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Martin

Traum:
In einem öffentlichen Trinkraum – in seiner Helligkeit fast etwas ungemütlich. Ein paar einfache Tische und Stühle; keine Tischtücher, kein Deko auf den Tischen oder an den Wänden. Ich sitze mit einer unbekannten, unbenennbaren Freundin am Tisch. Vielleicht ist noch eine zweite Freundin dabei; in dem Fall wäre sie kaum präsent. Am Tisch gegenüber – wenige Schritte entfernt – sehe ich meine Jugendliebe mit zwei Freunden am Tisch sitzen. Ich habe ihn seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Er sieht attraktiv aus; besser als bei unserer letzten Begegnung. Seine Haare wirken voller als früher, so nehme ich am Rande wahr. Zu meiner Freundin sage ich: „Schau, das war mal meine große Liebe!“ Dabei hoffe ich, dass sie ebenso wie ich bemerkt, wie gutaussehend dieser Mann ist. Aus Eitelkeit, Angeberei.

Es geschieht dann nichts Nennenswertes, nichts was mich zur Flucht veranlassen würde, dennoch verspüre ich mit einem Male das deutliche Gefühl, dass es an der Zeit ist, diesen Ort zu verlassen. Diesen Ort ganz unauffällig zu verlassen, so dass niemand der hier Anwesenden meinen weiteren Weg/ mir folgen kann.

Ich nutze einen geeigneten Moment und eile leise hinaus. Etwa fünfzig Meter weiter, im Schatten eines großen alten Baumes mit üppiger Krone, steht (m)ein ganz altes Fahrrad. Wie kann ich unauffällig verschwinden? Ich schaue mich kurz um. Hier, im Sichtschutz des mächtigen Baumstammes, entledige ich mich meines Bademantels aus cremeweißem Fleece, da dieser doch recht auffällig ist. Darin wäre ich sicherlich noch aus der Ferne zu erkennen. Wie ich den Bademantel so abstreife, entledige ich mich auch der Marianne. Es ist so, als läge ich damit eine unsichtbare dicke Hülle ab und komme nun selbst darunter zum Vorschein: ich bin ein junger, sehr schlanker Mann in einem schmalen dunklen Anzug, wie den frühen 60er Jahren entstiegen. Meine Haare sind dunkelbraun, mit den Fingern seitlich aus der Stirn gekämmt. Aus der Ferne wird mich sicher niemand mehr mit der Marianne in Verbindung bringen und ich kann unbemerkt, ohne jegliches Aufsehen zu erregen, und in aller Ruhe meinen Weg fortsetzen. Ich ahne Freiheit und die leicht unangenehme Leere der noch ungewissen Zukunft. Mein Blick geht nach vorn, ohne dass ich etwas erkennen könnte und ich spüre ein etwas klammes Gefühl. In diese Richtung werde ich mich jetzt aufmachen.

Notiz:
Wäre ich als Junge auf die Welt gekommen, so hieße ich heute Martin.

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