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Von Bratislava über Warschau nach Riga

Traum:
Es gibt eine Vorgeschichte, die ich jedoch nicht erinnern kann.
Das bisherige Geschehen führt mich in einen Bahnhof in der Fremde. Weder weiß ich, wo ich bin, noch verstehe ich die Sprache – vielleicht eine baltische. Es ist unklar, wohin es gehen soll und gehen wird. Ein winziger Lichtblick ist das vage Gefühl, trotz aller Unklarheit auf dem richtigen Weg zu sein.

Hier in der Fremde begegnete ich einer weiblichen Person – sie ist unbeschreiblich, da nicht sichtbar – an der ich mich seither orientiere. Vermutlich von der Hoffnung getragen, dass ihr das alles nicht so fremd ist und von dem unhaltbaren Eindruck, dass sie ein wenig von der Sprache versteht. Es melden sich immer wieder Zweifel: Bin ich hier richtig?

Wir stehen im Bereich der Fahrkartenautomaten. Ein Punkt also, an dem ich angeben muss, in welche Richtung ich will – nur so bekomme ich die passende Fahrkarte. Die Frau sagt, dass wir uns im richtigen Bahnhofsbereich aufhalten, und dass von hier aus Züge fahren, die uns weiterbringen. Der nächste Zug, der am besten passt, fährt über Warschau nach Riga. Allerdings müssen wir noch längere Zeit bis zur Abfahrt warten. Wir stehen an einem dritten Bahnsteig, als eine alte Lokomotive auf dem mittleren Gleis einfährt; zischend und schnaufend kommt sie zum Stehen. Eine knarzende Lautsprecherstimme ertönt: „Es fährt ein der Zug nach Bratislava-Petržalka.“

Die Frau neben mir sagt eilig, die Fahrt koste 5 Euro. Der Zug böte die unerwartete Möglichkeit bereits jetzt ein Stück weiter zu kommen! Sehr wahrscheinlich gäbe es in Bratislava-Petržalka sogar noch früher einen Anschluss zu unserer Zielroute. Die Frau läuft los. Ich komme nur schleppend weiter, denn ich trage einen sperrigen alten Koffer – den meines Großvaters – bei mir. Ich müsste damit entweder schnell die Treppen durch die Unterführung nehmen, oder durch das Gleisbett vor mir zum Zug hinüber hüpfen. Nur geht das nicht, denn an dem Koffer schleppe ich schwer, komme nur mühsam und langsam voran. Mir ist zum Weinen zumute und ich spüre Verzweiflung darüber, nicht schneller gehen zu können. Ich verspüre kaum noch Kraft in den Beinen… und zögere… frage mich, ob es überhaupt Sinn macht, ob ich es überhaupt schaffen kann?! Aber ich weiß, wenn ich nicht gehe, wird die Verzweiflung nur umso stärker sein. Schleppend und mühevoll, Schritt um Schritt; dabei das Gefühl alle Kraft verloren zu haben.

Assoziation:
Warschau -> Wahr-Schau -> die Wahrheit schauen
Welche Wahrheit? Wessen Wahrheit?

Notizen:
Die erste Frage nach diesem Traum war: Warum ausgerechnet diese drei Städte? Welchen Zusammenhang gibt es? Interessant finde ich: Bremen (alte Heimat) ist Partnerstadt von Bratislava und Riga. Warschau ist ebenfalls eine Partnerstadt von Riga.
Die zweite Frage ist: Warum lasse ich den Koffer nicht einfach zurück? Es war ja – so würde ich mal behaupten – eh nichts drin. Was sollte ich loslassen?

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2 Antworten zu Von Bratislava über Warschau nach Riga

  1. Was assozierst Du mit einem grossen, sperrigen Koffer? Ich glaube, schon in früheren Träumen hat Dich ein solcher behindert.
    Lieben Gruss

  2. REPLY:
    Liebe Mara, ja, es stimmt, dieser Koffer behindert mich auf meinem Lebensweg. Vielleicht steht er für ein altes Problem (Großvater), das ich immer noch mit mir herumschleppe. Zwar war der Koffer nicht leicht – wegen seines Eigengewichts (der Koffer scheint von innen mit Holzleisten verstärkt) – aber er scheint auch nichts zu beinhalten. Zumindest nichts, das von Gewicht wäre. Es spricht also im Grunde genommen nichts dagegen, diesen Koffer einfach stehen zu lassen.
    Inzwischen habe ich visualisiert, wie ich den Koffer einfach dort am Bahnhof zurücklasse. Zwei Bilder schoben sich dabei übereinander: Einerseits ein inneres Widerstreben und nicht loslassen können; vielleicht weil ich unerklärliche Zweifel daran habe, dass es richtig ist. Gleichzeitig ließ ich rein verstandesmäßig los, woraufhin der Koffer wie von unsichtbarer Kraft auf die Gleise und in einen dunklen Tunnel hinfort gezogen wurde. Der Koffer verschwand, aber gegen meinen Willen zog eine Kraft aus meinem Innern diesen wieder zurück. Es war nicht so, dass es ein Hin und Her gab, sondern beides war gleichzeitig: Der Koffer blieb bei mir und verschwand im Tunnel.
    Irgendetwas hält mich an diesem Punkt. Nur leider weiß ich nicht, was es ist. Vielleicht ist es das Gefühl, dass ich etwas unwiederbringlich verloren gebe, sobald ich den Koffer loslasse. Ja, vielleicht ist es wie ein Abschied von etwas, das ich noch nicht in Worte fassen kann.

    Es in Worte zu fassen, macht es für mich klarer und ich weiche weniger aus. Vielen Dank für Deine Frage; Du hast mir damit geholfen. Lieben Gruß!