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Zur aktuellen Weiblichkeit

Traum:
Mike und ich streben auf die hintere Ecke eines öffentlichen Warteraumes zu und unterhalten uns sehr angeregt. Dem Gefühl nach befinden wir uns auf der überdachten Plattform einer Fähre und warten eine nur wenige Stunden andauernde Überfahrt ab. Mike referiert ausführlich und wissenschaftlich fundiert zum Thema ‚aktuelle Weiblichkeit’. Eine Frau mittleren Alters kommt hinzu, stellt sich wenige Schritte rechts neben uns. Sie trägt ihre sehr langen Haare bauschig auf den Kopf hochgetürmt. Besonders auffällig ist der abrupte Übergang ihrer vom Ansatz her weißen Haare – die etwa zwanzig Zentimeter herausgewachsen sind – zu dem Mittelblond der unteren Haarlänge. Mike zeigt kurz mit dem Daumen zu ihr rüber und legt weiter dar, zu welchen Ergebnissen seine Erforschungen geführt haben. Währenddessen kommt eine weitere Frau hinzu. Sie ist Mitte bis Ende Vierzig und ihre langen mittelblonden Haare trägt sie ebenfalls bauschig hochgetürmt; wenn auch ohne Weißhaaransatz. Die Frisuren der Frauen lassen an Boudicca denken. Mike zeigt lächelnd mit dem Daumen zu dieser Frau, sieht er doch in ihr wiederholt die Bestätigung seiner bisherigen Ausführungen wiedergespiegelt und begründet das mir gegenüber ohne Zurückhaltung seiner Stimme. Vermutlich bekommen auch die Frauen zum Teil mit, dass sie ihm als willkommene Anschauungsmodelle dienen. Die Frau mit den weißen Haaren trägt ein höfliches Lächeln, nachdem ihr zuvor die Kinnlade herunter gefallen war. Ihr Gesicht spricht dennoch von Verblüfftheit. Sie kann offenkundig kaum glauben, dass sich jemand so kompromittierend verhält und ganz unverhohlen mit dem Finger auf jemanden zeigt, wie Mike es tut, und sich auch in seiner Stimme nicht zurückhält, während er über die Frau lästert. Nun ja, ganz richtig ist das nicht, wie die Frau dies wahrnimmt, denn er lästert ja nicht, sondern nimmt das Erscheinen dieser Frauen als gute Gelegenheit, seine Gedanken zu konkretisieren und sie anhand der Frauen unter Beweis zu stellen. Ich finde, es macht einen Unterschied. So lächele ich Mike an, ohne die Frauen direkt anzuschauen, und höre ihm weiter konzentriert zu. Zumindest bemühe ich mich um Konzentration, denn das ungewöhnliche Aussehen und die vermeintliche Kränkung der beiden Frauen lenken mich ziemlich ab. Vage dringt in mein Bewusstsein, dass ich Mikes Thesen nicht annähernd wiedergeben könnte.. Zum Glück schweifen Mikes Ausführungen inzwischen zu verwandten Themen hinüber, seinen Daumen hat er auch gesenkt und ich kann ihm inhaltlich vielleicht doch noch folgen, sobald die beiden Frauen sich nicht mehr angesprochen fühlen müssen.

Eine dritte Frau erscheint und geht an einen Platz rechts neben den beiden Hochfrisur-Frauen. Hey, das ist ja Frau Besen! Ich gehe sofort zu ihr und begrüße sie erfreut. „Ich habe gerade vorhin von Ihnen geträumt!“ Inzwischen hockt sie mit dem Rücken an eine Wand gelehnt am Boden. Eigentlich wollte ich sie jetzt auf die Blumen ansprechen, die neuerdings in ihrem Garten wachsen. Über Gerbera und Rittersporn. Ja, über die Schönheit des unerwarteten Wachstums in ihrem Garten! Doch sie kommt mir zuvor, sagt „Ich hatte kürzlich auch einen Traum“ und beginnt zu erzählen. In ihrer Traumbeschreibung erwähnt sie Laura und ich erinnere mich, dass sie ein Enkelkind mit diesem Namen hat. Als sie ein Schreibheft erwähnt, in das Laura im Traum schreibt, murmele ich „Schule“. Da schaut sie unzufrieden auf. Sie mag es nicht, wenn ich mich einmische. Okay okay, das kann ich natürlich auch sein lassen!

Mit einem Male zieht die Großaufnahme einer Live-Sendung im Fernsehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ein leiser Schreck fährt durch Mark und Bein. Aus der Vogelperspektive sehen wir die Folgen eines Großunfalls oder Attentats auf einer großen amerikanischen Kreuzung. Unzählige Staatslimousinen fuhren kreuz und quer ineinander. Dazwischen Tote, Verletzte oder Bewusstlose, die größtenteils mit dem Oberkörper über der Motorhaube oder auf dem Fahrzeugdach liegen. Die Staatsmänner tragen Anzüge mit einem offenen, leichten Staubmantel darüber. Ein Detail des Unfalls zoomt näher. Ein Helfer eilt herbei, greift einen der Bewusstlosen am Kragen, hebt ihn an, wischt mit einem Lappen das grüne Erbrochene vom Dach, und lässt anschließend den Kopf des Bewusstlosen langsam zurückgleiten. Vielleicht ist das die Erste-Hilfe-Maßnahme, die der Helfer bei den anderen Opfern ebenfalls vornehmen wird. Die ganze Szenerie ist von einem Abgasgrau überzogen, das die Farben größtenteils zu schlucken scheint. Wenn es überhaupt Farben gab; die Kleidung und Fahrzeuge der Staatsleute wirken eh farblos und gedeckt.

Notizen:
Die Frau, die ihre weißen Haare herauswachsen lässt, erinnert mich an Eugene Faust. Bei Eugene Faust denke ich auch gleich an ihre Diplomarbeit.

Eine Traum-Frau mit Hochfrisur: Boudicca

Verwandter Traum:
Blumen- und Analdüfte

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