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Didge-Workshop und archäologisches Museum

Traum:
Wir – das sind, mit mir, zehn Teilnehmer – sitzen in dem gemütlichen Tagungsraum eines kleineren Hotels. Ein einstündiger Workshop liegt hinter uns. Mir ist noch ganz warm und ich komme langsam aus einer Art der inneren Vertiefung hoch. Ich hatte mich voll und ganz dem Üben hingegeben. Alle halten noch ihre Didgeridoos in den Händen. Jedes Didgeridoo schaut anders aus. Meines hat eine sehr geschwungene Pfeifenform, ist aus dunklem Holz und weist einige großflächige Schnitzereien – sanfte Bogenschwünge, ineinander verlaufend – auf. Ich weiß, dass es sich bei diesen Schnitzereien um Symbole handelt, die bereits seit Urzeiten von den Großvätern an ihre Enkel überliefert werden.

Die Übungsstunde selbst war, rückblickend, nur wenig zufriedenstellend für mich. Ich hatte Mühe mit der Atemtechnik, und damit, meine Lippen richtig zu bewegen. Zudem gelang es mir oft nicht, genau die richtige Luftmenge in das Instrument zu blasen. Zwar konnte ich immer wieder mal typische Didgetöne erzeugen, erlebte es aber als anstrengend und war ziemlich angespannt. Es war nichts Fließendes und deshalb spüre ich nun diese Unzufriedenheit. Wobei mir klar ist, dass es Geduld und Übung braucht – es war ja auch die erste Stunde und da darf ich nicht zu viel erwarten.

Unser Lehrer Ismael – ein sehr schlanker hochgewachsener Dunkelhäutiger – „Bohnenstange“ – mit unzähligen langen Zöpfen, an dessen Enden bunte Kugeln eingeflochten sind – beendet die Stunde mit seinem professionellen Spiel. Es ist so wunderbar, so wunderschön! Die Klänge, sie machen mich gelöst. Wieder verspüre ich unbändige Lust, ebenso zu spielen! Einige der Teilnehmer fühlen sich so inspiriert, dass sie bereits wieder mitspielen, obwohl das so nicht sein sollte! Auch ich gebe inzwischen dem Drang nach, bin sehr auf mein Didgeridoo konzentriert.

Wieder habe ich die Pfeife in Großaufnahme vor Augen, sehe den bauchigen Schwung und die Verzierungen im Holz. Die Pfeife mündet in einen Klangkörper, der von der Form her an eine viereckige, oben und unten offene, Laterne erinnert. Eine Laterne, deren Seitenteile mit geschorenem Ziegenfell bespannt sind. Mittig auf jedem Seitenteil ist ein kleines flauschiges Fellstückchen als Verzierung aufgebracht. An meinen Lippen spüre ich den trockenen hartfaserigen Ton-Halm – vermutlich getrocknetes Zitronengras – der sich am unteren Ende etwas zerfasert zeigt. Der Halm reicht bis ins Innere der Laterne. Mit den Lippen blase ich den Halm an, währenddessen darum bemüht, mit dem unteren Ende ganz sachte die gespannte Haut des Klangkörpers zu berühren. Es darf lediglich der Hauch einer Berührung sein, nur dann entsteht der ersehnte Ton! Ein Zuviel oder Zuwenig führt zu einem tonlosen Ergebnis. Ebenso ist es am Mundstück: eine leichte, fast flatternde Berührung mit genau der richtigen Luftmenge und abgestimmten Druck führen zu Erfolg. Ein paar Mal brachte ich volle Töne zustande. Momente, da ich mich regelrecht erlöst fühlte! Leider nur kurz, und dann scheint es gar nicht mehr gelingen zu wollen. Es ist frustrierend. Aber naja, der Unterricht ist ja eh schon vorbei. Und überhaupt… wie reagiert eigentlich unser Lehrer darauf, dass wir uns unaufgefordert in sein professionelles Spiel einmischen? Er spielt weiter, aber ich sehe seine Augen hell aufblitzen und er schickt uns ein ermunterndes Lächeln mit strahlend weißen Zähnen. Er wirft ein „Das ist schön!“ in unsere Runde; mit dem er sagen will, dass es schön ist, dass unsere Freude uns vergessen macht, was erlaubt und was nicht erlaubt ist. So soll es sein!

Irgendwann findet die Zusammenkunft für heute ein Ende. Als ich den Kreis verlasse, treffe ich auf die Hotelinhaberin. Ihrem Aussehen nach, ist sie eine mexikanische Indianerin – rundliche Figur, in sich ruhend, gutmütiges Wesen, natürliche Schönheit. Ihr Lächeln ist einladend, aber dennoch höflich distanziert. Sie spürt, dass ich eine Frage habe und wartet mir zugewandt ab. Ja, die Musik war so wundervoll und: „Gibt es eine CD – von diesem Künstler (Lehrer) oder von einem anderen Didgeridoo-Spiel – bei Ihnen zu kaufen?“ Sie schweigt, lächelt sanftmütig und bleibt mit mir in Blickkontakt. Einen Moment versenke ich mich in ihrem Gesicht und verstehe dann, was sie mir ohne Worte mitteilen möchte: Sie verkauft diese CDs, aber üblicherweise nicht zu dieser Stunde. Es ist Vormittag, und sie muss das Frühstück für ihre Gäste herrichten. Wenn ich es aber ausdrücklich wünsche, sofort eine CD zu erwerben, dann nähme sie sich selbstverständlich die Zeit, und sie würde das mit gleichbleibender Freundlichkeit tun. Sie vertraut dem Augenblick. Wenn jemand nachdrücklich etwas möchte, wird die andere Arbeit solange warten dürfen.

„Oh nein“, sage ich „bitte bereiten Sie das Frühstück! Die CD kann wirklich warten, bis ich wiederkomme!“ Mich berührt ihre Gelassenheit und gleichbleibend herzliche Freundlichkeit.

Ich trete hinaus in den Vorraum. Der Vorraum verbindet den Hotelbereich mit einem archäologischen Museum. Das Bemerkenswerte an dem Vorraum ist, dass er rund gestaltet wurde, was durch die entsprechende Pflasterung aus Natursteinen noch hervorgehoben wird. Dieser Verbindungsraum hat ein kuppelförmiges Dach, durch das viel Tageslicht ins Rund fällt. Die Eingangstür, vor allem der große Türgriff aus Holz, gleicht jener aus dem Kaffee Verrückt. Eine Handvoll Leute treten in das archäologische Museum ein. Ich sehe gerade noch Ismael hineingehen; er ist der letzte der heutigen Gruppe. Zu gerne würde ich ihnen folgen!! Ich weiß nämlich, dass es dort in ein unterirdisches Gewölbe geht. Die archäologischen Funde wurden direkt am Ort belassen! Mit dem Betreten des Gewölbes betritt man Heiligtümer. Während ich mich daran erinnere, spüre ich Ehrfurcht und Demut aufsteigen. Da es etwas Besonderes ist, dürfen maximal zehn Besucher hineingehen. Der Eintritt ist auch nur in Begleitung eines verständigen Führers erlaubt. Etwas Geduld nur noch. Ich bin ja schon für den Besuch angemeldet – in den nächsten Tagen – und freue mich sehr auf diesen feierlichen Moment.

Notizen:
Vor dem Einschlafen mit Mike über das Singen von Mantras gesprochen. Er äußerte Bedenken wegen der starken Wirkung und war etwas in Sorge um mich. Ich teilte seine Bedenken nicht. Im Gegenteil hatte ich es während der Phase, da ich häufig Mantras sang, als heilsam erfahren. Da ich aber die Bedenken nicht in den Wind schlagen mochte, nahm ich dieses Thema mit in den Schlaf.

Was sagt der Traum zum Chanten? Hm?

Die Schnitzereien erinnern mich an einen „Großvaterstuhl“ (Erbstück), den ich vor Jahren an einen Antiquitätenhändler verkaufte. Der in der Lehne eingeschnitzte Männerkopf trug eine Pfeife im Mund, die von der Form her an mein Didgeridoo erinnert.

Gestern gab es eine Begegnung mit einer Frau, die wie eine mexikanische Indianerin aussah. Ihr Lächeln und ihre kraftvolle und dennoch sanftmütige Stimme haben mich sehr angesprochen.

Als Bohnenstange beschrieb ich Ismael, und musste sofort an die mexikanische Springbohne von gestern denken. Was dann ja auch zu der CD passt – gestern wie heute.

Zitronengras verwendete ich in der getrockneten Variante mal zum Räuchern(?).

Der Verbindungsraum zwischen archäologischem Museum und Hotelbereich erinnert an den Eingangsbereich im Kaffee Worpswede. Die Glaskuppel erinnert an den Erdhügel-Raum, in dem der Trommelkurs stattfindet.
Die Glaskuppel lässt mich dann auch an mein eigenes Dachstübchen denken. Als ich an diesem Morgen aufwachte, da spürte ich es wieder: das warme Wirbeln am Scheitelpunkt. Vor wenigen Jahren verspürte ich dort Intensiveres; ein Strömen, eine Öffnung. Heute wurde mir bewusst, was im Moment anders ist als damals: es ist das Gefühl, als sei eine Art Jungfernhäutchen über diese Öffnung gewachsen, weshalb es nur wirbelt, aber nicht mehr strömt. Trotzdem schön.

Meine Füße, wie tief in der Erde!
Meine Flügel, wie hoch oben im Himmel!
Und welcher Schmerz
in meinem zerrissenen Herzen!

Von Juan Ramon Jiménez
Entdeckt auf Deutsche Liebeslyrik.de

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