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Mondäne Sonnenbrille

Traum:
Auf dem weiten Gelände eines Gestüts. Mike und ich sind im Begriff, diesen Ort zu verlassen. Auf dem Weg begegnet uns Herr L., der einen dunkelblauen Kinderwagen schiebt. Oh, er hat ein Kind bekommen?! Gerne würde ich einen Blick auf das Baby werfen, aber der Kinderwagen ist mit einer himmelblauen Wolldecke abgedeckt; sicherlich schläft das Kleine und da will ich nicht stören. So grüße ich freundlich und gehe weiter. Gleich darauf kommt uns Frau L. entgegen. Auch wir grüßen uns. Eigentlich ist die Begegnung fast vorüber, als sie im letzten Augenblick noch fragt, ob ich gerne ein paar Babyfotos sehen möchte. „Oh ja!“, rufe ich aus vollem Herzen aus und freue mich. Ein Blick zu Mike an meiner Seite dämpft die Stimmung. Bis eben hatte er sich noch gefreut, hier gleich fortzukommen. Nun mache ich ihm einen Strich durch die Rechnung. Sein Gesicht verdunkelt sich, als würden Rollläden herabgelassen. Er schaut mit dunkel verhangenen Augen wie in eine Ferne, den Mund leicht gespitzt. Er sagt nichts, aber sein Gesicht spricht Bände! Oh, es tut mir so leid! Daran hatte ich so spontan gar nicht gedacht, dass er das gar nicht möchte! Auch Frau L. hat es mitbekommen und meint, wir könnten die Fotos auch ein anderes Mal ansehen. Sie meint es ehrlich, aber ich höre auch die Enttäuschung und Traurigkeit in ihrer Stimme. Ach, und ich würde die Bilder nach wie vor gerne ansehen und sage: „Wir müssen uns doch die Freude daran nicht verderben lassen!“

Das Kind spielt. Mike schenkt Frau L. ein paar Spielsachen von Moina. Darunter auch die Spielküche.
Dann ist Familie L. fort und wir entdecken, dass sie all die geschenkten Spielsachen haben liegen lassen. Innerlich spüre ich mich zusammensinken – enttäuscht und kraftlos. Alles was wir taten, es war vergebens. Unsere Freundlichkeit liegt schal und abgestanden auf unseren Gesichtern.

Ich war ein paar Schritte allein gegangen. Auf einem runden Tischchen, am Rande der still daliegenden Galopprennbahn, sehe ich die Sonnenbrille der Frau liegen. Eine rahmenlose Brille mit bräunlich-rosa Gläsern – großformatig und extravagant, die Brillenbügel etwas mondän. Ich probiere sie auf, woraufhin ein Frauengesicht vor mir auftaucht, das wohl mein Spiegelbild ist. Die Augenbrauen fein gezupft, der Blick hinter den getönten Gläsern ernst und ohne wohlwollende Freundlichkeit. Sie macht sich sicher nicht die Mühe mit unnötigen Freundlichkeiten. Schön schaut sie eigentlich nicht aus. Trotzdem hat sie etwas Ansprechendes. Insgesamt aber nicht mein Fall. Ich lege die Brille zurück.

Da höre ich, dass die Frau zurückgekommen ist, um die Spielsachen zu holen. Ich spüre Erleichterung. Als wir durch die Verkaufsabteilung bei Zweitausendeins gehen, erzählt Mike vergnügt, dass er sich ein großes Buch mit 2800 Seiten gekauft habe. Ich solle ihm verzeihen, dass er dafür rund 749 Euro ausgegeben habe, obwohl wir momentan so knapp bei Kasse sind. Zudem seien es ja eigentlich nur 349 Euro – die Hälfte von 749 DM. Er wendet noch ein, dass ich mir leider nicht so ein teures Buch kaufen könne, da ich kein eigenes Geld verdiene. ‚Na, das ist ja eh klar!’ denke ich amüsiert, während ich den Laden verlasse. Ich drifte dann in Überlegungen ab – wobei ich eine gläserne Passage entlang gehe – wann ich wohl wieder eigenes Geld haben werde, wie viel es sein wird und ob ich mir hin und wieder auch etwas gönnen würde?

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