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Laibe und Leiber

Es gibt Träume, die sind wie trocken Brot…

Traum:
Neuerdings lebe ich mit Moina in einem dieser Hochhäuser, in denen vorwiegend sozial Schwache und Behinderte leben. Moina hatte gerade Besuch von Claudi, einem neunjähriges Mädchen aus dem Hort, die sich nun auf den Heimweg macht. Ich beeile mich, um sie an der bereits geöffneten Haustür zu verabschieden. Das hochgestreckte Treppenhaus gähnt mir grau entgegen. Claudi hält etwas in der geschlossenen Hand verborgen. Nach meiner Aufforderung zeigt sie mir was es ist. Eine Handvoll kleine nackte Babypüppchen aus ganz hautweichem und warmem Material. Es sind überwiegend hellhäutige Babys; zwei oder drei dunkelhäutige.. Anfangs überlege ich, ob sie Moina diese Babys weggenommen hat, denn Moina hat auch solche. Eine an Moina gerichtete Nachfrage bestätigt aber, dass diese Püppchen dem Mädchen gehören. Wir verabschieden uns freundlich. Erleichtert stelle ich fest, dass mir das Mädchen mein Misstrauen nicht nachträgt.

In der Küche. Genauer gesagt, befindet sich meine Küche örtlich in der elterlichen Küche. Rudolpho ist zu Besuch; wir wollen frühstücken. Er sitzt bereits auf dem vierten Stuhl, der nur selten besetzt ist. Ehe ich mich setze, nehme ich endlich den Küchenstuhl fort, der schon seit langem wackelt und auseinanderzufallen droht. Endlich! Irgendwie hatte mich das schon die ganze Zeit gestört. Tja, was wollen wir essen? Ich könnte Brötchen anbieten. Oder wollen wir doch lieber Toast essen? Mit einem Male fällt mir siedend heiß ein, dass ich schon seit Wochen nicht mehr an meinem Arbeitsplatz war! Seit Wochen, wie schrecklich, wie konnte ich das nur vergessen? Vielleicht hatte ich eine Woche Urlaub und danach vergessen, die Arbeit wieder anzutreten?? Okay, ich habe in all der Zeit auch kein Gehalt bekommen. Aber trotzdem wird meine Chefin nicht begeistert sein. Allein bei dem Gedanken, mich darum kümmern zu müssen, bekomme ich Schweißausbrüche. Was wird die Chefin sagen, wenn ich nun einfach wieder erscheine? Vielleicht wurde mein Arbeitsplatz längst neu besetzt?! Wäre ja nur logisch. Oh oh oh, Schreck lass nach!!

Ich sitze in meiner Küche – mit dem Rücken zum Fenster. Diese Küche ist etwas anders als gewohnt eingerichtet und befindet sich in einem unbekannten Gebäude. Dennoch fühle ich mich eindeutig zuhause. Einige Freunde aus einer WG sind zum Frühstück gekommen. Bis jetzt hatte gereicht, was ich an Toast vorrätig hatte. Nun aber kommt Wilma und ich möchte auch ihr gerne noch etwas anbieten. Ob ich Brötchen holen sollte? Ich habe kein Geld mehr! Was tun? Ein Mann, der rechts neben mir am Tisch sitzt, zückt daraufhin ganz selbstverständlich sein Portemonnaie und holt Scheine hervor. Mit der Frage, ob es reicht, zieht er einen Zwanziger hervor, um ihn mir zu reichen. Versehentlich rutschen noch mehr Geldscheine zu mir. Ach nein, er macht sich einen Spaß daraus und gibt mir – mit der Frage, ob der Geldschein für Brötchen reiche – einen Fünfziger. Es geht alles so schnell, schon ist der Schein in meinen Händen. So ein Blödsinn, das ist doch viel zu viel. Lachend gebe ich den Schein zurück. Daraufhin reicht er mir einen Hunderter und meint, ob das nun reiche? Uah, Blödmann! Wer gibt schon so viel Geld für Brötchen aus! Ich lache über die Neckerei; die anderen am Tisch schauen amüsiert zu. Da fällt mein Blick auf die verbliebenen Toastscheiben im Regal. Eigentlich ist es gar nicht nötig, Brötchen zu kaufen. Das Toastbrot müsste reichen, um Wilma satt zu machen. Als ich von meinem Vorhaben ablasse, meine ich in Wilmas Gesicht zu erkennen, dass sie eingeschnappt ist, weil sie keine Brötchen zum Frühstück bekommt. Aber da mag ich mich auch irren…

Immer noch in der gleichen Küche; mit dem Rücken zur Tür, mit Blick zu den Fenstern. Immer noch sitze ich mit Freunden beisammen, allerdings sind es andere als zuvor. Gerade setzten sich Mara und ihr Partner an den Küchentisch. Ich bin allerdings gerade etwas abgelenkt und registriere das nicht bewusst. Rechts neben mir steht nämlich ein bauernblau gestrichenes Holzkästchen auf der Kommode. Von der Form her, erinnert es an einen Bauernschrank. Die Vorderfront ist in etwas altertümlicher Schriftzügen in weißer Farbe beschrieben und ich versuche diese Text zu entziffern. Nur am Rande bekomme ich mit, dass Maras Partner an mich gerichtet sagt: „Eigentlich wollten wir Dich zum Eis einladen!“
Immer noch abwesend antworte ich: „Aber das macht doch nichts, wir holen es nach!“ Dann erst realisiere ich, dass er mich necken wollte. Anfangs sollte ich tatsächlich glauben, sie hätten mir kein Eis mitgebracht. Inzwischen hat er aber eine Familienpackung Amarena Kirsch auf den Tisch gestellt, aus der auch ich mich selbstverständlich bedienen soll. Nur das kapiere ich nicht so schnell. Als mir dieses Licht aufgeht, ist es mir derart peinlich, dass ich so nüchtern auf den Spaß reagierte, dass ich verschämt mit dem Blick bei dem blauen Schränkchen bleibe. Erst Minuten später, als ich die Beiden mit den anderen im Gespräch und somit abgelenkt wähne, ziehe ich ganz unauffällig das Schälchen mit dem Eis zu mir und beginne ganz stille davon zu schlecken. Ich kann mich nicht überwinden, mein Missverständnis zuzugeben und hoffe nur, dass sie es inzwischen vergessen haben.

Eine Etage höher. Ein heller Raum; vielleicht das Zimmer eines älteren Kindes. Nanu, da dachte ich vorhin, das Brot reiche nicht und was sehe ich hier: Brötchen und Baguettestücke liegen am Boden. Dazwischen tummeln sich zwei oder drei Meerschweinchen und knabbern daran. Also, das ärgert mich jetzt aber ein bisschen. Zumal ich meinen Gästen das Brot nicht mehr anbieten kann. Vielleicht hat eines der Meerschweinchen bereits an eines der Brotstücke gepinkelt. Bald verlasse ich das Zimmer, nachdem ich meine Gedanken einem Mädchen gegenüber geäußert habe.

Zwischendurch kehre ich in das Mehrbettzimmer zurück, in dem sich gerade zwei meiner männlichen Freunde ausruhen. Einer ruht sich halb sitzend auf dem Bett aus. Die Bettdecke ist zurückgeschlagen und auf dem Laken steht eine rollenförmige Keksdose. Ah, das ist Mikes Keksdose! Ich lege mich bäuchlings auf das Bett, um einen Blick in die Dose zu werfen. Die Dose ist mit after-eight-grünem Pergament ausgeschlagen. Einige Oblatenkekse sind noch drin. Typisch für Mike, dass nach so langer Zeit immer noch Kekse da sind. Er ist so sparsam. Die zarten Kekse sind mit heiß gebräunten Linien dekoriert und erinnern an chinesische Münzen. Ich nehme mir eines davon und lege es auf die Zunge. Na, die Kekse haben während der Lagerzeit einiges an Aroma verloren. Aber einen Hauch Zimt spüre ich auf der Zunge. Die beiden Männer schauen lächelnd dabei zu, wie ich den Keks koste.

Nur wenig später stehe ich in einer weißen Küche, die an die elterliche erinnernd. Mit einem Male drängt eine Pflegerin mit Rieke an mir vorbei. Rieke wurde in Lebensgefahr schwebend im Schlafzimmer vorgefunden! Schuld daran sind die verdorbenen Kekse! Zum Glück sorgte die Pflegerin sofort dafür, dass Rieke sich übergeben musste. Rieke wurde daraufhin eilig in einen Rollstuhl gesetzt, um sie zur Reinigung ins Bad zu befördern. Kopfüber baumelt Riekes Kopf über die Rückenlehne. Ihre Augen sind geweitet und verdreht. Ihre Zunge ist vergrößert, schlackert wie ein grauer Lappen über dem Gesicht. Da, in hohem Bogen erbricht sie eine weitere Ladung, wobei sich ihr schlaffer Körper zuckend aufbäumt. Ich glaube, ich kriege auch einen Teil des Erbrochenen ab. Da fällt mir ein: ich habe ja auch einen der Kekse gegessen?!!!

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2 Antworten zu Laibe und Leiber

  1. Na, wenn wir Dich schon im Traum zum Eis einladen wollten, müssten wir das wirklich mal nachholen! Amarena Kirsch, mmh lecker! Solche Neckereien würden übrigens zu meinem Partner passen. Das Ganze braucht Dir gar nicht peinlich zu sein, alles längst vergessen ;-))!
    Lieben Gruß
    Mara

  2. REPLY:
    Ja super, da geht es mir doch gleich besser! ;-))
    Okay, sobald es möglich ist, gibt es Amarena Kirsch für uns alle!
    Liebe Grüße! :-)