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Peanuts bei den Englischen Fräulein und Mr. Jung am Bahnsteig

Nachdem ich mich mit einer Frage an die Träume einstimmte, folgte eine Nacht mit vielen abrupten Schlafunterbrechungen und Einschlafproblemen. Am Morgen fiel ich in einen kurzen Schlaf und wachte völlig unbewusst daraus aus. Von dem zurückliegenden inhaltsreichen Traum waren leider nur noch wenige Bruchstückchen zu erhaschen.

Traum:
Der nicht konkret erinnerbare Traum spielte in adeligen Räumen; bei den Englischen Fräulein, wo ich für einige Zeit untergekommen war – vielleicht anlässlich eines Seminars oder Praktikums. Auch Konrad spielte eine Rolle; aber nebensächlich und eher unbedeutend. Es gab einige Situationen und Dialoge. Den Mienen der alten Fräulein ließ sich entnehmen, dass mein weiteres Mitwirken hier völlig außer Frage steht. Meine Zeit ist hier ist abgelaufen.
Ernst, streng und unnachgiebig; so zeigten sich die Englischen Fräulein all die Tage. Einige von ihnen sehe ich vor mir. Sie sind allesamt hager und mindestens 60 Jahre alt. Es sind Anthroposophinnen, die in einer Burganlage leben. Aus der Ferne sieht man die spitzen Bleistifttürmchen der Burg zwischen runden, dunkelgrünen Baumwipfeln aufsteigen. Zur Anlage gehören Kloster- und Heilkräutergärten, die von den Englischen Fräulein bestellt werden.

Es ist noch etwas Zeit bis zur Abreise und ich trete in einen Aufenthaltsraum. Im nächsten Moment liege ich rücklings auf dem Boden und halte meine DigiCam in den Händen. Die Aussicht, die sich aus dieser Perspektive bietet, ist unerwartet bewegend: Eine Reihe von Fenstern mit einem schmalen Vorhangstreifen an der oberen Seite: wie ein zartes Gitternetz; nach unten ganz offen.
Dann folgt ein Streifen Himmel – so wunderbare wolkenviolette Farben. Von hier aus ist der Himmel zu sehen!! Wow, das sehe ich erst jetzt!!
Darunter dann die Fensterreihe eines gegenüberliegenden Hauses. Diese aufgereihten Fenster finde ich total ansprechend. Vielleicht wegen der dunkelbraunen Holzrahmen, die wie frisch mit Schutzlasur getränkt ausschauen.
Damit die Aufnahmen gelingen, habe ich extra die Belichtungszeit erhöht. Um für einen möglichst stabilen Halt zu sorgen, schraubte ich ein Metallplättchen an die Unterseite der Cam. Dort halte ich sie fest. Den Auslöser verlängerte ich ebenfalls mit einem flachen Metallhebel. Dies zusammen soll quasi die Funktion eines Stativs haben. Blöderweise ist es nun so, dass ich jedes Mal die Kamera bewege sobald ich den Auslöser drücke – klar, die Verlängerung bewirkt diese ungewollte Hebelwirkung! Vermutlich werden alle Bilder verwackeln. Da sich diese Möglichkeit der Aufnahmen aber nicht wieder ergeben wird, knipse ich munter weiter. Total überrascht bin ich, als ich auf einem Foto etwas Wunderschönes entdecke: Die Sonne durchdringt orangegolden das Nebel der Wolken. Wie ein Hauch nur – weswegen es mir wohl entgangen war – aber die Sonne wird sich durchsetzen. Der Himmel lichtet sich! Das ist so wunderbar, und in mir ist mit einem Male ganz viel Freude.

Ich laufe eine Treppe hinauf und gehe in das Zimmer, das ich diese Tage bewohnte. Gleich beim Öffnen der Tür bemerke ich, dass der Boden voller unzähliger Erdnüsse liegt. Entweder ganz lose, teils aber auch noch paarweise in der Hälfte einer Erdnussschale – immer zwei zusammen wie in einem Boot. So unordentlich kann ich das Zimmer nicht hinterlassen und ich greife mir einen Besen. Dabei fällt mein Blick auf das Bett. Mike liegt dort zusammengekauert unter zwei Wolldecken und schläft. Wenn ich jetzt fege, wird er davon aufwachen. Ich möchte ihn gerne noch etwas schlafen lassen und beschließe, diese Arbeit in einer halben Stunde zu erledigen; sozusagen als letzte Erledigung vor der Abreise.

Am Bahnsteig. Ich halte mich bereits im Zug auf, stehe vor dem Fenster direkt neben dem noch offenen Ausstieg. Draußen sehe ich einen Mann und eine Frau stehen. Die Szene wirkt wie aus alten Zeiten – zur Zeit der Wende zum 20. Jahrhundert. Der Mann trägt einen dunklen Anzug und Gamaschen; dazu einen dunklen Hut. Neben ihm eine Frau mit langem dunklen Kleid und einem imposanten Hut. Sie stellt eine Frauenfigur aus einem englischen Kinderbuch dar – vielleicht Mary Poppins. Auch dieses Paar wird mit abreisen – aber erst wird es noch eine Abschiedsszene am Bahnhof geben und später dann ein Nachwinken mit weißem Taschentuch, während die alte Lokomotive langsam an Fahrt gewinnt.
Der Mann erklärt mit freudigem und stillen Lachen, er nenne sich Mr. Jung. Ein wenig bin ich über die Namenswahl des Mannes erschrocken und merke schüchtern und leise an: „Aber man kann sich doch nicht einfach Mr. Jung nennen – C.G. Jung! Ist das nicht etwas zu hoch gegriffen?“
Zur Antwort lacht der Mann vergnügt und verströmt dabei eine kräftige Knochlauchfahne.
Besorgt teile ich ihm meine Bedenken mit: „Sie riechen kräftig nach Knoblauch! Knoblauchgeruch ist bei einem anstehenden Zahnarztbesuch aber eher unangebracht!?“
Mit immer noch offenem Lachen fragt er: „Warum nicht? Es ist doch eh nur eine Inszenierung?!“
Ach so, nun weiß ich es auch wieder. Die ganze Staffage dient ja dazu, sich einen Scherz mit einem Freund zu erlauben; um diesem eine Freude zu machen und ihn zum Lachen zu bringen. Ah okay, das beruhigt mich!

Mike merkt an: „Die Steaks sind aber sehr English.“ („Sehr“ meint in diesem Falle „their“.)

Schorli bietet an: „Bist Du bereit, Deinen bisherigen Lebensstatus aufzugeben?!? Wenn ja, dann werde ich alles für Dich tun, was mir möglich ist, um Dich dabei zu unterstützen, damit der Plan umgesetzt werden kann.“

Notizen zur Traumzeit:
Oups, so wenig habe ich ja gar nicht erinnert?!?

Sabine übernachtete an diesem Wochenende bei uns. Sie erzählte am Abend vor dem Traum davon, dass ein Kind eine Tüte Kichererbsen ausgekippt habe und wie leicht man darauf ausrutschen kann. Soviel zu den Erdnüssen, die allerdings auch für Kleinigkeiten stehen = Peanuts.

Interessant finde ich nun das Auftauchen von Mr. Jung im Traum. Sabine erzählte nach meinem Traumbericht nämlich, sie habe in dieser Nacht im Buch „Türkisches Gambit“ gelesen. Die Handlungen im Buch finden während der Zeit von 1870 bis Anfang des 20. Jahrhunderts statt. Die Heldin des Buches trägt einen auffällig schönen Hut. Eine Szene spielte am Bahnhof. Kriegskorrespondenten bei der Abfahrt. Es wurde ein Spion gesucht – sein Name: „Mr. J.“

Mike träumte etwa zur gleichen Zeit, er sei mit einem Bus in England unterwegs. Während der Fahrt döste er etwas. Dann erfährt er, dass der Bus wegen eines Unwetters umgeleitet wurde und findet sich daraufhin in New York wieder.

Überraschung: Vor einem Jahr träumte ich auch von einem Mann mit Gamaschen: Venezianische Wasserstraßen

Links:
“Englischen Fräulein” – Ordensgründerin Maria Ward
“Türkisches Gambit” von Boris Akunin

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