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Martin ist tot

Traum:
Moina greift nach dem Oberteil, das in meinem rechten Arm liegt und sagt: „Ich will mit ihm spielen!“ Sie zerrt wieder und wieder an dem rotbraunen Shirt. Ich verstehe nicht, komme gerade erst zu mir. Links hinter mir steht eine Tante mütterlicherseits und sagt: „Martin ist tot. In den frühen Morgenstunden… ein Unfall.“
Langsam dämmert es, Martin ist Moinas Spielgefährte oder Bruder. Der rotbraune Pulli in meinem Arm ist seine zurückgebliebene Hülle. Ich spüre ja auch, dass niemand mehr drin steckt – schlaff und leer hängt es da.
„Martin ist von uns gegangen, er wird nicht wiederkehren“, erklärt die Tante, da Moina es nicht begreift. Moina wird nie wieder mit ihm spielen können. Als ihr das klar wird, beginnt sie herzzerreißend zu weinen, versucht immer wieder ihr Gesicht in den leeren Pulli in meinem Arm zu drücken. Ich weiche zurück, ich will das nicht, spüre Widerwillen. Sie soll ihr Gesicht nicht in die verbliebene Hülle des Toten stecken. Es ist so ähnlich, als befürchte ich, sie könne sich damit infizieren und krank werden, womöglich leiden und sterben. Eine irrationale Angst, die furchtbare Bilder aufsteigen lässt und mir Moinas Gesicht im Prozess der Verwesung vorgaukelt. Mike steht rechts hinter mir, beruhigt mich und sagt: „Lass sie, sie macht es instinktiv genau richtig.“ Ich entspanne, kann es mehr und mehr zulassen. Mein Widerstand weicht, löst sich auf. Da ergießt Moina viele heiße Tränen in den Pullover. Ihr ganzer Körper wird vom Schmerz erschüttert. Mehr und mehr ahne ich, wie erlösend Weinen und Trauern sein kann. Ich spüre durch sie, wie befreiend es ist, all dies zuzulassen.
In mir tiefe Betroffenheit, Schmerz und Trauer.

Beim Wachwerden weine ich. Und es ist alles so wirklich, dass ich mich kaum wieder beruhigen kann.
(All diese Gefühle lassen die folgenden Träume zu großen Teilen in Vergessenheit geraten.)

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