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Heller Fleck im Osten

Traum:
Ich bin mit einem Sattelzug unterwegs, befördere eine Baustofflieferung. Die Fahrerkabine, in der ich sitze, wirkt wie halb materialisiert – teils grenzenlos und durchscheinend. Viel zu viel Raum darin. Im Schritttempo fahre ich durch einen kleineren Ort, schaue nach links in eine Seitenstraße hinein, um herauszufinden, wo ich abbiegen muss. Auf dem Lieferauftrag steht kein Straßenname. Nein, diese Straße ist es sicher nicht, denn sie endet auf dem Hof eines großen Baustoffhandels – eine Sackgasse. Kurz überlagert eine Straßenkarte mein Blickfeld. Ganz links, im skandinavischen Osten, ist ein heller Fleck auf der Karte. Ein heller Fleck mit einigen zarten Architektenstrichen, die nur vage andeuten, was dort entstehen soll. Kaum ausgeformt und noch völlig farblos. Auf der Karte ist allerdings auch nicht zu erkennen, welcher Weg dorthin führt. Denn dort, wo der Weg liegen könnte, fehlt ebenfalls die Farbe. Es gibt keine Anhaltspunkte.

Inzwischen fahre ich an einer weiteren Straßeneinfahrt vorüber, die sich als kleine Nebenstraße erweist und somit als Zufahrtsstraße auch nicht in Frage kommen kann. Warum hat mein Auftraggeber, der Baustoffhändler, die genaue Adresse nicht eingetragen, frage ich mich. Zwanzig Minuten bleiben mir noch, dann ist es 15 Uhr und somit der geplante Liefertermin. Ich weiß immer noch nicht, wohin ich fahren muss und fühle mich etwas hilflos. Erst einmal bleibt die Suche erfolglos.

Zu Fuß erreiche ich den Stillen Frieden – eine Sackgasse, die in einen großen Pferdehof mündet. Noch vor dem Gatter des Hofes, nämlich am Straßenrand vor ihrem eigenen Grundstück, treffe ich auf die Frau mit dem Boxer. Sie ist mit Gartenarbeiten beschäftigt, und richtet in diesem Augenblick einen Blick auf das bisherige Ergebnis. Ehe sie mich bemerkt, halte ich inne und überlege, ob ich wirklich mit ihr sprechen möchte. Auf Knien rutsche ich dann an sie heran und frage, ob sie vielleicht den Ort und den Straßennamen kennt. Bald sitzen wir in einer kleinen Gartenlaube mit allerlei Gartenkrams, der darin überwintert, und sie erzählt von ihrem verstorbenen Mann. Ich knie vor ihr, rechts neben ihren Füßen. Ihre Worte dringen nicht zu mir, sie perlen an mir ab und ich begreife nichts. Mein Blick richtet sich auf einen großen Pflanztrog aus Granit, der vor mir an der Wand steht. In ihm noch die Blumenerde des vergangenen Sommers – hart und ausgelaugt. Auf dieser Erde wiederum steht eine blaue Vase. Das Bemerkenswerte aber ist, dass jemand dieses Pflanztrog-Vasen-Arrangement von oben nach unten mit einem Schnitt geteilt, halbiert hat – vermutlich mit einem elektrischen Brotmesser. Ich weise die Frau darauf hin. Sie ist etwas aufgebracht und behauptet anfangs, ich sei es gewesen und wolle es jetzt nur nicht zugeben! In mir bleibt es ruhig und ich erkläre ihr geduldig, dass das nicht wahr ist. Nachdem sie das eingesehen hat, unterhalten wir uns noch eine Weile darüber, wie es geschehen konnte und mutmaßen über die Beweggründe des Täters, ohne zu einem Ergebnis zu gelangen.

An einer unbekannten Straße. Endlich trifft mein Auftraggeber ein! Ein Mann mit Schiebermütze, kaum größer als ich. Ein ruhiger Typ, immer korrekt, nur manchmal etwas unkonzentriert. Aufgebracht halte ich ihm den Auftrags-/Lieferschein unter die Nase und deute auf die unvollständig eingetragene Empfängeradresse. „Warum haben Sie den Straßennamen nicht notiert, wenn die Lieferung an einen derart unbekannten und abgelegenen Ort geht? Wie soll ich das finden? Es bleiben noch zehn Minuten bis zur fristgerechten Lieferung! Können Sie mir sagen, wie ich das jetzt noch hinkriegen soll?“

Kurzentschlossen und ohne ein Wort zu verlieren, besteigt der Mann das Führerhaus und fordert Moina und mich auf, in der Schlafkabine Platz zu nehmen. Die Schlafkabine ähnelt einem einfachen Herbergszimmer in einem Waggon. Es ist sauber und hell, und trotz aller Kargheit einladend und gemütlich. Moina und ich liegen oben auf einem Etagenbett. Mein Auftraggeber wendet das schwere lange Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit, die alles vor den Augen verschwimmen lässt. Moina und ich müssen uns festhalten, um nicht aus den Kojen zu fliegen. Dabei verliert Moina einen braunen Pferdeschlitten von Playmo, den sie in den Händen hielt. Die Fliehkraft schleudert ihn zu Boden, von wo aus er mit Karacho weiter rutscht. Darum können wir uns nachher kümmern, sobald sich die Lage beruhigt hat. Jetzt ist nicht die Zeit, aus dem Bett zu steigen.„Halte das Auto (die Pferdestärken!) fest!!“, fordere ich Moina erschrocken auf. Nicht, dass sie das auch noch verliert! Alles geht gut. Dann geht die Fahrt los. Ich bin ziemlich gespannt auf den Ort.
Ob er wirklich im Bereich der Wirklichkeit liegt, oder doch im Reich der Illusionen?

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