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Ich sollte Spiritistin werden!

Traum:
Im Sprechzimmer der anthroposophischen Ärztin. Mike hatte ein längeres Gespräch mit ihr, das nun zu Ende geht. Ich war bisher schweigend präsent – so wollten Mike und ich es. Zum Abschluss legt die Ärztin ein Buch vor Mike auf den Tisch. „Ein Vater wird geboren“ Das Lesen des Buches könnte eine nährende und stärkende Wirkung auf Mike ausüben, so erhofft sich die Ärztin. Ah, das Buch kennen wir doch?!! Mike las es vor wenigen Jahren, als ich schwanger wurde. Das Buch war ein günstig erstandenes Mängelexemplar und inhaltlich… naja. Mike schaut auf das Buch und sagt nichts – vielleicht fehlen ihm die Worte angesichts dieses (enttäuschenden?) Vorschlags. So erzähle ich der Ärztin, dass wir das Buch bereits kennen. An Mike gerichtet sage ich: „Ich würde es versuchen, es noch einmal lesen. Manchmal lässt sich einem Text ja doch noch Inspirierendes entnehmen, wenn man es nach einiger Zeit neu liest.“ Es wäre eine Chance, und es würde mich so freuen, wenn es Mike bald besser ginge.

Wir stehen auf und verabschieden uns. Dabei bemerke ich, dass die Ärztin total laut Musik abspielt. Monoton wummernden Rave (Loveparade). Ich weiß, dass die Ärztin diese Musik ganz bewusst zur Behandlung einsetzt, aber soo laut? Nun spüre ich auch, dass meine Stimmbänder langsam den Geist aufgeben. Meine Stimme hatte sich ja auch gegen diese Musik durchsetzen müssen. Erst jetzt spüre ich die Anstrengung und auch, dass ich es leid bin, mit meiner Stimme dagegen anzugehen, um gehört zu werden. Wahrscheinlich bringe ich kaum mehr einen Ton hervor. Die Musik höre ich nun so laut, dass ich fürchte, im nächsten Augenblick platzt mir das Trommelfell oder mein Kopf. Wie hält die Ärztin das bloß aus?

Die Behandlung ist zu Ende, wir gehen, also spricht nichts dagegen, dass ich die Musik leiser drehe – viel leiser! Ich ziehe den Schieberegler nach links – spüre einen gewissen Widerstand davon ausgehen – und obwohl ich fast bis zum Anschlag ziehe, verringert sich die Lautstärke nicht in dem erwarteten Umfang. Ein ergiebiger Dreh an einem weiteren Knopf – auch dort ein gewisser Widerstand wahrnehmbar – senkt die Lautstärke noch ein wenig und es wird erträglich. So, nun kann man sich wieder mit normaler Stimme Gehör verschaffen – Erleichterung.

Die Ärztin schaut währenddessen verblüfft, neigt den Oberkörper nach links, um an Mike vorbei zur Musikanlage zu blicken. Entweder ist sie erstaunt, weil ich das Gerät prompt bedienen kann, oder sie ist von meiner Dreistigkeit überrascht, an ihre Geräte zu gehen ohne um ihr Einverständnis gebeten zu haben.

Ein Sprung in einen winzig kleinen Laden – Zeitschriften, Tchibo, Brötchen. Ein schweifender Blick über die Regale. Nein, nichts für mich dabei. Mitten auf dem Boden liegt ein kreisrundes, dunkelgraues Kunststoffteil mit äußerem Zähnchenkranz, innen ausgestanzt – Bögen, Zahnradkanten, kleine Löcher zum Durchbringen von Schrauben; Kfz-Ersatzteil (Vergaser, Antrieb?). Das ist mein Pfand, das ich beim Betreten des Ladens hinterlassen habe – so ist es hier üblich. Ich nehme es wieder auf, um den Laden zu verlassen. Kurz habe ich ein unangenehmes Gefühl, weil ich nichts kaufe. Noch in der Tür drehe ich mich zum Inhaber um und sage munter: „Vielleicht beim nächsten Mal!“ Der anfangs irritierte Gesichtsausdruck des Mannes hellt sich zu einem freundlichen Lächeln auf.

Mit meinem ‚neuen’ Fahrrad fahre ich die Wörpedorfer Straße entlang. Hinter meinem Rücken, ganz weit in der Ferne, der Wohnort meiner Jugendliebe. Ich lasse es hinter mir. Ich überhole ein Elternpaar, das ebenfalls mit Rädern unterwegs ist. Ich kenne sie von der Kindergartenzeit meines Sohnes. Sie schauen mir nach, weil ich sehr schnell radele. Gleich werde ich ihre beiden fast erwachsenen Kinder überholen, die uns noch voraus sind. Ich spüre maßregelndes Kopfschütteln über meine unbefangene, sichtlich freudige, fast kindlich anmutende Fahrt. Egal, ich lasse sie gleich hinter mir. Ich fühle mich gut!

Kurz darauf verlasse ich radelnd das Worpsweder Grundschulgelände und biege nach rechts in den Rusch ein. Aus einem alten Bauernhaus am rechten Straßenrand streckt eine frühere Bekannte – Kollegin im Kaffee Verrückt – ihren Kopf aus dem Fenster und schaut grinsend zu mir her.
„Hast Du Arbeit?“, ruft sie. Wohl weil ich so schnell und zielstrebig unterwegs bin.
„Nein, ich habe keine Arbeit“, antworte ich.
„Es macht Dir nichts aus?“, fragt sie neugierig weiter.
„Nein, gar nicht!“, sage ich vergnügt.
„Du solltest Spiritistin werden!“, meint sie daraufhin.
Sie meint es tatsächlich ernsthaft. Ich überlege, ob es nur für jene Menschen in Frage kommt, Spiritist zu werden, die sich auch ohne einem geregeltem Arbeitsplatz wohl fühlen und keine Langeweile haben. Oder wie könnte sie es gemeint haben, dass Spiritistin das Richtige für mich wäre?!
Hm… Irgendwie, wenn ich so meine Haltung auf dem Fahrrad erspüre, habe ich doch etwas Pastorales an mir. Der besenstielgerade Rücken – irgendwie konservativ und so nüchtern. Ich bin, ohne dass es mir bewusst wäre, mit einem knöchellangen, weiten (Nacht-?)Gewand und Jesuslatschen bekleidet. Ja, ich spüre sogar, wie eine Art Milde meine Stirn angenehm glättet und lichtet. ‚Spiritistin…!’ geht es mir durch den Kopf. Darauf muss man erst einmal kommen! Die Vorstellung, Spiritistin zu sein – ich weiß gar nicht, was genau das ist und welche Aufgaben damit verbunden sind! – amüsiert mich. Oh ja, ich kann es mir vorstellen: meinen spiritistischen Verpflichtungen nachkommen, und in der restlichen Zeit Träume aufschreiben und Traumbilder gestalten. Mehr braucht es wahrhaftig nicht, um ein glückliches Leben zu führen. Außerdem macht es sich viel besser, ein Spiritist zu sein als ein Nichtsnutz! Während es bei dieser Vorstellung leise in meinem Gesicht lächelt, breitet sich in mir ein Gelächter aus. Ja, es ist fast so, als radele ich in ein großes Gelächter hinein.

Notizen:
Im Traum war ich der Meinung, Spiritistin sei etwas Spirituelles oder irgendwas mit Spirit.
Als ich dann richtig wach war und mir bewusst wurde, was unter Spiritistin zu verstehen ist, wurde mir speiübel – bis zum Abend fühlte ich mich noch krank. Denn mir kam sofort das derzeit durch die Blogs geisternde Video mit Nina Hagen und Joachim Bublath in den Sinn. Alles klar, ich bin eine Verrückte, die sich für heilig hält, ohne dass es ihr bewusst wäre. Ein schrecklicher Gedanke, der einige Ängste zum Leben erweckte.

Das Ende des Traumes erinnerte mich an die Startseite der Klangwelten. Edit: Nee, was schreibe ich denn da! Ich meine doch die Kristallwelten! [/Edit]Der Erdhügelkopf mit dem Wasserfall aus dem Mund — wie ein Wasserfall reden — Gelächter

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Trance mit Virus

Links:
Traumorte/Google Maps
“Ein Vater wird geboren”

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9 Antworten zu Ich sollte Spiritistin werden!

  1. zuckerwattewolkenmond

    sooo schlimm finde ich ein Dasein als Spiritistin nun auch nicht. Wenn man sich den Buchmarkt mit den Unmengen von gechannelten Büchern so anschaut, scheint das tatsächlich ein neuer und sehr lukrativer Berufszweig zu sein. *gg*

  2. REPLY:
    Weißt Du, Zucker, ich habe ja auch an Dich gedacht! An diesen esoterrorisierenden Text… Warte, ich such ihn raus. Hier, hier ist er, den meine ich: Klasse! Damit begann alles! *bibberbibber* Ich bin rettungslos verloren! *gg*

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    das tut mir leid. *g*
    Ja, dieses Buch ist, glaube ich, ebenfalls gechannelt, wie fast alles zu diesem Thema von irgendwelchen Engeln und Meistern durchgegeben wurde. Aber Blavatskys “Geheimlehre” ist ebenfalls gechannelt, auch wenn das damals noch nicht so hieß, und trotzdem hochinteressant. ;o)

  4. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    am Channeln fand ich ja schon immer, daß man beim Channeln seiner Phantasie absolut freien Lauf lassen kann und dafür keine Verantwortung übernehmen muß. Schließlich hat das ja alles jemand anderes mitgeteilt. ;o)

  5. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    weiß es wohl nur derjenige, der es verbrochen hat, was es war. Manche behaupten ja, daß ihnen tatsächlich irgendein Engel oder Meister erschienen ist, wie auch bei Blavatsky oder jetzt der Blume des Lebens. Ich finde, man merkt ziemlich schnell beim Lesen, was davon wirklich inspiriert ist. Allerdings habe ich festgestellt, daß ich sogar die uninspirierten Durchsagen mag, auch wenn ich es hinterher gerne als “Quark” tituliere, einfach nur aus dem Grund, weil es das Undenkbare denkbar und das Unmögliche möglich macht und so zu einer Verschiebung der Paradigmen beiträgt. Na ja, ich mag ja auch Robert Anton Wilson. Ich finde Quark einfach so unglaublich anregend. *ggg*

  6. REPLY:
    … kann anregend sein – das hatte ich damit sagen wollen, als ich schrieb, es sei mir egal, in welcher Gestalt die Inspiration kommt. ;-)

    Eieiei, dass ich immer wieder Angst vor mir bekomme… Naja, ich bin halt das unbekannte Wesen, das mich ständig begleitet. Da wüsste ich schon gerne mehr über mich!! :o)

  7. Wenn ich mal wieder welchen brauche, werde ich mich an Sie wenden!

    [Sehr lustig die Veränderung des Selbstgefühls auf dem Fahrrad :-)]

    So. Jetzt geh ich vor der Traumzeit noch ein bisserl im TV rumchanneln …

  8. REPLY:
    Und ich sollte öfter Fahrrad fahren – es hat so etwas Erhebendes. ;-)

    Dann wünsche ich Ihnen Inspirationen vom Allerfeinsten und eine traumhafte Nacht!

  9. REPLY:
    sind vielleicht ähnlich einem Keim, der verborgen in der Erde neue Träume erwachen lässt? Ich glaube auch, es ist nichts verloren. Lieben Gruß.