Home » Traumtagebuch » Traumerinnern im Traum und ein lachendes Happy End

Traumerinnern im Traum und ein lachendes Happy End

Halb zog sie ihn, halb sank er hin

Traum:
Ich breche auf; mein Weg führt in ein öffentliches Gebäude mit vielen unterschiedlichen Räumen, die alle weit sind, und offen ineinander übergehen. Als ich die vielen Kaffeetassen, -untertassen und Kuchenteller sehe, die stapelweise auf Tabletts vorbereitet stehen, wird mir klar, dass ich hier eigentlich tatkräftig mithelfen sollte! Es wird eine hundertköpfige Kaffeegesellschaft erwartet, was ich als angenehm anregend empfinde. Ich bin gerne bereit, hier mitzuarbeiten. Nur habe ich selbst jetzt erst einmal Durst auf ein Tässchen Kaffee! Das konnte ich bekommen, fühle mich sehr wohl damit und gehe weiter.

Schon bald gelange ich in einen Werkstattraum. Besser gesagt ist es ein weiter Raum, der sowohl Werkstatt als auch Wohnraum darstellt, und der nebenbei auch als Verkaufsraum geeignet ist.
Hier bin ich am richtigen Ort, um noch einmal wegen der beiden Kräuternamen nachzufragen! Der Werkstattmeister – den ich bereits wahrnehme, obwohl ich ihn noch nicht sehe – kennt sich damit aus. Eines der beiden Kräuter, so weiß ich, hat einen Namen, der sich etwas gewunden und weich ringelig anhört. Der zweite Kräutername lässt an eine spitz zulaufende Dolde mit zarten, unscheinbar weißen Blüten denken.

Zwischen Verkaufstresen und Werkbereich gibt es ein Geländer mit zwei kleinen Ablagen. Dort entdecke ich jeweils einen Notizzettel und gehe näher heran. Darauf sind die beiden Kräuternamen notiert; wobei die Namen der Kräuter gleichzeitig je ein Werkzeug benennen, mit dem auch hier in der Werkstatt gearbeitet wird.

Ich nehme die große Papierrolle in die linke Hand, halte sie hoch und entrolle mit der rechten Hand das Papier. Darauf habe ich nämlich die Träume dieser Nacht notiert. Mike freut sich, dass ich so viel geträumt und erinnert habe – die handschriftlichen Notizen sind umfangreich. Nun möchte ich unbedingt noch die beiden Kräuternamen bei den entsprechenden Passagen nachtragen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Aber oje!! Erst jetzt bemerke ich, dass es nicht – so wie ich erwartet hatte – ein einziger langer Papierstreifen ist, sondern es sind quadratische Papierabschnitte, die ineinander gerollt sind und jetzt beim Abrollen lose auseinander rutschen. Zudem ist es nicht so, dass auf jedem Abschnitt ein Traum notiert wäre. Nein, ich schrieb ja wie auf einem einzigen Blatt Papier, so dass auf jedem Abschnitt nur ein Teil eines Traumes geschrieben steht – vielleicht nur der Anfang oder nur das Ende. Ich müsste die einzelnen Abschnitte jetzt lesen und in die richtige Reihenfolge bringen. Vermutlich würde ich später die einzelnen Passagen in einen falschen Zusammenhang bringen. Es ist bereits jetzt schwierig, den Überblick zu wahren.

Oje, ich träume ja! (präluzid). Das bedeutet, diese Traumnotizen sind nur ein Traum! Ich habe diese Notizen noch nicht wirklich in mein Traumbuch eingetragen. Wenn ich morgen aufwache und mein Buch aufschlage, dann wird es an diesem Morgen leer sein! Ein großes Bedauern keimt auf, denn ich bin mir relativ sicher, dass ich aufwachen werde, wenn ich jetzt auch nur ansatzweise versuche, die einzelnen Blattabschnitte zu lesen! Denn das, was ich dort notiert habe, kann ich im Moment nicht als Erinnerung abrufen! Ich spüre kurz nach und es ist so: ich kann mich an keinen einzigen Traum erinnern. Wenn ich jetzt aber zu lesen beginne und dabei natürlich gleichzeitig versuche, die einzelnen Abschnitte wieder in den richtigen Zusammenhang zu bringen, dann werde ich aufwachen, sobald ich die ersten Zeilen gelesen habe. Alles würde im Vergessen bleiben! Vermutlich würde ich danach nicht wieder einschlafen und somit auch nicht mehr träumen. Sollte ich nicht besser all diese Träume verloren geben und weiterschlafen und vielleicht weiterträumen?! So bliebe mir immerhin noch dieser Traum vom jetzigen Zeitpunkt an. Da entspannt sich die linke Hand und lässt alle Papiere fallen.

Ein Kind kommt in den Werkstattraum – die Tochter (im Vorschulalter) des Werkstattmeisters. Ich will dieser Familie Kindermöbel abkaufen. Das Kind hat sich zwischenzeitlich bei ihrer Mutter nach den Maßen erkundigt, nach denen ich gefragt hatte. Die Maße des Kinderbettchens müssen mit den Maßen übereinstimmen, die jene Teile haben, die ich bereits zuhause habe. Dieses wichtige Maß ist ein Meter zwanzig. Während ich so auf die Kindermöbel schaue, geht mir durch den Kopf, dass es bei der Kindermöbelausstattung immer wieder um diese Dreiheit geht: Kinderbett, Laufheck und …???…

Inzwischen ist der Werkstattmeister an meine Seite getreten und ich erzähle ihm davon, dass ich die Möbelteile mit dem Fahrrad nach Hause transportieren werde und deshalb nicht alles auf einmal mitnähme. Sogleich bietet er an, mir die verbliebenen Möbelteile nach Haus zu bringen, wenn er nachher mit seinem Auto zu einem Kundenbesuch fährt. Toll! Das finde ich nett und ich freue mich darüber sehr. Der Geselle kommt und tritt zu mir an den Tresen, um meine Zahlung entgegenzunehmen. Mir fällt ein, dass ich den Betrag von 30 Euro gar nicht bei mir habe, der jetzt für alles zu zahlen wäre. Während ich mein Portemonnaie öffne, beginne ich also wegen der Zahlweise zu handeln. Mein Blick und ebenso der Blick des Gesellen fallen gleichzeitig in das Fach mit den Geldscheinen. Als ich es sehe, fällt mir auch wieder ein, dass Mike mir gerade vorhin drei 50 Euro Scheine gab! Ich bin erleichtert und sage erfreut: „Okay, ich zahle alles sofort!“ Alle freuen sich.

Als der Geselle geht, bemerke ich ein Spitzenhöschen auf der Ablage neben dem Tresen. Ein Höschen aus rot-weißem Satin mit ein wenig Schwarz; mit breitem roten Spitzenstoff abgesetzt. Ich weiß, dass es das Höschen der Frau des Werkstattmeisters ist. Das Höschen hat sie zum Verkauf freigegeben. Hübsch, und wie neu! Ich befühle es mit den Fingerspitzen.

Der Geselle stellt sich dazu und meint ganz pragmatisch: „Dafür ist es jetzt – im Winter – aber zu kalt.“

Ich lache vergnügt und sage: „Dafür ist’s nie zu kalt! Das hängt doch davon ab, was man drüber trägt!“

Das heißt, das würde ich gerne nehmen! Der Werkstattmeister ist inzwischen zurück und schaut mich ganz angetan an. Wir gehen dann in den Nebenraum, wo das Kinderbettchen steht. Ich möchte es gerne noch einmal gemeinsam mit ihm anschauen, weil es – wie mir scheint – doch eher ungewöhnliche Maße hat. Als wir dann davor stehen, kommt es mir allerdings so vor, als habe ich einen Knick in der Linse, denn die Maße stimmen, auch wenn es in meinen Augen anders aussieht.

Während wir also mit den Gedanken beim Kinderbett waren, müssen wir unbemerkt einige Schritte in eine andere Richtung getan haben, denn nun stoße ich mit den Füßen auf eine auf dem Boden liegende französische Matratze. Ich stehe nicht mehr zentriert, müsste – um das Gleichgewicht wiederzufinden – einen Schritt in Richtung Matratze tun, was jedoch nicht möglich ist, da ich nicht mit den Straßenschuhen drauflatschen will. So halte ich mich im letzten Augenblick an den Oberarmen des Werkstattmeisters fest, der allerdings nicht mitbekommen hat, wodurch diese Bewegung ausgelöst wurde. So schaut er mich, ob meiner Annäherung, ganz erfreut und überrascht zugleich an. Ich möchte ihm diese Freude nicht nehmen, zumal ich ihn immer mehr mag, und lehne mich in seine Arme, hauche mit warmer leiser Stimme ein „Dankeschön“ – was sich auf sein freundliches Entgegenkommen beziehen soll. Das hätte sich ja eh inzwischen angeboten, mich zu bedanken.

Diese Nähe fühlt sich gut an und auch er scheint mir, nicht nur körperlich ganz zugetan, wodurch ich nun noch mehr mein Gleichgewicht verliere. Um nicht zu stürzen, halte ich mich weiter an ihm fest. Jedoch fällt auch er bereits in meine Richtung, so dass wir – völlig unbeabsichtigt, widerstandslos und voneinander angetan – auf die Matratze sinken. Als mir „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“ einfällt, muss ich anfangs leise lachen, spüre in meinem Bauch eine große Lachwoge anschwellen. Bald kann ich mich vor Lachen nicht mehr halten und denke/sage: ‚Oh nee, dies alles, diese ganze Situation, in die ich hier mal wieder geraten bin… das ist alles total typisch für mich!’

Das Lachen befreit, verebbt dann und wir rappeln uns grinsend wieder auf. Dann besprechen wir noch alles weitere Geschäftliche. Wir werden uns bald wiedersehen. Das ist so schön! Ich freue mich jetzt schon drauf.

Notiz:

Der Fischer

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach der Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
“Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie’s Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht.
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew’gen Tau?”

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
Netzt’ ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war’s um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

~ Johann Wolfgang von Goethe (1778) ~

“Der Fischer” zum Anhören – Vorleser.net

Eine Interpretation und eine weitere hier.

Tags: