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Halsküsse

Traum:
Ein weiter Arbeitsraum im Untergrund. Voller Freude bin ich mit Vorbereitungen für eine „innerbetriebliche“ Veranstaltung beschäftigt; fühle mich dabei angenehm mittig. Vor mir steht eine Anlage aus dunkelgrünen Rohrleitungen, wobei immer mehrere Rohre parallel verlaufen. An einigen Punkten lassen sich die Abläufe der Anlage mittels alten Wasserkränen regeln. Zwei Männer stehen bei mir und hören interessiert zu, während ich ihnen die Funktion dieser Anlage erläutere.

Während meiner Verrichtungen beuge ich mich einmal recht weit nach unten, dabei tunke ich versehentlich meine linke Brust in flüssige warme Margarine. Im Bereich der Brustwarze zeichnet sich ein goldgelber Fleck auf dem Stoff ab. Blöd, denn ich hatte mir extra etwas Besonderes für diese Veranstaltung angezogen. Ich trage ein cremeweißes Shirt aus Doppelripp. Dazu einen knielangen Rock aus cremeweißen, duftigleichtem Crinklestoff, der in vielen Lagen übereinander liegt und sich nach unten hin weitet – ähnlich einer Wildrosenblüte mit zerzausten Blütenblatträndern. Tja, nun also dieser Fettfleck… Ich beschließe, mich davon nicht unterbrechen zu lassen nur um meine Kleidung zu wechseln, denn das könnte den Ablauf durcheinander bringen. Es läuft auch alles so schön reibungslos. Da nehme ich den Fettfleck in Kauf, denn darauf kommt es letztlich nicht an.

'Mühlberg - S6' von Traumzeit Später. Die beiden Männer wollen/müssen abreisen. Ich begleite sie hinauf zum Bahnsteig. Als wir aus der Unterführung kommen, steht die Bahn bereits da und der dunkle gekleidete, eher unauffällige Mann umarmt mich zum Abschied, gibt mir einen zärtlichen Kuss auf den Hals – als Ausdruck seiner Dankbarkeit – und steigt ein.

Der andere Mann – er ist Mitte Dreißig, hat glatte mittelblonde Haare, die bis zu den Schultern reichen – trägt eine cremeweiße Latzhose und ein helles Shirt, weshalb ich überlege, dass es Malerkleidung sein könnte. Er lässt sich Zeit, schaut mich liebevoll an und verweilt dann in meinen Augen – ich spüre ein Ja von ihm ausgehen. Dann umarmt er mich und gibt mir ebenfalls einen langen weichen Kuss auf den Hals – direkt neben dem Adamsapfel. Von diesem Punkt strömt es spürbar und warm durch meine Adern. Es fühlt sich ganz wundervoll an. Wärme, Nähe und Zuneigung. Er sagt, er sei mir sehr dankbar dafür, dass ich alles so gut erklärt habe. Dann muss auch er einsteigen.

Selbst jetzt, da er bereits in der Bahn verschwunden ist, spüre ich unsere innige Verbundenheit. Ich schaue noch suchend durch die Scheiben, ob ich ihn irgendwo dahinter erblicken kann… Nein, schade. Ich kehre um, gehe zur Unterführung und habe das Gefühl, seinen Blick im Rücken spüren zu können. Seine spürbare Freude darüber, mich zu sehen, vermittelt mir eine Unbeschwertheit, die mich die Stufen ganz leicht hinablaufen lässt. Es hat etwas Federndes unter meinen Füßen. Und selbst nun, da ich neben die Stufen trete, ist dies ohne Belang und Konsequenz – leicht und federnd laufe ich weiter, ohne zu stürzen Ein wunderbares Gefühl.

Hildegard von Bingen:

Wir müssen auf die Stimme unserer Seele hören,
wenn wir gesunden wollen.

Letztlich sind wir hier,
weil es kein Entrinnen vor uns selbst gibt.

Solange wir uns nicht selbst
in den Augen und Herzen
unserer Mitmenschen begegnen,
sind wir auf der Flucht.

Solange wir nicht erlauben
dass unsere Mitmenschen
an unserem Innersten teilhaben,
gibt es keine Geborgenheit.

Solange wir fürchten
durchschaut zu werden,
können wir weder uns selbst
noch andere erkennen.

Solange bleiben wir allein.

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