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Alles in Butter?

Traum:
Die laute Stimme des Mieters veranlasste mich ins Erdgeschoss zu gehen. Der Flur liegt im Halbdunkel. Nachdem ich die Klingel drückte, woraufhin geöffnet wurde, bleibt die Wohnungstür halb geöffnet. Der Mann tritt heraus, laut mit seiner Partnerin schimpfend. Er macht ihr Vorhaltungen, stänkert herum. Ich höre auch ihre Stimme – ruhiger und leiser, sich zwar zu Wehr setzend, aber weniger aufgebracht als er. Als er mich sieht, überfällt er auch mich mit einer Schimpfkanonade, macht mir Vorwürfe, die insgesamt zum Inhalt haben, ich wolle – ebenso wie seine Partnerin –nur Böses. Dann verschwindet er, durch eine schräg gegenüberliegende Tür, in der Wohnung eines anderen Mieters.

'Glücksbecher' von Traumzeit Ich gehe wieder zurück in meine Wohnung im ersten Stock. Trete an das Küchenfenster und blicke hinab in den gemeinsamen Garten. Auf der Terrasse, direkt unter mir, vernehme ich erneut die aufgebrachte Stimme des Mannes; laut mit seiner Frau schimpfend. Es nimmt gar kein Ende. Als ich an den Stimmen höre, dass er gleich weiter hinausgehen wird, stelle ich meinen Getreidekaffee – im Glücksbärchi-Becher mit einem Griff in Herzform – außen auf das Fenstersims; ganz außen an der Hausecke und trete einen Schritt vom Fenster zurück. Ich habe keine Lust auf eine weitere Begegnung mit ihm, bei der ich ja eh nur beschimpft würde. Außerdem will ich nicht in deren Streit hineingezogen werden.

Ein lauter Ausruf: „Autsch!“ Oje, ich weiß sofort, dass mein Kaffeebecher hinunter gefallen ist und die beschimpfte Frau davon getroffen wurde. So ein blöder Zufall, dass sie ausgerechnet in diesem Moment dort unten ging. Ich äußere diese Vermutung Mike gegenüber. Einen kurzen Moment überlege ich, einfach alles zu ignorieren und mich nicht zu zeigen. Aber nee, schnell gehe ich ans Fenster und frage, ob sie von meinem Kaffeebecher getroffen wurde. Sie schaut zu mir hinauf und reibt sich mit etwas schmerzverzerrtem Gesicht ihre Schulter, wo ich eine lange Operationsnarbe wahrnehme, ohne diese konkret zu sehen. Ich rufe eine Entschuldigung hinab, die allerdings in den erzürnten Worten des Mannes untergeht, der sichtlich zufrieden wirkt nun eine Bestätigung zu haben: „Das ist ja wohl der Beweis dafür, dass SIE nur Böses vorhaben!!!“
So, jetzt reicht’s.

Ich eile hinunter, um die Sache direkt dort unten zu klären. Dort angekommen, sitzen fünf Frauen etwas im Abseits der Terrasse. Es sind alles einfache Arbeiterinnen, die mit körperlich schwerer Arbeit ihren Lebensunterhalt sichern. Man sieht es ihnen an, dass sie es nicht leicht im Leben haben. Ihre Gesichter sind grau und müde. Eine von ihnen erzählt, ihre Arbeit sei schwerer als die vieler Männer. Sie müsse regelmäßig 5-Zentner-Säcke (was fünf mal fünf Kilo entspricht.) tragen. Ich spüre Mitgefühl, erinnere ich mich gut an die Arbeiten im Bioladen – Kartoffelsäcke, Bananenkartons und große Weinkisten. Noch jetzt spüre ich die schlimmen Rückenschmerzen – in den letzten Tagen besonders.

Mike kommt vorbei und eine der Frauen fragt ihn, was er beruflich mache. Er antwortet im Vorbeieilen: „Arbeitsamt.“ Ich ergänze – während ich auf dem Weg zum Seiteneingang bin, aus dem Mike gerade herauskam – dass er nicht vom Arbeitsamt aus arbeitet, sondern beim Arbeitsamt beschäftigt ist. Schließlich ist das ein Unterschied. Die Frauen verstehen und sagen erleichtert: „Ach sooo!“

Dann erreiche ich das kleine Büro, das sich im ersten Stock im Lagerbereich befindet. Der Mann, der seine Partnerin und mich vorhin so beschimpft hatte, sitzt am Schreibtisch. Er ist total entspannt und wirkt gelassen – weshalb ich mich gar nicht daran erinnere, was kurz zuvor war – und kratzt sich mit den Spitzen eines Geodreiecks unter den Fingernägeln. Ich gehe an seinem Schreibtisch vorbei; von Moina begleitet, die alles neugierig und ruhig beäugt. Ich werfe einen Blick in meine Handtasche und sehe, dass das Tütchen mit dem Currygewürzpulver eingerissen ist. Oh, wenn ich nicht acht gebe, rieselt das Pulver gleich in meine Handtasche. Ich werfe einen Blick auf den Schreibtisch und entdecke das Erhoffte: Tesafilm! „Darf ich mir ein Stück Klebestreifen nehmen?“, frage ich und er nickt freundlich: „Na klar!“. Er wirkt ausgesprochen großzügig. Mit einem „Toll, vielen Dank!“ greife ich in das Tütchen. Es sind fünf Rollen Tesafilm darin; die mittlere ist angebrochen und der Klebestreifen reicht fast bis zur Tütenöffnung. Ich nehme davon und verschließe damit die obere Öffnung des Gewürztütchens. Leider ist da immer noch der Einriss und ich traue mich, ungefragt noch einmal von dem Klebestreifen zu nehmen. Als ich es abreißen will, bewahrheiten sich meine Befürchtungen im gleichen Moment, da sie sich einstellen: das Band verheddert sich und bleibt mir feucht an den Fingern kleben. Es ist ein schmales Klebeband, wie das braune Band von Audio-Kassetten. Zwar versuche ich, in aller Ruhe und Vorsicht das Klebeband abzunehmen, damit es nicht miteinander verklebt, aber irgendwie scheint da wohl so eine Art Gesetz zu wirken, welches einen erfolgreichen Abschluss garantiert verhindert. „Oje, so ein Durcheinander. So viel wollte ich gar nicht verbrauchen.“

„Ach, das ist nicht so schlimm“, sagt der Mann voller Gelassenheit. Dann fragt er mich, ob ich als Gegenleistung nicht ein paar Arbeiten verrichten wolle. Er müsse mal kurz weg und ich könne in der Zeit die Eierkartons in einen Karton einsammeln, die gelieferte Butter in den Kühlschrank einsortieren und die Pappen von den Joghurtbechern zum Altpapier geben. Ja klar, das kann ich machen, aber nur für befristete Zeit, da ich mich bald wieder um Moina kümmern muss, die inzwischen nicht mehr im Raum ist. Das ist geklärt und der Mann verlässt das Büro. Ich verrichte die Arbeiten. Sammele alte Eierkartons in verschiedenen Farben und aus unterschiedlichen Materialien in einen Karton und bin erstaunt, wie platzsparend das gepackt werden kann. Bei der Butter komme ich kurz ins Stocken, weil ich überlege, nach welcher Ordnung diese in den Kühlschrank gelegt wird. Ob das MHD berücksichtigt wird und falls ja, ob von vorn nach hinten oder umgekehrt. Ein beiläufiger Blick aus dem Fenster zeigt Unerwartetes. Der Lieferwagen steht unter diesem Fenster und es wird die Ware ausgeladen. Wow, die offenen Kartons mit Butter türmen sich bis zu diesem Fenster hinauf. So viel goldene Butterstücke! Es ist ein schöner Anblick. Die goldene Verpackung ist mit feuchter Kühle beschlagen – so ansprechend und frisch, dass es eine Freude ist.

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