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Schritt für Schritt

Traum:
Ein Seminar mit etwa einem dutzend Teilnehmer. Etwas weiter links sitzt meine Jugendliebe mit ein oder zwei Freunden – lässige Haltung. Weder meine Jugendliebe noch seine Freunde kann ich richtig erkennen; die Räumlichkeiten und meine unklare Sicht sind einfach hinderlich. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, ob sie mich ernst nehmen oder sich womöglich über mich lustig machen. Vor allem bedauere ich, dass ich wegen der Unklarheit keinen Blickkontakt mit ihm zustande bringe.

Dennoch geht es Schritt für Schritt durch das Seminar. Allein meine Versuche, einen Augenkontakt aufzunehmen, bringen mich einen Schritt weiter durch den Seminarraum. Mit diesem Schritt ist das Gefühl verbunden, als bräche ich wie durch eine zarte Eihaut hindurch.

Dann machen wir eine kleine Pause.

Ich stehe kopfüber gebeugt hinter der Badewanne und shampooniere meine Haare. Als ich sie dann mit Wasser abbrause freue ich mich darüber, dass meine Haare zwar kürzer, aber die Spitzen wieder gesund und kräftig ausschauen. Während ich mit dem Brauseschlauch hantiere, bemerke ich links neben mir die Armaturen – sie schweben in der Luft, da hier keine Wand vorhanden ist. Am Ende der Badewanne, dort wo der Abfluss ist, sitzt meine Jugendliche und schaut mir schweigend zu. Sein Blick ist neutral. Oje, da fällt mir ein, dass sich mein Bauch in dieser Haltung unschön vorwölben könnte. Schnell spanne ich die Bauchmuskeln an, ziehe den Bauch auch etwas ein und versuche dann einen Blick von außen auf mich. Möglich, dass mein Bauch nun eine flache Linie zeichnet – aber ich kann es nicht klar erkennen. Vielleicht ist es Wunschdenken.

Als ich nach der Pause in das Klassenzimmer zurückkehre, schaue ich sofort nach, ob meine Jugendliebe wieder dabei ist. Ja, zum Glück! Inzwischen konnte ich einen zweiten Schritt im Seminar zurücklegen und werde nun an einem dritten Tisch Platz nehmen. Wieder ist dieser Schritt mit diesem zarten Gefühl eines hauchfeinen Durchbruchs verbunden. Dort sitzen bereits drei oder vier Teilnehmer. Während ich mich setze, verteilt rechts von mir eine Teilnehmerin die Getränke ein. Ehe ich ablehnen kann, schenkt sie mir einen eiskalten Klaren ein.
„Oh, nein danke!! Ich möchte nichts Alkoholisches, schon gar keinen Schnaps! Hätten Sie mir ein Bier hingestellt, dann hätte ich es vielleicht sogar getrunken und es hätte mir gemundet, aber harte Spirituosen… es tut mir leid, das möchte ich ganz sicher nicht!“
Anfangs denke ich, Empörung mache sich nun breit. Meine Wahrnehmung, mein Blickfeld weitet sich. Rechts von mir sehe ich eine Reihe von Fenstern; helles Tageslicht. Links von mir sitzen meine einstige Jugendliebe und seine Freunde. Wenn ich anfangs auch meinte, er amüsierte sich über mich, so sehe ich ihn nun ganz ernst herschauen – er beobachtet offenbar alles wertfrei. Die Reaktionen seiner Freunde kann ich nicht erkennen, aber sie scheinen auch wenig Einfluss auf ihn auszuüben. Wieder versuche ich in Blickkontakt zu kommen – aber die Sicht changiert zwischen überwiegend verschwommen und selten klar, so kann ich meinen Blick nicht stabil halten.

Daraufhin kann ich den nächsten Schritt machen. Angenehm das Gefühl, als bräche erneut eine zarte körperlose Haut. An dieser Stelle wird es dunkler im Raum. Von der Atmosphäre her könnte es ein Garderobenbereich am Ende eines stillen Tanzsaales sein. Neben all den Garderobenhaken steht ein Tisch, auf dem alle Handys liegen, die vor Seminarbeginn eingesammelt wurden. Es ist ganz angenehm, mein Handy wieder zu nehmen – schließlich ist es ein Kontaktmittel. Doch als ich es in die Hand nehme, bin ich irritiert. Mein Handy schaut nicht so aus, wie ich es in Erinnerung habe. Es hat ein honiggelbes Gehäuse und was sofort stört ist, dass die Tasten so weit darin versunken sind, dass sie sich wohl kaum bedienen lassen. Ehrlich gesagt, ist es nahezu unbrauchbar. Eine gewisse Resignation macht sich breit – irgendwie alles hoffnungslos.

Eine Assistentin/Teilnehmerin kommt daher, spricht zu mir und ich lasse mich von ihren Worten mitziehen. Die nächste Aufgabe steht an. In weißen Servierschürzchen und schwarzen Röcken stehen wir vor einem vollgepackten Beistelltisch. Aha, die Ausbildung geht weiter. Mit dem Unterarm wischt die Assistentin allerhand Servierbesteck beiseite und sagt: „Wir wollen es jetzt ganz neu herrichten.“
Einerseits wundert es mich, denn ein solch großen Serviertisch sah ich noch nicht. Andererseits ist sie so sicher in ihrem Tun, dass auch ich mich gleich daran erinnern werde, was sinnvollerweise zu tun ist. Wir platzieren ein Rechaud mit zwei Teelichtern in der Mitte des Tisches, ordnen daneben ein Vorlegebesteck und so fort. Nebenbei bemerkt, am Rande und verschwommen sehe ich, etwas weiter hinten, ein großes Schwimmbecken. Es ist ein weiter Raum, der an eine ebenerdige Tiefgarage erinnert; mit Trägern und Nischen, noch unbeleuchtet, trübes Tageslicht.

Da kommt meine Jugendliebe direkt auf mich zu und sagt, er habe gehört, dass ich gerne Kontakt zu ihm aufnehmen wolle. Er freue sich sehr darüber, weil es auch sein Wunsch sei. Dann legt er seinen Arm um meine Schultern und zieht mich sanft zu sich heran und schaut mir freundschaftlich lächelnd in die Augen. Gleich werden wir diesen Raum verlassen dürfen und werden uns dann so viel Zeit füreinander nehmen können, wie es uns beliebt. Es ist ein sehr schönes Gefühl, endlich zusammengefunden zu haben. Endlich werde ich ihm das sagen können, was ich schon seit langem erklären wollte.

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