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Der Liebende

Traum:
Etwa ein dutzend Leute stehen gleichmäßig verteilt auf dem Schiffsdeck. Alle stehen still, schauen in eine Richtung. Nur am Rande bemerke ich die Nieten, welche in größeren Abständen rundlich aus dem Boden herausragen. Ein bekannter Mann steht vor mir. Genauer gesagt: ganz nah bei mir, Kinn und Hals an meine Schulter geschmiegt. Ich spüre Wärme und tiefe Zuneigung. Ein bedingungsloses Ja geht von dem Mann aus. Eine ganze Weile später steht er hinter mir, dabei wieder seinen Kopf an meine Schulter geschmiegt. Ich fühle mich umarmt. Dieses stille Gefühl, das uns vereint, kann man als Liebe bezeichnen. Liebe in einer eher unscheinbaren Ausdrucksform, so selbstverständlich strömt sie, dass es kaum der Rede wert wäre, wollte ich jetzt nicht dieses Gefühl umschreiben.

Es beginnt zu nieseln. Der Mann löst sich von mir, geht zu der Frau, die wenige Schritte hinter mir steht. Es ist seine Ex-Partnerin. Sie weint lautlos und unauffällig, eben weil sie sich getrennt haben. Von der Sache her ist die Frau mit dieser Trennung völlig einverstanden, aber ein solcher Abschied ist dennoch sehr traurig, wenn man einander mag. Der Mann umarmt sie, so wie er auch mich umarmte. Er gibt ihr Trost und hält sie. Der Mann… ich glaube, es ist ein Liebender.

Für mich, jetzt aus dieser Distanz betrachtet, ist es einerseits schmerzlich, den Mann nun nicht mehr nah bei mir zu spüren. Ich vermisse seine Wärme, seine Nähe. Ja, es ist so wunderbar mit ihm zu sein. Das wortlose Verstehen, die Liebe füreinander. Aber mir kommen auch Bedenken. Denn wenn ich es recht bedenke, so ist er doch ein eher schlichter Geist. Böte er mir genug Anreiz und Herausforderung, oder wäre ich nicht doch bald unzufrieden und gelangweilt? Selbst wenn es so wäre, würde es ihn nicht abwerten. Aber ich fürchte meine Unzufriedenheit! Wie auch immer… in diesem Augenblick spüre ich schmerzlich unser Getrenntsein. Wenn es nach meinen Gefühlen ginge, so möchte ich mich ihm wieder ganz nah fühlen dürfen, möchte mich wieder wie eins mit ihm fühlen.

Es kommt Bewegung unter die Menschen – wir ordnen uns neu, verändern ein wenig unseren Standpunkt. Mit Moina an der Hand mache ich wenige Schritte, um vor dem Nieselregen Schutz zu suchen. Einen Schutz zu suchen, der hier auf Deck gar nicht geboten wird. So verändere ich meinen Standpunkt; aber was den Regen anbelangt, ist das nur unzureichend. Eben dementsprechend, wie es die gegebenen Möglichkeiten zulassen.

Notiz:
Manchmal fühle ich mich wie eine Niete.

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