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Un-verschämt

Traum:
Ich komme wie aus einem Schlaf zu mir, finde mich an einem Tisch sitzend. Vor mir liegt mein Traumbuch aufgeschlagen, in dem ich stichwortartig meinen jüngsten Traum notiere: Kanal am Meer, Studenten und weiße Motorboote, zwei Studenten etwas abseits, Kopf anlehnen, Bockmog-Blog, Bockenheim, …'Traumbuch' von Traumzeit

Mitten auf dem Tisch steht ein großer Blumenstrauß, den ich schemenartig wahrnehme. Dahinter eine Bewegung und ich schaue auf. Eine Frau – die ich als Kundin aus dem Bioladen wiedererkenne, was real nicht stimmt – schaut zu mir, hat mir wahrscheinlich einen guten Morgen gewünscht, ohne dass ich das bemerkt hatte. „Oh, guten Morgen!“, rufe ich ihr zu und „Entschuldigung, ich war so in meinen Notizen versunken… – mein Gesichtsausdruck war sicher nicht freundlich. Das hat aber nix zu sagen.“ Sie sagt, es sei schon okay.

Als ich erneut von meinem Traumbuch hochblicke, sitze ich mit einigen Mitschülern Mitbloggern – darunter WilderKaiser, Anna Kaleri, Svarupa und mein ehemaliger Schulkamerad Thorsten (ob er wirklich blogt, keine Ahnung) – in einem Klassenzimmer. Von links tritt mein Deutschlehrer heran und wirft einen Blick auf meine Notizen. Tatsächlich ist die linke Buchseite fein säuberlich vollgeschrieben. Einen Satz, der „Fahrrad fahren“ enthält, habe ich in allen Zeitformen konjugiert. Mein Deutschlehrer wirkt erfreut darüber, dass ich die Hausaufgaben gemacht habe, bemerkt aber die Traumnotizen auf der rechten Seite, denn ich meine ein leises Schmunzeln in seinem Gesicht wahrzunehmen. Naja, wir hatten ja bis jetzt Pause, die frei genutzt werden darf. Vergnügt nimmt er mein Schulheft/Traumbuch vom Tisch – das kommt total überraschend für mich! – und fordert mich auf, zur Tafel zu gehen: „Schreiben Sie doch bitte alle Sätze mit „Fahrrad fahren“ an die Tafel. So wie Sie es geübt haben!“

„Oh nee!!!“ rufe ich empört aus „Ich glaub echt nicht, dass ich das ohne Vorlage vollständig erfassen kann! Ich vergesse bestimmt viel.”

Im Gesicht des Lehrers zeichnet sich Verblüfftheit ab – dabei changiert sein Gesicht zu dem eines früheren Geschäftsführers im Kaffee Verrückt – und hellt sich mit einem leichten Grinsen auf. Er schaut mich an, als wolle er sagen: ‚Von Ihnen hätte ich ganz sicher nicht erwartet, dass sie das so unverschämt und offen zugeben.’ Mit einer Armbewegung kommt die freundliche Aufforderung: „Na, nun mal los!“
Den Mitschülern teilt er mit: „Gleich werden wir vorbildhaft sehen, wie die linke Sidebar gestaltet wird!“

Na, das kann ja heiter werden.

Noch ehe ich die Tafel – eher ein Flipchart – erreiche, bemerke ich vier Kinderstrumpfhosen am Boden. Au wei, die hatte ich vorhin von der Wäscheleine genommen und in der Eile hier fallen lassen. Thorsten setzt an, lauthals darauf aufmerksam zu machen. Mit einem tonlosen Psssstt! und einem vor Vergnügen funkelnden „der Lehrer soll’s nicht sehen-Blick“ halte ich ihn ab und greife die Strumpfhosen. Der Lehrer, im Halbdunkel stehend, schaut auf und mir ins Gesicht. Wieder wirkt er verblüfft und amüsiert zugleich, da mir weder Schamgefühl noch schlechtes Gewissen anzumerken sind. Mit einer lässigen Armbewegung werfe ich die Strumpfhosen in einen Wäschekorb und gehe zurück zur Tafel.

Notiz:
Bemerkenswert ist, dass ich eine ganz andere Schülerin war: voller Scheu und Hemmungen, stets mit schlechtem Gewissen und total blockiert. Niemals wäre ich so entspannt gewesen.

Der Verrückt-Geschäftsführer erinnert mich an eine oberpeinliche Situation in jungen Jahren. Ich – Typ Underdog, schüchterne und scheue Serviererin – bediente eine Busladung voller älterer Damen an den Gartentischen. Beim Abkassieren wurden Briefmarken verlangt, die es nicht um Angebot gab. Immer wieder hatte ich mir die Nörgeleien von Gästen anhören müssen, wenn ich keine Briefmarken bieten konnte. So, als diese Damen nun Briefmarken forderten, stöhnte ich geplagt auf und sagte: „Leider gibt es hier keine Briefmarken. Dabei habe ich die Geschäftsführung schon mehrmals darauf hingewiesen, dass diese unbedingt angeboten werden müssen!“ („Große Klappe“-Gehabe und natürlich hatte ich nie etwas gesagt, hätte doch niemals gewagt, meine Meinung zu äußern.) Noch während ich den Satz beende, taucht mit einem Male der Geschäftsführer auf – nur wenige Meter weiter aus dem Schutz eines Strauches; bis zu beiden Ohren grinsend und mit total verblüfftem Gesichtsausdruck schaute er mich an. Es war ganz offensichtlich, dass er so etwas nicht von mir erwartet hatte. Ich lief knallrot an, bekam heftige Schweißausbrüche und flüchtete eilte zurück in das Gebäude und hatte nur einen Wunsch: Auf immer im Erdboden versinken, dem Geschäftsführer nie, nie, niemals wieder begegnen zu müssen!!
Er hat übrigens nie etwas gesagt – aber gegrinst. Die befürchtete Ablehnung kam also gar nicht, aber das ging damals im Schamgefühl völlig unter. Das ist auch ein Thema in diesem Traum: Ich habe hier die Hemmungen abgelegt, spreche frei heraus und werde nicht abgelehnt – nach meinen alten Glaubenssätzen kommt das einem Wunder gleich!

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5 Antworten zu Un-verschämt

  1. Ja, das ist ja wirklich ein interessantes Grüppchen, das sich da zusammenfindet – zu Grammatikübungen oder zur Gestaltung einer Sidebar? Hmmm…

  2. REPLY:
    Mann, und dabei habe ich gar keine linke Sidebar! Das sieht hier eindeutig rechtslastig aus. Vielleicht sollte ich für mehr Ausgewogenheit sorgen.
    Was die Übungen anbelangt, bin ich zuversichtlich, da Du zu meinen Mitschülern gehörst. Weißte, ich freunde mich schnell mit Dir an, damit Du mich immer abgucken lässt. ;-)

  3. REPLY:
    Ja, aber nur, wenn ich von dir mit Süßigkeiten bestochen werde! :-) Ich bin übrigens auch Fan einer rechten Sidebar – das sieht für mich einfach stimmiger aus.

  4. REPLY:
    Okay, gerne! Hoffentlich wirst Du dabei nicht zu dick; so oft wie ich Dich werde bestechen müssen, sehe ich da doch eine gewisse Gefahr. *g*

  5. Liebe Maryana, ich träume auch viel… nur vorletzte Nacht nicht, da bin ich scheinbar in Ihrem Traum gewesen… Viele Grüße, Anna