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Smalltalk und Hunger

Traum:
Als ich im Bett aufwache, finde ich mich inmitten eines gehobenen gastronomischen Betriebes wieder. Rundum stehen jedenfalls Tische, an denen männliche Gäste sitzen, die von vornehmen Kellnern bedient werden. Ich schlage die Bettdecke beiseite und stehe auf. Rundum spüre ich Blicke, die mich natürlich ohne gezielte Absicht treffen. Dadurch wird mir eindringlich mein nackter Oberkörper bewusst und ich schlüpfe schnell wieder unter die Decke. Schließlich ist es nicht meine Absicht, mich so entblößt hier zu zeigen. Aber was soll ich machen? Ich muss ins Bad und mich anziehen, und da ich in der Mitte liege, gibt es keinen unauffälligen Weg. Auch beim zweiten Anlauf fühle ich mich unter den Blicken so, als sei ich schamlos und schlecht erzogen! Also verschwinde ich wieder im Bett. Kurz nur, und der dritte Anlauf ist entschlossener; es gibt keinen anderen Weg, also muss ich diesen gehen, und so gehe ich.

Bald darauf treffen Mike und ich wieder zusammen. Mike will ins hoteleigene Schwimmbad gehen, lässt sich eine Leih-Badehose vom Kellner bringen. Dieser hält ihm gerade die Badehose vor die Augen – eine blau-weiß gestreifte mit einer türkisgrünen Kordel. Das ist so gar nicht nach Mikes Geschmack und er reagiert dementsprechend, hofft wohl auch darauf, ein besseres Angebot zu bekommen. Aber der Kellner sagt, dieses sei das einzige Modell, das es zum Verleih gäbe. Mike zögert, und überlegt, ob er nicht lieber auf den Schwimmbadbesuch verzichten sollte.

Wir gelangen dann in einen Speise- und Tanzsaal. Die meisten Abendgäste sind bereits eingetroffen und haben Platz genommen. Der größte Teil der Tanzfläche ist frei; es werden noch Akteure erwartet, die etwas vorführen werden. Es dauert gar nicht lange, da erscheinen fünf Männer und treffen einige Vorbereitungen am Rande der Tanzfläche. Alle tragen türkisgrüne Jacketts zu feinen, dunklen Stoffhosen. Anfangs denke ich, die Männer würden sich so positionieren, dass sie mit ihren Rücken zu mir stehen, was ich etwas schade fände, aber, so recht bedacht, letztlich wäre es mir nicht so wichtig.

Entgegen meiner Erwartung beginnt dann gar nicht die Show, sondern die fünf Männer setzen sich, uns gegenüber, an den langen Tisch. Ah so, sie werden vermutlich am Essen teilnehmen, ehe sie beginnen. Nun, da ich in deren Gesichter schauen kann, wird mir klar, dass diese fünf Männer die Hauptdarsteller einer Abend-Fernsehserie sind – Genre Science Fiction. Da ich kein Fernsehen schaue, weiß ich nichts weiter über sie, könnte nicht einmal Namen nennen.

Einer dieser Männer sitzt mir genau gegenüber und geht vermutlich davon aus, dass er erkannt wird und es eine entspannte Unterhaltung gibt, die in jene Richtung geht, die diesem Mann entspricht. Nur, für mich ist er ein Fremder und ich habe keine Ahnung, worüber er gerne reden würde. Da ich nicht zum Smalltalk ansetze, atmet er irgendwann tief durch und sagt mit leicht gereiztem Unterton: „Ich habe Hunger.“

Wie er das so sagt, hat es etwas Belangloses und ich muss mich anstrengen, um etwas darauf zu antworten. Ich gebe mir einen Ruck und sage: „Ich hatte Hunger.“

Seine Reaktion darauf ist praktisch Null. In meiner Kehle spüre ich unangenehmen Druck, empfinde diese Situation als anstrengend, ergänze dann aber mit lächelnder Miene: „Kennen Sie das? Anfangs hat man Hunger, aber wenn es dann nichts zu essen gibt, dann schlägt es um – der Hunger scheint weg.“

Sein Blick ist unmutig, desinteressiert, unruhig, wie nach etwas Besserem suchend. Irgendwas drängt mich dennoch, meine Gedanken zu Ende auszusprechen und ich bringe einen Vergleich: „Der erste Bissen kann den Hunger wieder wecken – so wie sich ein Eiswürfel in einem Getränk auflöst.“ Und beende diese Worte mit einem unsicheren Lächeln.

Ich meine zu spüren, dass er sich mit mir langweilt – dass ich langweilig bin. Dass es ihn nervt, keinen interessanteren Gesprächspartner zu haben – ja, dass er sich praktisch hier wegwünschen würde, wenn es nur möglich wäre. Er lehnt sich im Stuhl weit zurück, lässt den Blick schweifen. Er möchte lieber angeregt mit jemandem plaudern, der ihn kennt und deshalb die passenden Themen auf den Tisch bringen kann.

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