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Schröders Katze

Traum:
Mit der U-Bahn fahre ich durch die morgenstille Stadt. Ich fühle mich aus Schlaf und Bett gerissen, schlagartig an diesen Ort versetzt, so als habe man mich wie einen Kübel Wasser auf die Straße geschüttet. Es gab noch nicht einmal Zeit zum Waschen und Kämmen.
Sonderbar, die Straßen sind nahezu menschenleer. Meine noch warme Haut wird von kühlem Wind gestreift. An den Straßenrändern liegen blaue und graue Decken, so als läge etwas darunter. An einer Stelle sehe einen Arbeiter in Blauanzug davor hocken und etwas verrichten. Betroffenheit steigt auf, denn alles wirkt mit einem Male so, als habe es in der Stadt ein großes Unglück mit vielen Toten gegeben?! Tote, die jetzt am Straßenrand in der Gosse, unter den Decken liegen, so weit das Auge reicht. Das einzige, was mich daran zweifeln lässt, ist der Umstand, dass ich noch nichts davon gehört habe. Irgendjemand hätte es doch erzählt oder ich hätte es im Radio gehört?!?

Inzwischen ausgestiegen, komme ich an einer halboffenen Tür vorbei. Vielleicht ein kleines Zimmer in der Innenstadt. Darin eine Mutter mit ihrem halbwüchsigen Sohn, der gleich zur Schule gehen wird. Die Mutter möchte, dass er eine Mütze aufsetzt. Sie sagt: „Setze sie auf, sonst siehst Du noch aus wie Gerhard Schröder!“ Ach, sie bringt also diesen schalen politischen Witz, der gerade in einiger Munde ist. Von vornherein war diese Mutter eh nicht mein Typ, aber dass sie nun ihren Sohn mit diesem gähnend langweiligen Witz antreiben will, lässt mich meine eigene Müdigkeit spüren.

Zu Fuß gehe ich den Weg zurück. Mein Blick geht nach unten und dann weiter hinauf. Oha, wie bin ich denn angezogen? Die Kleiderwahl habe ich sicherlich nicht bei vollem Bewusstsein getroffen; mein Outfit lässt sich nur durch Eile und Schläfrigkeit erklären. Ich trage ein sehr weites, knielanges Frotteenachthemd; es ist weiß-schwarz geringelt. Darunter schaut eine schwarze, ausgewaschene Hose im Cargo-Style hervor. Dazu dunkelbraune, klobige Boots, die mal wieder geputzt werden müssten. Freiwillig und bei vollem Bewusstsein hätte ich so gekleidet niemals das Haus verlassen. Im Nachthemd – unvorstellbar!

Als ich kurz darauf in heimische Räume zurückkehre, treffe ich nochmals auf die Mutter mit ihrem Sohn, der gleich zur Schule gehen wird. Sie befinden sich jetzt in meinem Zimmer. Wieder bringt die Mutter den geistlosen Witz mit Gerhard Schröder, mit dem sie ihren Sohn dazu auffordern will, endlich die Mütze aufzusetzen. Damit nicht genug, jetzt kommt sie auch noch mit einer bekannten Redewendung, in der es sich um Schröder und eine Katze dreht – leider kann ich das nicht konkret erinnern. Beifallheischend, wenn auch ganz bescheiden, schaut sie mich an. Erwartet von mir wohl ein Lachen ob ihres Wortwitzes.
Tja, aber so platt kann ich es auch: „Warten Sie erst einmal ab, wenn Schröder die Katze aus dem Sack lässt!“
So, und nun erwarte ich auch ein kleines Lachen von ihr; zumindest einen verblüfften Gesichtsausdruck! Aber nein, die Mutter reagiert nicht darauf. Vielleicht hat sie mich noch nicht gehört? Also noch einmal: „Warten Sie erst einmal ab, wenn Schröder die Katze aus dem Sack lässt!“
Inzwischen sind unsere Köpfe nah beieinander. Sie müsste es verstanden haben. Aber es kommt immer noch keine Reaktion. Sie findet das also nicht witzig? Nee, ich auch nicht. Dennoch kann ich auf diesem Weg wenigstens einen Teil meines Unmutes herauslassen, der sich seit der Begegnung mit dieser Frau in mir gebildet hatte.
Nebenbei und trotz alledem, so ganz still für mich überlege ich: Das war doch echt schlagfertig, auf ihr Schröders-Katze-Geschwätz mit der Redewendung „Katze aus dem Sack lassen“ zu antworten, oder?!?

Spontane Assoziation:
Schrödingers Katze

Notiz:
Gestern gelesen, inzwischen vergessen gehabt und…
eben gerade rein zufällig (wieder)entdeckt: Katze aus dem Sack

4 Antworten zu Schröders Katze

  1. zuckerwattewolkenmond

    bei der Überschrift spontan an Schrödingers Katze denken. ;o)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze

  2. REPLY:
    Zwei Bücher aus der Romantrilogie “Schrödingers Katze” von Robert Anton Wilson stehen übrigens bei uns im Schlafzimmer im Bücherregal. Das hatte ich bis heute Abend ganz vergessen.
    Na, ich werde heute arg mit meiner Vergesslichkeit konfrontiert.

  3. zuckerwattewolkenmond

    REPLY:
    hat mich das jetzt inspiriert, endlich mit dem Lesen anzufangen. Die Bücher stehen bei mir nämlich auch schon eine ganze Weile rum, ohne dass ich sie bisher gelesen hätte. Und das, obwohl ich Illuminatus-Fan bin. *gg*

  4. REPLY:
    auch ich könnte sie lesen. Da es Mikes Bücher sind, die so richtig durchgelesen ausschauen, war ich noch gar nicht auf diese Idee gekommen. Ist aber auch eine ziemlich abwegige Idee, Bücher zu lesen! ;o)