier jetzt meine Zeit tatenlos vertrödele, was ich schon seit einiger Zeit tue, will ich nun endlich loslegen, sonst schaffe ich mein heutiges Pensum nicht.

Der Bereich im Erdgeschoss sieht schon ganz ordentlich aus und ich gehe in die erste Etage hinauf. Mit ungutem Gefühl sehe ich, dass ich hier noch gar nicht angefangen habe. Die Zeit wird knapp. Schlafzimmer… okay, nur wenig aufzuräumen, Betten machen; Badezimmer wie üblich, das Kinderzimmer ist schon etwas chaotischer. Dennoch, alles machbar. Am Ende der Räume erblicke ich die offene Tür zu einem abseits gelegenen Keller. Die Dunkelheit greift weit hinauf. Die Stufen legen voller Duplo-Legosteine, verlieren sich wie ein Halo-Effekt bald im Dunkel. So, wie sich die Lage jetzt darstellt, ist der Zutritt in den Keller nicht ungehindert möglich. Hier werde ich aufräumen m ü s s e n!

Ich gehe zurück ins Erdgeschoss, um dort zu beginnen. Vom Wohnraum aus blicke ich in die offene Tür zum Werkskeller. Der Hausherr steht am unteren Treppenabsatz im hellen Licht und schaut mich an. Wir haben uns lange nicht gesehen… Einige Momente halten wir bewegungslos inne, schauen uns in die Augen, ehe er hinauf kommt. Dabei sehe ich mich kurz in einem Spiegel; wie ich an diesem vorübergehe und einen Blick hineinwerfe. Ich trage eine anliegende graue Jogginghose, lässig auf der Hüfte sitzend, weiße Unterwäsche wallt über dem oberen Bund. Mein Buch Bauch ist frei, ich ziehe ihn etwas ein, damit er flach ist. Welchen Eindruck ich wohl auf ihn mache? Ob es so okay ist?

Im Wohnraum kommen wir aufeinander zu. Er sieht anders aus, als ich ihn in Erinnerung habe. Etwas Warmes und Vertrautes ist zwischen uns, das es früher nicht gab. Er wirkt mir wohlgesonnen und ich trete langsam auf ihn zu, lege meine Hände sachte auf seine Oberarme, lassen sie langsam nach unten gleiten; spüre seinen warmen Pullover. Er fühlt sich weich und empfänglich an. Die Hände wieder auf seinen Oberarmen, schmiege ich langsam und tastend meine Wange an seinen Hals, verteile leichte Küsse bis zum Nacken. Da ist etwas zwischen uns, etwas Zärtliches und Zartes, ohne dass Sexuelles hinspielte. Eine Annäherung, die vielleicht die Erfüllung langer Sehnsucht ist. Ich spüre seine Hand leicht auf meiner Hüfte liegen. Voller Wärme stellt er fest: „Heute sind Sie aber mit mehr Herzblut dabei (als damals).“ Seine Worte verstehe ich so, als wolle er damit sagen, dass meine Annäherung bereits damals erfolgreich gewesen wäre, wenn ich mit Herzblut dabei gewesen wäre. Aber was denkt er denn, was Schüchternheit und Ängste von einem Menschen übrig lassen? Kaum mehr als einen Bruchteil dessen, was er empfindet, könnte er zum Ausdruck bringen! Oh, ich wäre bereits damals mit Herzblut dabei gewesen, wenn mich nicht all diese Macken behindert hätten. Wie schön, dass dies heute keine Rolle mehr spielt. Heute habe ich den Mut zu mehr Offenheit.

Draußen, etwas vom Haus entfernt – Straßenbereich. Ich beobachte das Eintreffen des Fernsehteams. Große Lkw kommen, hoch beladen mit Wänden und Räumen, von denen ich immer wieder befürchte, sie könnten auf mich hernieder fallen, während sie um die Kurve kommen oder abbiegen! Aber dann sehe ich, es sind nur ganz leichte Fassaden; für die Dreharbeiten am heutigen Vormittag! Stürzte einer dieser leichten Wände auf mich, es würde mich kaum verletzen und schmerzen.

Auf einer kleineres Straße, die zur Hauptstraße führt, sehe ich zwei Oldtimer kommen. Einer ist beige, fährt rasant die Straße hinab. Der andere ist von altem Grün und wird rückwärts gefahren. Wie schnell der Fahrer ist! Und das bei einer Rückwärtsfahrt! Dann aber erinnere ich mich, dass diese Fahrt Teil der Vorbereitungen zu den Dreharbeiten ist und der Fahrer es gewohnt ist, rückwärts zu fahren. Er hat die Sicherheit und die Erfahrungen. Da wird kaum etwas geschehen. Ich bin dann wieder mehr bei mir, während ich das Geschehen verfolge und überlege, wie sich die Dreharbeiten wohl darstellen werden. Ob auch ich eingesetzt werde, wenn das Alltagsleben der Familie (meiner Arbeitgeber) gefilmt wird. Naheliegend wäre es, denn ich gehöre ja quasi zum Inventar. Ach nee, so überlege ich dann, vermutlich wird man eine hübsche Schauspielerin an meiner Stelle nehmen; das kommt bei den Zuschauern einfach besser an. Ist das schade? Ja, ein wenig schmerzt es.

Zurück im Haus sehe ich, dass der Hausherr mit allerlei Dingen einen geradlinigen Parcours im Wohnraum legte. Die dafür verwendeten Gegenstände sind von Größe und Form her alle ähnlich: Bücher, Videokassetten, Holzdeko. Als ich um die Raumtrennung blicke, probiert er die Spur gerade aus, geht darauf entlang. Inzwischen sind auch die ersten Freunde der Familie eingetroffen und ich halte mich dann allen höflich fern.

Während ich den Traum erinnere, schlafe ich wieder ein. Als ich erneut aufwache, erinnere ich nur noch den Rest eines Traumes:

Eine Stimme sagt: „Ein Tier (der Hausherr), kopfüber, mit einem Fuß in der Schlinge am Baum hängend. So sehen ihn kurz vor seinem Tod britische Berichterstatter.“ Da kommt mir die Tarot-Karte des Gehängten in den Sinn.

Diese letzte Szene erinnere ich als mitten in vorherigem Traum eingebettet, so dass ich nicht sicher bin, ob nicht alles Traum war – so wie beschrieben.

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