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Aus den Augen verlorene Identität und Netzwerk-Poncho

Traum:
Vor ein paar Tagen war ich bereits hier. Heute kehre ich zurück – entschlossener, den Staubsauger zu kaufen. Im Halbdunkel stehe ich vor dem Aktionsstapel mit den Staubsaugern. Es sind nicht mehr viele Kartons da. Mit den Augen überprüfe ich einen offenen Karton; ob alle Teile vorhanden sind? Es lässt sich leicht überblicken, da jedes Teil in einer eigens vorgeformten Vertiefung liegt. Ich nehme den Staubsaugerfuß in die Hand, drehe ihn hin und her – okay. Was diesen Staubsauger besonders interessant macht, ist entweder ein Schalter, der eine zusätzliche Funktion ausführt oder eine besonders saugkräftige Bürste. Jedenfalls verspricht dieser Staubsauger eine besonders tiefenreinigende Wirkung. Ich würde ihn sehr gerne kaufen! Allerdings kostet er 179 Euro. Das ist wirklich nicht teuer, aber in meinem Portemonnaie ist nur noch etwas Kleingeld. Wie verlockend, einfach mit der EC-Karte zu bezahlen. Aber was soll das… ich würde mein Konto überziehen. Bedauernd packe ich alles in den Karton zurück und trage ihn zu dem Warengestell in den Bereich des Ladens der voll beleuchtet ist. Dort lagern nämlich ein ebenfalls ein paar Kartons dieser Staubsauger-Aktion. Es ist klar, dass wenn ich heute keinen kaufe, beim nächsten Mal vermutlich keiner mehr da sein wird. Aber mal ehrlich… man kann nicht jedes Mal gleich einen neuen Staubsauger kaufen, nur weil ein Teil des Saugrohrs abgebrochen ist. Vielleicht lässt sich da noch etwas kleben. Funktionstüchtig ist mein alter Sauger eh noch. Mit dem angenehmen Gefühl von Entschlossenheit stelle ich den Staubsauger zurück und bin fast sicher: ich tue das Richtige!

Dann gehe ich durch eine Tür hinaus, komme an einer dort stehenden Kasse vorbei. Die Frau hinter dem Tresen nickt freundlich und macht darauf aufmerksam, dass der Boden noch feucht ist. Es sei ausnahmsweise mal zwischendurch gewischt worden! Ich trage meine alten schwarzen Boots, die haben ein gutes Profil; damit komme ich so leicht nicht ins Rutschen. Während der nächsten Schritte überprüfe ich diesen Gedanken, versuche zu schlittern – nee geht nicht. Drehe mich zu der Kassiererin um und sage: „Das gibt es auch nur in Europa, dass während der Besuchszeiten nicht gewischt werden darf.“

Während ich den Blick wieder nach vorne richte und weitergehe, bekomme ich einen spürbaren Rechtsdrall. Ohne es verhindern zu können, drifte ich rechts an einem Schreibtisch vorbei in die Büroabteilung – oups, in den Verwaltungsbereich! Dort sitzt die Chefin des Kaufhauses am Rechner und arbeitet konzentriert. Erst jetzt bemerke ich, dass ich hier nicht weiterkomme, denn schließlich muss ich in den Verkaufsbereich, nicht in die Büroabteilung! Während ich an ihr vorbei zurückgehe, ruft sie mir ein herzenswarmes „Willkooommeeen!!!“ zu. Nanu? Willkommen? Ich?? Ganz kurz schießt mir die absurde Idee durch den Kopf, ich könne hier im Büro Arbeit finden.

Den Gang weiter, dieser mündet in eine recht kleine Abteilung. Links, im Halbdunkel, sehe ich Bademoden und ähnlichen Schnickschnack. Eigentlich nicht das, was ich suche. Ich interessiere mich für Alltagskleidung; Anziehendes für den Herbst und für den Winter! Zwei junge Männer überholen mich, einer legt den Arm um meine Taille und zieht mich mit angenehm festem Griff ein paar Schritte mit sich. Ich schaue zu ihm hoch, in sein Gesicht, darauf wartend, dass er sich enttäuscht abwendet, nun da er mein Gesicht erkennen kann. 'FOR SALE' von Traumzeit Aber nein, er lacht mich vergnügt an und ich bekomme überhaupt nicht das Gefühl, dass er etwas Mütterliches in mir sieht – das tut mir total gut. Nach wenigen Schritten trennen sich unsere Wege – auf ganz natürliche Weise. Eine schöne Begegnung. Währenddessen war ich an drei Cafétischen vorbeigegangen. An einem sitzen zwei Frauen und unterhalten sich angeregt. Mein Blick geht an ihnen vorbei in die Haupthalle. Endlich die Haupthalle mit den wichtigsten Klamotten. Aber wie… Alles leer!!! Die gesamte Abteilung mit der Kleidung wurde ausgeräumt. Sogar der Fußboden wurde bis auf seinen Grund entfernt. Ebenso die Wände: nackt! Ganz hinten sehe ich noch ein paar leere Kleiderständer; dazwischen hängt ein großes Pappschild: „FOR SALE“. Uih, hier wird gereinigt und ganz neu aufgebaut. Klasse, aber auch bedauerlich, da heute das Angebot fehlt.

Da bemerke ich das große weiße Tafeltuch, das feucht und lose gefaltet über meinem linken Unterarm hängt. Wahrscheinlich wurde Flüssigkeit darauf verschüttet, woraufhin ich mich völlig unbewusst dieses Wäschestücks angenommen haben muss. Ich weiß nämlich gar nicht wo das geschah und wohin ich das bringen muss? Eine Angestellte, aus dem KiTa-Team, lächelt mir zu, als sie mich erkennt. Eigentlich hätte ich sie fragen können, wohin ich die zu waschende Decke legen kann. Nun bin ich aber schon an ihr vorbei, habe keine Lust auf ein Zurück und hänge die Decke über das Geländer am Treppenschacht – offenbar befinde ich mich in der obersten Etage, wie am Treppenschacht zu erkennen ist. Da hier renoviert wird, liegen ein paar Putzlappen herum. Das Wäschestück wird sicherlich in die richtigen Hände gelangen. Als ich wieder zurückgehe, bemerke ich das Fehlen meiner Handtasche. Der Schreck durchfährt mich wie ein Blitz! Zu den Frauen am Cafétisch sage ich: „Ich habe meine Handtasche irgendwo liegen lassen!“ Vielleicht legte ich sie versehentlich mit dem Tischtuch ab? Mal schauen! Die Frauen halten mich zurück und sagen ein wenig verwundert: „Die Tasche hängt doch bei uns am Stuhl?!“ Ich werfe einen Blick auf den Stuhl am Tisch – es ist dort ziemlich schummerig– und…da ist meine Tasche nicht! Erst beim zweiten Blick schält sie sich aus dem Dunkel. Gott sei Dank! Ich bin so was von erleichtert!

Mit der Tasche über der Schulter setze ich den Weg fort – wo vorhin der Treppenschacht war, ist nun die Türschwelle – und gehe in die nächste Abteilung über. Hier gibt es ein kleines Angebot. Ein Poncho fällt mir ins Auge. Er hängt an einem Chromgitter an einer Säule. Der Poncho ist aus fein glänzendem Baumwollgarn gehäkelt. Ein sehr sorgfältig gehäkeltes Netzwerk. Die Farben sprechen mich an – ein Grün, das gelb leuchten zu scheint, ohne dass das Grün seine Frische verliert. Dazwischen Streifen in Rot, mit blassrotem Schimmer, ohne dem Rot seine Kraft zu nehmen. Am Halsausschnitt einen Kragen in unbeschreiblichem Gelb – sehr harmonisch mit dem Rot und Grün wirkend. Kurz stelle ich mir vor, es über den Kopf zu streifen… wie sich das anfühlt, und wie es sich anfühlt, den Poncho zu tragen. Gut fühlte es sich an, aber ob so etwas zu mir passt – ich spüre Unsicherheit aufkommen. Zudem fehlt das Geld. Am nächsten Kleiderständer hängen ein paar sehr kurze, dickflauschige Pullis in Boleroform – Türkis mit orangefarbenen und weißen Streifen. Schön, aber die Modelle sind ausgesprochen klein: wie für kleine Kinder. Da stelle ich mir schon gar nicht erst etwas vor. Die nächsten Schritte führen mich aus dieser Abteilung und dann vielleicht aus diesem Kaufhaus hinaus.

Notizen:
Poncho – ähnelt dem Häkelponcho den seinerzeit meine Oma für mich häkelte. Oder war es ein Dreieckstuch??

Bildquelle:
Pappe: Stock.Xchng/ Nickobec

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