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Der Weg zum Einsiedler

Traum:
'Postbank - vom Hauptfriedhof aus gesehen' von Traumzeit
[…] Im Kassenbereich einer Autobahnraststätte. Mike und ich sind auf dem Weg nach Worpswede, kaufen hier eine Kleinigkeit für unterwegs. Ich bemerke, dass ich den herbstblauen Strickpullover trage, den ich bereits gestern zum Martinsfeuer/Laternenlauf anhatte. Mike übt einige Kritik an einem Verhalten, das ich jüngst zu Tage legte. Ich muss ihm zustimmen, denn er hat Recht, und das fühlt sich nicht so gut an. Hinzu kommt, dass ich deutliche Unlust spüre, mich in dieser Hinsicht zu verändern; was mein Befinden nicht gerade bessert.

Hinaus! Toll, der Abwasch der feinen Porzellan-Essteller ist erledigt. Mit einem guten und unbeschwertem Gefühl mache ich mich auf den Weg zu einem Treffen mit Angelique/“die Dame“.

Vermutlich war ich gerade austreten, und kehre nun in den Hauptraum, an unseren Tisch im „Kaffee Verrückt“ zurück. Vier kleine quadratische Tische – sogenannte Katzentische – stehen um den Lebensbaum/ Totempfahl herum. An einem dieser Tische sitzen wir. Auf unseren Plätzen je ein Getränk und eine kleine Mahlzeit. Unsere Mäntel haben wir auf die „Worpsweder Stühle“ an einem zweiten Tisch abgelegt. Dabei bemerke ich mindestens einen Mantel aus pantherschwarzem Fellimitat; vielleicht sind es auch zwei. Gleich zwei Tische in Beschlag zu nehmen ist natürlich ziemlich zwanglos, aber da hier im Moment wenig los ist, dürfte es kaum stören.

Kaum sitze ich wieder auf meinem Stuhl, spüre ich den damaligen Geschäftsführer hinter meinem Rücken nahen und drehe mich um. Er hält inne – ein kleines Silbertablett mit einem Kaffeegedeck tragend – und schaut zu uns her; zu den Mänteln an dem zweiten Tisch und sagt: „Sollte es hier voller werden, nehmen Sie doch bitte die Mäntel an Ihren Tisch.“ „Ja, ist doch eh klar – machen wir!“, antworte ich gutgelaunt. Dabei fällt mein Blick auf seine Schuhe. Schwarze Lederschuhe mit zwei Längsnähten, Schuhgröße 45, eher 46, am Fußballen ausgeprägt kräftiger Fuß mit eher breiter Trittfläche. Irgend etwas in Hinsicht auf meine eigenen Schuhe geht mir dabei durch den Sinn – vielleicht Vergleichendes, das mich unentschlossen zurücklässt. Kurz überlege ich, die Mäntel bereits jetzt an unseren Tisch zu nehmen; dann wäre es gleich geklärt. Aber ach, es ist soo gemütlich so.

Von außen höre ich die Kfz-Mutter ihren Sohn zu sich rufen. Er ist etwa so alt wie ich, hält sich auch hier im Hauptraum auf. Die Mutter lässt ihn wissen, sie sei jetzt bereit, offen und voller Lust. Aha, denke ich, sie ruft zum Sex. Erfreut macht sich der Sohn auf den Weg, geht durch den Seiteneingang hinaus. Angelique steht auf und sagt, sie wolle hinausgehen und eine Zigarette rauchen; ob ich mitkomme. Ich folge ihr und wir verlassen das Café ebenfalls durch den Seiteneingang – real ist dort die „Koenemann-Ecke“.

Ich trete in mondenhelle Nacht – allein – auf die Grünfläche hinter dem Elternhaus, mit langgestrecktem Holzschuppen (den es real heute nicht mehr gibt). Vor der ersten der drei Schuppentüren liegt ein wachender Hut Hund. Er hebt den Kopf, als er mich bemerkt und schaut mir ins Gesicht. Ein sonderbarer Hund mit blanker Haut, so als habe man ihm das Fell über die Ohren gezogen. Seine Haut glänzt gebräunt – wie enthäutete, frisch gebratene Hühnerbrust. Dann passiere ich den mittleren Schuppenbereich. Hinter den Bretterwänden bemerke ich Mutter und Sohn, deren Energie durch die Bretterritzen schwillt und sich zu einem nebelhaften Bild formiert: die Mutter liegt auf einem Strohlager mit weißem Laken, umrahmt von Holzscheiten, die an den Wänden hochgestapelt lagern. Ihr langes weißes Gewand, in üppigen weichen Falten liegend, ist hochgeschlagen, ihr Leib (Schoß) wirkt weit und offen, die Schenkel gespreizt und die Arme weit geöffnet, empfängt sie ihren Sohn und den Heiligen Geist. Der Sohn, er hat die Gestalt eines Jünglings, hat die Hose abgelegt, ist im Begriff, mit aufgerichtetem schlanken Stab in den weichen Schoß einzudringen. Eine erregende Situation, wie prickelnde Sektperlen an den Lippen. Ich könnte durch die Ritzen schauen, um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, aber die Höflichkeit ist stärker als die Neugier und ich gehe weiter, wobei sich die Erregung bald auflöst. Im Vorübergehen werfe ich einen Blick in den offenen Eingang, direkt neben dem Lustraum. Dieser offene Bereich zeigt sich angenehm aufgeräumt, leer – da sind nicht einmal Schatten in den Ecken zu sehen. Ein Hund bewacht auch hier den Eingang.

Auch vor der dritten Schuppentür, also am Ende des Schuppens, liegt ein wachender Hund und schaut mich neugierig an. So als würde er mich erkennen, legt er bald den Kopf wieder auf den Vorderläufen ab. Ich sehe auf diesem Weg mehrere Hunde – mit weißem und mit dunkelbraunem Fell. An jeder Tür wacht einer dieser Hunde, die sich alle ähnlich sind, nur ihr Fell ist unterschiedlich.

Dann bin ich am Schuppen vorbei und gehe weiter in den Wald hinein – real führt der Weg, wenige Schritte nur, direkt zum Elternhaus. Die Nacht wird dunkler, rätselhafter, wie von Wolkenschatten durchwoben – vage geisterhaft, ohne zu ängstigen. Vor mir liegt die Holzhütte im Wald, von der ich erst in diesem Moment weiß, dass sie mein Ziel ist.

Das Dunkel ist bald von lautlosem Wispern erfüllt und mir wird es etwas mulmig. Vor der Tür der Holzhütte (real war dort früher mal die Jauchegrube) liegt wieder ein Hund; einer dem das Fell abgezogen wurde, wieder mit gebräuntem Fleisch. In dieser Hütte, so ahne ich, lebt seit Urzeiten ein Familienmitglied; völlig zurückgezogen – vielleicht ein Einsiedler. Es fühlt sich ganz besonders eigenartig an. Etwas Unbeschreibliches, weil noch Unerkanntes Unbekanntes, liegt in der Luft. Im Grau der Nacht sehe ich meine Hand langsam zum Türgriff greifen. …

Allerlei Notizen zu diesem Traum.

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8 Antworten zu Der Weg zum Einsiedler

  1. zuckerwattewolkenmond

    ich ein bißchen an dieses eine Märchen von Andersen denken (ich komm jetzt leider nicht auf den Titel), wo ein Soldat in einen hohlen Baum klettert und dort verschiedene Türen findet, die jeweils von Hunden mit tellergroßen Augen bewacht werden (zumindest war das in meiner Erinnerung so).

  2. REPLY:
    Liebe Zucker, wow, nun bin ich baff! Denn gestern kam ich tatsächlich ganz kurz mit einem Märchen von Andersen in Berührung: Däumelinchen. Allerdings hatte ich das Märchen gestern aus Zeitmangel nicht mehr gelesen. Zwar ist mir das Märchen wohl aus meiner Kindheit bekannt, aber inhaltlich könnte ich es nicht wiedergeben. Also, ich weiß im Moment nicht, ob die Hunde in Däumelinchen vielleicht eine Rolle spielen.

    Das ist ja spannend – danke! Ohne Dich hätte ich mich nicht mehr daran erinnert.

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    war es definitiv nicht. Es war ein anderes, ich glaube, im Titel kam “Soldat” oder sowas vor. Aber vielleicht hängt deine Däumelinchen-Erinnerung ja irgendwie auch mit dem anderen Märchen zusammen. Das ist bei mir z.B. bei dem Klaus- und dem Schattenmärchen so, weil meiner Meinung nach in beiden Märchen Koffer vorkommen (oder zumindest Koffer und Sack oder so). ;o)

  4. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    Einmal gegoogelt und gleich Treffer. Das Märchen hieß “Das Feuerzeug”. ;o)

  5. REPLY:
    Aber immerhin Andersen. Und vermutlich ist es ähnlich wie mit Deinen Märchenkoffern, und die Gemeinsamkeit ist womöglich woanders zu finden. Echt, sowas finde ich immer spannend. *freu*

  6. REPLY:
    Vielen Dank – jetzt habe ich zwei Märchen in der Warteschlange. ;-)

  7. zuckerwattewolkenmond
  8. REPLY:
    auf dem Silbertablett serviert – phantastisch! Nochmals Danke! :-)