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Junge mit leuchtend roten Haaren

Traum:
Vor einigen Minuten, nach langem Flug, sind wir gelandet. Inzwischen erreichen Mike und ich den Ausstiegsbereich – eine geräumige Gangway innerhalb des Passagierfliegers. Jemand drückt den Knopf an der Wand, woraufhin die Treppen im Flugzeugbauch leise surrend herabgelassen werden und sich gleichzeitig die Tür ganz hinten öffnet. Na, dann kann es ja gleich losgehen. Eine der wartenden Frauen lehnt sich an die Wand, drückt dabei versehentlich den Knopf. Oh blöd, nun wird alles wieder geschlossen! Da somit alle bemerkt haben, worauf zu achten ist, wird das nicht noch einmal passieren. Die Stufen werden auf ein Neues entfaltet. In mir die typischen Gefühle, wie ich sie immer habe, wenn ich ungewisses Neuland betrete. Neugier, Freude und kribbelige Unsicherheit.

Dann erreiche ich Gunnar und seine Frau. Seine Verwandtschaft ist ebenfalls eingetroffen; es gibt einen größeren feierlichen Anlass. Das ist auch der Grund, warum ich aus den Vereinigten Staaten anreiste.

Halb drinnen, halb draußen halte ich inne – schaue mich entspannt um, ohne mit jemanden Kontakt aufzunehmen. Am Anfang eines Gartenweges begegne ich dem kleinen Jungen; es ist der zweijährige Sohn aus Gunnars Verwandtschaft. Zwar ist mir bekannt, dass er aufgrund eines Erbgutschadens beeinträchtigt ist – ähnlich wie beim Down-Syndrom – aber als ich es nun direkt sehe, fühle ich tiefe Betroffenheit. Ich stehe hinter ihm, blicke über seine Schulter an ihm herunter. Sein Penis besteht nur zur Hälfte; so als sei er mit einem Längsschnitt geteilt worden. Die Harnröhre liegt offen. Links neben ihm im Gras liegt die Silikonprothese; die fehlende Hälfte. Mittels kleinen Lederriemen wird sie am Körper befestigt. Ist die Prothese angebracht, ist mit bloßem Auge nichts mehr davon zu erkennen. Es sieht vollkommen natürlich aus. Mein Mitgefühl und meine Bewunderung gilt bei diesem Anblick den Eltern des Jungen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich meinem Kind täglich diese Prothese anlegen müsste. Ich würde vor Kummer und Schmerz wohl zugrunde gehen. Diese Eltern aber tun es mit einer Selbstverständlichkeit, die ich nur bewundern kann. Und sicher hilft das dem Jungen auch dabei, es als etwas Selbstverständliches annehmen zu lernen.

Der kleine Junge wirkt heiter und unbeschwert. Ein ganz süßes Kerlchen. Kein Wunder, dass er der Sonnenschein der ganze Familie ist. Alle lieben ihn. Ich gehe mit ihm etwas abseits, um ihm dort ungestört die Gummistiefel anzuziehen. Bemerkenswert, es sind farblose Gummistiefel, die Einblick gewähren. Sehr vorteilhaft, wie ich finde, denn so kann man sofort sehen, wenn sie zu klein werden. Der Junge trägt rote Socken, gelb gemustert – die Stiefel sind noch groß genug. Ich versuche die Größe abzuschätzen und tippe auf Größe 23.

Bald kündet der Junge an, er müsse mal pinkeln. Wir kehren zum Gartenweg zurück, damit ich ihm die dafür notwendige Prothese anlegen kann. Aber da pinkelt er schon im hohen Bogen los – Richtung Verwandtschaft. Oje! Ich fasse seine Schultern mit sanftem Griff und kann auf diese Weise den Urinstrahl lenken. So geht es auch ohne Prothese und niemand fühlt sich angepisst.

Kurz darauf wieder mehr im Abseits. Zum ersten Mal schaue ich dem Jungen ins Gesicht, wobei mein Blick sofort auf die Haare gelenkt wird. Die Haare sind kräftig, wellig und von leuchtendem Kupferrot. Ein solches Kupferrot sah ich noch nie. Jedes einzelne Haar scheint von innen heraus zu leuchten! Ähnlich Kerzenschein umgibt ihn das Strahlen der roten Haare. Doch dann sehe ich seine Augen… und vergesse darüber die Haare. Die Augen sind blau wie das Meer. Ein solch leuchtendes und intensives Blau, als strahle ein inneres Licht. Wilma steht daneben und macht darauf aufmerksam, dass sie ebenfalls blaue Augen habe. Ich schaue hin, und ja, es stimmt. Aber sie wirken geradezu blass im Vergleich mit den Augen des Jungen. Ich überprüfe meinen Eindruck, blicke dem Jungen noch konzentrierter in die Augen. Nun sehe ich sie in aller Klarheit und Schärfe: Die Iris ist so groß wie ein Brillenglas, deutlich sind die unterschiedlichen Blautöne zu erkennen. So große und klare blaue Augen… es ist… mir fehlen die Worte.

Einige Zeit später. Ich verlasse die Fete, durchquere die Küche – wo ich im Vorübergehen ein paar Worte mit Gunnar und seiner Frau wechsele – und gelange in den Hauswirtschaftsraum mit Toilette. Zielstrebig trete ich an die Toilette, greife zum hoch oben hängenden Spülkasten und überprüfe den Wasserzulauf. Das habe ich mir doch gedacht: der Wasserhahn ist zugedreht. Ich mache Gunnar darauf aufmerksam, dass sich im Toilettenbecken zu viele Bakterien ansammeln, wenn nicht genügend Wasser nachfließen kann. Zwar sind er und seine Frau nicht gerade begeistert, dass ich sie belehre, aber sie zeigen ihr Murren nicht offensichtlich.

Dann setze ich meinen Weg fort und steige die schmale Stiege zu unserer Wohnung hinauf. Als ich reingehe, kommt Mike aus der Küche und begrüßt mich. Moina spielt friedlich. Ach schön, wieder zuhause zu sein! Naja, die Küche sieht etwas chaotisch aus; eigentlich müsste ich heute Abend noch ran. Ich gehe ins Wohnzimmer, wo Moina spielt. Hier ist es aufgeräumt und gemütlich. In der Ecke steht ein Weihnachtsbaum – die Lichter geben warmen Schein. Es klingelt an der Haustür! Durch das Milchglas der Wohnungstür erkenne ich die Schemen meiner Eltern. Oje! In die Küche kann ich sie nicht bitten…, bei der Unordnung! Im Wohnzimmer aber steht der Weihnachtsbaum, der bereits einen Tag vor Heilig Abend geschmückt ist! Das wird kritische Mienen geben… Aber ach, ich bereite ihn so gerne in aller Ruhe vor. Das geht am besten einen Tag zuvor. Und Moina erfreut sich so sehr daran, dass ich es ihr gerne schon einen Tag vorher gönnen mag! Alles Zögern macht keinen Sinn – da muss ich jetzt durch.

Notiz:
Ein gestriger RandomText erinnerte an den Traum “Fragwürdige Gesichtsplastiken”.

Vor dem Schlafen noch in „Schrödingers Katze – Der Zauberhut“ geschmöckert. -> Wilson -> Illuminatus -> 23

Wasserzulauf Spülkasten: Jaaahaa, viel trinken für die Blase!

(Mike träumte in dieser Nacht von einem Weihnachtsmarkt)

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