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Blutspuren

Traum:
Gemeinsam mit meinen Eltern mache ich einen ausgedehnten Tagesausflug. Zwischendurch kehren wir noch einmal in meine Wohnung – sie wirkt skandinavisch oder in Skandinavien gelegen – zurück, um ein paar Sachen zu wechseln und die Toilette aufzusuchen. Meine Eltern sind heiter gestimmt. Während mein Vater mit Händen in den Taschen im Vorraum wartet, verschwindet meine Mutter sogleich auf der Toilette. Die Toilette ist ein Raum ähnlich einem Toilettenhäuschen, das mitten in der Wohnung steht. Ich sitze im Halbdunkel auf einem spürbar geschwungenen Einrichtungssteil, halte eine Untertasse gegen das Licht, das aus dem weiteren Bereich hereinströmt. Das durchleuchtete feine Porzellan lässt die Kaffeeränder viel nachdrücklicher erkennen. Der Anblick bewirkt ein angespanntes, leicht verkrustetes Gefühl im Bereich des Brustbeins. Die Untertasse müsste gereinigt werden. Vermutlich eine etwas nervige Angelegenheit, denn die Kaffeespuren wirken sehr hartnäckig.

Meine Mutter verlässt die Toilette und ich trete ein. Allerdings sitze ich nicht im Toilettenraum, sondern diesem gegenüber wie in seinem Spiegelbild. Die Fenster hinter meinem Rücken sind größtenteils bedeckt, und zwar durch Gegenstände, die ich direkt von den Fenstern auf der Terrasse verwahre. Während der anschließenden Reinigung fällt ein Blick auf das Tuch oder Toilettenpapier in meinen Händen, auf dem Blutspuren zu sehen sind. Aha! „Ich habe doch die Mens bekommen!“, rufe ich meiner Mutter zu. Ihr gegenüber hatte ich diese Ahnung bereits geäußert, als ich gestern erst Anzeichen in mir spürte – so ein bestimmtes Gefühl. Sie hatte zweifelnd reagiert, so als könne man so etwas nicht spüren – ausgenommen, man habe Schmerzen oder prämenstruelle Beschwerden. Das habe ich nicht. Ich spüre nun, da ich meine Ahnung bestätigt sehe, keine Genugtuung. Iim Gegenteil bleibt ein Gefühl zurück, als hemme mich ständig irgendwas an irgendwas.

Nicht richtig angekleidet laufe ich dann durch die Wohnung, sehe erste Ankommende, die vor den großen Fenstern auf der Terrasse stehen. Die Fenster gewähren ungehinderten Einblick, die Räume sind hell. Aller Blick ist in die Wohnung gerichtet. Und ich mit nacktem Unterleib. Schnell lege ich mir ein rotes Frotteehandtuch um die Hüften. Es ist ein schmales kurzes Tuch, es lässt sich nicht fixieren. So halte ich es notdürftig, während ich hastig den Bereich der Einsicht passiere. Trotz meines auffälligen Verhaltens gilt ihr Blick aber gar nicht mir, sondern einem anderen Wesen, das sich ebenfalls im Raum aufhält. Es ist ein Wesen von natürlicher Anmut und Schönheit. Nichts Besonderes und nichts Auffälliges, aber eben ganz natürlich im Verhalten. Und das ist es, was die Leute da draußen fasziniert. Wieder habe ich damit das Gefühl, als stocke etwas in mir, etwas Hartnäckiges, das mich blockiert und zu eckigen, kräftezerrenden überflüssigen Handlungen verleitet, die mich künstlich auftreten lassen, jeden natürlichen Ausdruck unterbinden, der wie selbstverständlich heraus möchte.

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