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Zu Gast bei einer Gutsfamilie

Traum:
Zu Besuch bei einer Familie in der Schweiz. Außer Mike und mir sind noch ein paar Bekannte der Familie dort. Alle unterhalten sich angeregt. Anfangs hatte ich auf einer Art Liegestuhl Platz genommen – chices Teil; könnte aus dem schwedischen Möbelhaus sein.

Als ich etwas später in den Raum zurückkehre, setze ich mich wieder auf den Liegestuhl; denke mir nichts dabei. Erst nach einer Weile wird mir bewusst, dass die Stuhlpolster noch warm waren, als ich mich hineinsetzte. Es ist mir peinlich, als mir klar wird, dass vermutlich die Frau des Hauses – die Leiterin im Erdhügel – darin gesessen hatte und ich ihr den Platz weggenommen habe, als sie bei meinem Kommen kurz aufgestanden war. Ich stehe prompt auf und frage sie, ob sie wieder dort sitzen möchte. „Ja“, sagt sie mit ernster Miene und bestimmter Stimme. Diese Reaktion bestätigt meine Vermutung. Sie nimmt dann ihren Platz dort ein. Ich finde allerdings keine Sitzgelegenheit mehr; es rückt auch niemand beiseite. Naja.

Schon bald kommt Bewegung in den Raum und wir stehen auf, um in ein anderes Zimmer zu wechseln. Die Unterhaltung dreht sich gerade um Ernährung. Das Schweizer Ehepaar erzählt, dass es sie immer wieder erstaunt, wenn sich ihre Mitmenschen über das Aggressionspotenzial wundern und es dabei nahezu unerklärlich finden, woher das kommt. Der Mann zeigt auf seinen Nacken – er ist übrigens ausgesprochen durchtrainiert und wirkt kraftvoll – und erklärt: „Gyros beispielsweise wird aus diesem Fleisch hergestellt. Gerade im Nacken aber bilden und stauen sich die Aggressionen des Schlachttieres. Mann kann sich leicht vorstellen, was geschieht, wenn dann dieses aggessionshaltige Fleisch einverleibt wird und der Mensch zudem wenig Bewegung hat, die zumindest einen Teil dieser Energien wieder hinaustragen würde.“

Es ist offensichtlich, dass dieser Mann sehr viel Sport treibt. Zudem tänzelt er ständig und sehr elastisch auf der Stelle – so als wären seine Muskeln vor Energie ständig in einer gewissen Schwingung, die ihn in Bewegung hält. Einverleibte Aggressionen dürften bei ihm umgehend in Energie umgesetzt und auf diesem Weg entladen werden; können sich also gar nicht stauen und somit auch nicht zu unnötigem aggressiven Handeln führen.

Seiner Frau sieht man es weniger an, aber es ist dennoch genauso klar, dass es bei ihr ähnlich sein dürfte. Ich fühle mich peinlich berührt, denn gerade gestern habe ich Gyros gegessen. Okay, es war eine geringe Menge, aber immerhin. Viel Bewegung hatte ich seither auch nicht. Von der fehlenden Muskelmasse, die diese Energien sofort in Bewegungsenergien umsetzen würde, mal ganz zu schweigen! Klar, davon sage ich nichts. Aber es ist mir ja eh anzusehen.

Wir gehen dann nach draußen. Dort im Innenhof der Gutsgebäude parkt ein großer Jeep. Der Fahrer, ein jägergrün gekleideter Mann wartet neben dem Fahrzeug auf den Gutsbesitzer – also dem Schweizer. Der Jägergrüne verschwindet mit demGutsherrn im Gebäude, um eine Angelegenheit – vielleicht die Ausführung einer Arbeit – zu klären. Mike und ich sind eigentlich in Räumen untergebracht, die unterirdisch, also unter diesem Innenhof liegen. Allerdings dürfen wir diese Räume nur während der Freizeit des Gutsherrn nutzen. Wenn er mit irgendwelchen Dingen beschäftigt ist, die ihn körperlich oder geistig abwesend sein lassen – so wie jetzt mit dem Jeep-Fahrer – dann müssen wir für diese Zeit die Räume verlassen und uns irgendwo oberirdisch und außerhalb der Gutsräume aufhalten. Wir sind Gäste; es ist ganz selbstverständlich, dass wir uns an diese Hausordnung halten, auch wenn ich es nicht wirklich nachvollziehbar finde.

Es ist völlig dunkel, als ich in der Hofecke hin und her gehe. Es muss geschneit haben!! Denn ich wate durch Schnee, der mir bis zu den Knien geht. Immer wieder lasse ich meine Hände wie Schaufeln hindurch gleiten und bin total überrascht: der Schnee ist tatsächlich trocken und gar nicht kalt! So hatte ich es kürzlich geträumt, dachte aber, diese traumhafte Eigenart des Schnees gäbe es real gar nicht. Also, Schweizer Schnee ist tatsächlich so wundervoll; es wird einem darin nicht kalt.

Irgendwann bemerke ich, dass eine Nachricht auf meinem Handy abspielt und ich nehme es aus der Tasche. Auf dem Display ist es so dunkel wie in dieser Nacht. Nur schwach und vage sind die kleinen Ziffern der Uhrzeit und der Name des Anbieters zu erahnen. Das Handy-Radio dudelt gut hörbar vor sich hin, die Stimme der Anruferin dagegen ist so schwach hörbar wie die Handy-Anzeige sichtbar. Ich kann kaum verstehen, was gesagt wird, erkenne dann aber Angeliques Stimme. Ich konzentriere mich und höre sie dann wie aus weiter Ferne sagen, es täte ihr leid, dass sie sich vorhin so gar nicht um mich gekümmert habe, nachdem ich ihr den Platz angeboten habe. Normalerweise hätte sie geschaut, wohin ich mich dann setzen könnte. Ihren Gedanken seien mit anderem beschäftigt gewesen. Es ist anstrengend, sich so stark konzentrieren zu müssen, um ihre Worte zwischen dem Radiogedudel herauszuhören. Ich versuche die Lautstärke höher zu stellen, damit ich sie besser hören kann.

Da wird es taghell. Der Gutsbesitzer ist an meiner Seite – schweigend, ernst und beobachtend. Zu meiner Verwunderung stelle ich fest, dass der Schnee weniger hoch liegt, als es sich im Dunkeln anfühlte – gerade mal bis zu den Knöcheln. Auch ist er nicht so schön weiß und glitzernd, eher banal alltäglich weiß mit grauer Eintrübung – irgendwie nichtssagend. Aber eines ist geblieben: der Schnee ist warm und trocken.
Ich würde gerne mit Angelique sprechen und untersuche nun das Handy daraufhin, wo und wie sich etwas einstellen lässt. An der Rückseite ist beispielsweise ein Häkchen, mit dem ich den unbelichteten Film manuell weiterdrehen kann. Nah daneben auch ein Lautstärkeregler. Einer für das Radio – ich stelle es leiser. Daneben ein Rädchen zum Lauterstellen des Sprachempfangs. Die nüchtern beobachtenden Blick des Hausherrn finde ich unangenehm und es verunsichert mich inzwischen. Angelique ist inzwischen nicht mehr zu hören – hat vermutlich aufgelegt.

Mein Blick fällt auf den großzügigen Unterstand, der einen Teil der Innenwände der Gutsgebäude ausmacht. Diese Unterstellmöglichkeiten gehen recht tief nach innen. Die Wände sind mit hochwertigem Veloursstoff – wie für Polstermöbel – verkleidet. Der Stoff zeigt dicke und schmale, senkrecht verlaufenden Streifen – in gedämpftem Mittelblau, warmem Weinrot, Creme, Schwarz und Goldbraun. Der Gutsherr hat hier seine Antiquitätensammlung stehen! Unzählige Barhocker, keiner gleicht dem anderen. Ebenso unterschiedliche Bürohocker, aber geringer in der Zahl. Eine unbenennbare Anzahl alter Stühle in allen möglichen Ausführungen. Und da, ein ganz wundervoller Großmutter-Kochherd! Davon hat er nur einen; ein ausgefallenes Modell. Der Ofen wirkt relativ schmal. Hübsch, diese geschwungene Form, die an eine After-Eight-Uhr denken lässt!
In einem anderen Bereich stehen lauter alte Nähmaschinen. Etwas merkwürdig finde ich, dass er diese Sachen nicht in einem geschlossenen Raum aufbewahrt. Zwar sind diese Antiquitäten vor direkter Nässe und Sonnenlicht geschützt, aber der Witterung ist dennoch alles ausgesetzt. Okay, man sieht an den verkleideten Wänden, dass er keine nachlässige Einstellung zu diesen Dingen hat. Zudem kenne ich hier das Klima nicht. Vielleicht schadet es den Gegenständen gar nicht.

Der Jägergrüne tritt wieder aus dem Gebäude, begleitet von dem Gutsherrn. Sie sind noch im Gespräch. Der Hausherr muss kurz wegfahren, um etwas zu erledigen. Deswegen muss auch der Jägergrüne das Haus solange verlassen, bis er zurück ist. Ich frage mich, wo sich der Jägergrüne in Sicherheit bringt, wenn es mal Gewitter gibt. Wie zur Antwort schlägt er die jägergrüne Stoffplane an einer Seite der Ladefläche beiseite und springt hinein. Er sagt, dies böte bei Gewitter ausreichend Schutz. Ich äußere meine Bedenken, wegen möglicher Blitzeinschläge, aber der Jägergrüne bleibt gelassen dabei: hier ist er sicher. Ich glaube das immer noch nicht, aber letztlich ist es ja allein seine Sache.

Mike ist inzwischen fort gegangen. Mein Blick fällt auf eine Glasluke am Boden; zwischen den großen Pflastersteinen. Der Gutsherr hat kleine Fenster geöffnet und einen Stein als Keil dazwischen gelegt, damit es nicht zufallen kann. Ich weiß, dass unsere derzeitigen Räume direkt darunter liegen. Ich selbst hatte vorhin diese Luke zum Lüften geöffnet; allerdings vom unteren Raum aus. Die Sache mit dem Stein ist immerhin ein Zeichen dafür, dass der Gutsherr mit dieser Öffnung einverstanden ist. So sicher war ich diesbezüglich nämlich nicht. Dennoch ist mir immer noch nicht klar, warum wir uns während seiner Abwesenheit – und sei sie nur gedanklicher Natur – nicht dort aufhalten dürfen. Würden wir wirklich Unfug treiben?

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