Home » Traumtagebuch » Oden an den Alltag

Oden an den Alltag

Traum:
'Ode an den Alltag' von Traumzeit
Auch heute war ich einige Zeit im Wald der empfindungsvollen Texte beschäftigt. Text für Text in Baumstruktur – jedes Blatt mit einer Kalligraphiefeder und blauer Tinte beschrieben. Stets Blocksatz/Blog-Satz(?) in Spaltenformat. Die Baumstämme ätherisch anmutend, nahezu verschwindend dort, wo die Texte hängen. Ein Wald wie eine lebendige chinesische Tuschezeichnung – an jedem Baumstamm ein beschriebenes Blatt – wie papierene Gebetsfahren. Einige Blogger hängen in diesem Wald ihre Texte aus. Unter anderem Anna Kaleri, Sunray und ich – weitere Namen erinnere ich nicht. Unser aller Texte haben eine Gemeinsamkeit: sie sind eine alltägliche Anbetung an das Leben; es ist mehr zwischen den Zeilen zu lesen, die von Kummer und Schmerz oder Freude und Glück erzählen. Die Inhalte sind sehr persönlich. Jedes Blatt weist eine dreistellige Nummer im unteren rechten Bereich aus – eine Nummerierung wie in einem Gesangbuch soll der Katalogisierung dienen. Dabei bleibt der Verfasser des Textes anonym. Es sei denn, jemand nähme sich die Zeit, tiefer in die Inhalte einzufühlen.

Eine kritische Frau an meiner Seite äußert ihre Bedenken hinsichtlich der Veröffentlichung dieser sehr persönlichen Texte. Tz, einfach im Wald ausgehängt! Möglich, dass ich selbst, ich allein es bin, die so kritisch denkt. Das kann ich nicht genau auseinander halten. Ja, vielleicht überlege ich selbst, meine Texte aus dem ANDER|Wald zu nehmen. Text Nr. 532 beispielsweise… hm, ziemlich intim, oder nicht? Ja? Nein? Ja?

Vielleicht sollte ich es mir noch einmal aus der Nähe anschauen und es noch einmal überdenken. Ich stehe vor einem Baum, vor einem meiner Papierstücke. Mit einem Klick auf den Text öffne ich die Texteingabefunktion, was daran zu erkennen ist, dass der Text nun mit einer gestrichelten Linie umrahmt ist. Dadurch wird auch der Benutzername sichtbar – scrollen, unten rechts. Ein Versinken, Hineinspüren in den jeweiligen Benutzernamen reicht meist aus, um die wahre Identität dahinter zu erspüren. Weiter bemerke ich nun eine außerordentliche Empfindsamkeit der Schrift; eigentlich jedes einzelnen Wortes, eines jeden Buchstaben. Ein äußerst zartes, verletzliches Gefüge. Der Mensch, der Baumstamm, die Worte offenbaren sich. Die Möglichkeit des Eingriffs nun… . Innehalten.

Notizen:
'Kirchlein im Walde' von Traumzeit
Beim Aufwachen: stieg ein Bild aus der Kindheit auf: ein roter Kerzenstummel, graublauer runder Kerzenhalter aus Steingut mit Ringgriff. Aufgehobensein im Kreise väterlicher AhnInnen. Eine Stimme spricht „Ich trage schwer an der Klinge meiner Schreibfeder.

Der Traum ließ mich sogleich an einen zurückliegenden Traum denken: Kirchlein im Walde. Wegen der Atmosphäre im Wald, obwohl sich die Wälder dieser beiden Träume äußerlich nicht gleichen.

ANDER|Wald… – da denke ich an Visualization.

Links:
Ode an den Alltag – Bild in Originalgröße
Kirchlein im Walde – Bild in Originalgröße

Tags:

9 Antworten zu Oden an den Alltag

  1. REPLY:
    Traumbilder wachsen und blühen mehr als einmal.
    Und wollen Wirklichkeit werden,
    weil sie sonst zu Illusionsdasein verdammt wären.
    So jedenfalls sehe ich es.
    Nur keine unangebrachte Scheu ….. ;-)

    Ich danke dir, liebe verwandte Traumzeit.

  2. zuckerwattewolkenmond

    die Vorstellung herrlich, solche Texte wie sie hier geschrieben werden, einfach im Wald aufzuhängen. Was mache ich eigentlich noch am Computer? Blogs sind doch langweilig….ts…:-))

  3. REPLY:
    Komm, wir verlegen Klein-Bloggersdorf in den Wald. Ich sehe schon den Googlebot durch den Wald flitzen und Kopien anfertigen. ;-)

  4. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:

  5. Traumbilder in Photoshop (oder mit was auch immer) nachzucollagieren. Da hätte mich (wenn ich auf die Idee gekommen wäre) immer mein Perfektionismus abgehalten, glaube ich. Selbst wenn ich mich auf das Visuelle des Traums beschränken würde: ‘Krieg ich eh nicht so hin wie’s im Traum war’. Kennen Sie dieses Problem bei Ihrer Traummalerei? Und wie gehen Sie damit um?

    & überhaupt ein schönes Projekt, Ihre Traumkladde!

  6. REPLY:
    erwähnen Sie nie wieder den Perfektionismus in meiner Gegenwart!!;-) Sie könnten ihn wecken! Naja, heute käme er zu spät – schon alles gelaufen.

    Ja, das ‘Krieg ich eh nicht so hin wie’s im Traum war’ kenne ich. (Oje, das ist doch den Bildern im Blog auf den ersten Blick anzusehen.) Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Nachbilden von Traumbildern so manches Aha-Erlebnis mit sich bringen kann. Einmal das fertige Bild an sich, aber auch bereits während seines Entstehens.
    Letztlich gelingt es mir nie, einen Traum wirklich nachzubilden; weder mit Worten noch mit Bildern. Dennoch habe ich immer wieder Freude an diesem Tun. Es ist hilfreich für mich, die Vorteile zum Mittelpunkt zu machen. Das übe ich.

    Ah ja, und vielen Dank! :-)

  7. REPLY:
    ‘Aha-Erlebnisse beim Nachbilden’ – das kann ich aus meinen Erfahrungen mit dem Aufschreiben von Träumen nur bestätigen (was sich vom Aufmalen gar nicht so sehr unterscheidet). Ich denke allein an die wenigen Träume, die in meinem Blog dokumentiert sind. Faszinierend, was da (wieder) auftauchte oder sich (neu) an Einsichten und Gedanken dranhängte.

    Gegen den Perfektionismus beim Schreiben oder Malen hilft vielleicht folgender Perspektivenwechsel: ‘Ich versuche nicht, etwas 1:1 nachzubilden, sondern ich gönne meinem Bewussten und meinem Unbewussten jetzt den Raum, sich weiter mit dem Traum zu beschäftigen.’

    Liebe Grüße

  8. REPLY:
    Der Vorschlag mit dem Perspektivenwechsel ist gut! Vor allem erinnerte es mich daran, dass ich ein strenger Antreiber bin. Nur leider führt das oft (meist?) gar nicht zum Erstrebten, sondern blockiert nur. Ihr Satz “Ich gönne meinem Bewussten und (…)” spricht mich angenehm an. Soeben habe ich mir diese Worte auf einen Zettel geschrieben und diesen direkt vor meine Nase gelegt.
    Möge ich so immer wieder daran erinnert werden, mir diese Erleichterung zu verschaffen! Haben Sie Dank!
    Einen lieben Gruß – Marianne

  9. REPLY:
    Vielleicht ist es so, dass ich gerne eine Momentaufnahme des Samenkorns (Traum) hätte, aus dem dann – danach – alles erwächst und zur Blüte kommt… Aber ich sehe schon, ihr öffnet mir die Augen für anderes: aus dem erstarrten Moment herauskommen und sich vertrauensvoll dem zu öffnen, das entstehen möchte. Das Empfangene nicht unnötig lange in seiner Form erhalten zu wollen, sondern ihm seine Entfaltung zu erlauben.

    Sunray, das hast Du schön in Worte gefasst und ich erlaubte mir, damit ein bisschen zu spielen. Ich danke Dir, Sunray!