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Suizid mit Fünfzig zur Beseitigung von Missständen

Traum:
Im verlassen daliegenden Großelternhaus. Ich stehe vor dem alten Bücherschrank mit den Glasschiebetüren. Rechts von mir die Tür zur Stube – halboffen. Das Vorhandensein der Nähstube, in die man durch das Wohnzimmer kommt, ist mir gewahr. Innerhalb kurzer Zeit sind hier bereits die zweiten Mieter eingezogen. Sie heißen …???…; sie sind mir bekannt. Mit einem Male durchfährt mich die Erkenntnis, dass dieses bereits der zweite Traum ist, in dem ich mich genau an diesem Standpunkt vor dem Bücherschrank wiederfinde! Könnte es sein, dass genau dieser Platz hier von besonderer Bedeutung für mich ist? Warum sonst versetzt mich der Traum genau hierher? Geschah hier vielleicht etwas, das seither einen starken Einfluss auf mein Leben, auf mein Sosein ausübt? Spontan könnte ich nichts dergleichen erinnern. Aber ich will es im Auge behalten.

Mike, Moina und ich haben unser heutiges Ziel fast erreicht. Über Felsen, deren Zwischenräume mit federndem Waldboden gefüllt sind, erreichten wir den höchsten Punkt und beginnen nun den Abstieg. Mike ist uns voraus und ich versuche seinem Weg zu folgen; Moina an der Hand haltend. Dieser Weg wurde erst jetzt – nach einer langen Bauphase – wieder freigegeben. Es geht steil und in Sprüngen hinab. Dabei immer wieder auf einen Felsenabsatz gelangend, der zwei oder drei Felsenstufen aufweist – gut, um immer wieder festen Halt zu finden. Von rechts kommen weitere Wanderer, die ebenfalls nach unten wollen. Mike ist angekommen, blickt auf die Flussmündung, die direkt unter einer Mauerwand hindurchfließt. Die Flussmündung… ihr Anblick lässt mich ein Gefühl des Widerstandes wahrnehmen. Ein gewisses Unverständnis, das ich noch nicht begreifen kann, wächst heran. Ein Fluss, der an eine Mauer mündet? Es ist wohl die Mauer, die ich unbegreiflich finde, ohne dass es mir bewusst wäre – schließlich ist da immer noch der kleine Spalt über dem Erdboden, wo das Wasser seinen Weg nehmen kann. Dies also ist die Sehenswürdigkeit, die ebenso wie der Weg hierher für lange Zeit nicht freigegeben war.

Mit Moina an der Hand gelange ich in den Ostparkstadtteil und letztendlich in den Eingangsbereich einer Schule. Dort unterhalten sich zwei Frauen; beide haben einen Kinderwagen dabei. Ihre verhaltenen Stimmen hallen in den weiten Räumen leise nach. Diese Ecke ist offenbar der Bereich des Schwarzes Bretts. Ich hefte einen Zettel an die Wand und höre interessiert zu, was eine der Mütter – ich kenne sie vom Sehen – erzählt. Sie übt harsche Kritik an der Schule. Auf Spielplätzen hörte ich bereits des öfteren davon, ohne jedoch Konkretes erfahren zu haben. Die Mutter erklärt jetzt entschlossen: „Zu meinem fünfzigsten Geburtstag werde ich mir das Leben nehmen.“ Den Missständen muss ein Ende bereitet werden!
Ich finde es gut, wenn klare Entscheidungen getroffen werden! Die Entschlossenheit der Mutter ermutigt mich, sie auf die Sache anzusprechen: „Was genau ist es, das an dieser Schule kritisiert wird? Welche Erwartungen kann man an diese Schule stellen? Welche Erwartungen sind realistisch?“
Und weiter: „Ich frage deshalb, weil ich unsicher bin, wie das in dieser Stadt läuft. Ich komme aus einem norddeutschen Dorf – also so richtig vom Lande und habe das Gefühl, dies alles gar nicht richtig einschätzen zu können.“
Währenddessen bin ich weiterhin mit der etwas kniffeligen Angelegenheit des Zettelaufhängens beschäftigt. Ich steche eine Stecknadel durch die obere linke Zettelecke, bringe sie durch den dahinter steckenden rosaroten Trinkhalm und muss sie nun ausreichend in der harten Wand einbringen.
Die Mutter kommt erfreut und aufgeschlossen auf mich zu. Und ich spüre Freude darüber. Hoffnung auf einen ersten Kontakt. Ich vermutete bereits, als ich sie das erste Mal sah, dass sie im Ostpark wohnt. Jedenfalls sieht sie nach „besserer Wohngegend“ aus.

Am Nachmittag erreiche ich zusammen mit Moina den Ostpark/die Oststadt – zu Fuß. Wenngleich mein Ortsempfinden von ‚Nordweststadt’ erzählt. Wir gelangen in eine u-förmig angelegte Wohnstraße; in dessen Mitte ist ein kleiner Spielplatz. Die Häuser rundum sind eine Aneinanderreihung unterschiedlicher alter Schränke, teils stehen Betten oder Liegen davor. Ja, nun ist hier in der Mitte also ein Platz zum Spielen; eine alte Badewanne durch die gemächlich Wasser rinnt, und an deren offenes Fußende es hinausfließt. Wenn Moina darin spielt, dann wird jede Menge Sand an ihrer nassen Haut haften bleiben. Wie leicht liefen wir Gefahr, dass sie die Betten und Liegen damit beschmutzt?! Da erscheint bereits die Pensionswirtin. Eine nüchterne blasse Erscheinung, mit spitzen Gesichtszügen, die ihren strengen Blick kritisch und maßregelnd auf uns richtet. Sie fragt, ob neue Gäste eingetroffen seien, ob es Abreisende gäbe. Ihr ist anzusehen, dass es ihr nicht recht ist, wenn wir hier unbeaufsichtigt herummachen. Klar, es wäre ja auch ärgerlich, wenn wir ihre Bettwäsche völlig unnötig verschmutzten. Die Reinigung müsste sie aus eigener Tasche zahlen und es wäre ihre Zeit, die es sie kostet. Sie hat also mein Verständnis. Gleichzeitig stört es mich, hier kontrolliert und abschätzig betrachtet zu werden, wenn es doch ein öffentlicher Platz ist, an dem offensichtlich gespielt werden darf! Im Off immer noch die Überlegung, ob die Ostpark-Frau in dieser Gegend hier wohnt.

Notizen:
Die Badewanne erinnert mich spontan an MC Winkels Jacuzzi, die bei seinem Vortrag im ZKM kurz zu sehen war. (Die Jacuzzi habe ich erst jetzt, nach dem Traum, genauer betrachtet – hier.)

Der Standpunkt vor dem Bücherschrank ist gleich dem, als ich gestern „Schrödingers Katzen“ in Mikes Bücherregal aufspürte.

Mikes Elternhaus stand am Ostpark.

Einen rosaroten Trinkhalm habe ich am Samstag weggeworfen.

Die alten Schränke und Betten erinnern an eine die kleine Privatunterkunft in Bergen-Enkheim, wo ich 2002 – Frankfurter Buchmesse – übernachtete.

Die strenge Frau erinnert an einen zurückliegenden Traum mit unterirdischer Kapelle. Mir fällt erst jetzt auf, dass dieser Traum 2002 kurz nach der Buchmesse kam, und dass es auch da um „Beschmutzen“ und Bad ging.

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