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Das Traumerinnern

Traum:
Ein karger Aufenthaltsraum; vielleicht eine Wärmestube. Mike sitzt links von mir auf der Bank. Vor uns ein einfacher Tisch, auf dem mein Traumtagebuch liegt – real ist es einige Jahre her, dass ich solch eines verwendete. Ich ergänze gerade meine Traumnotizen der letzten Nacht. Fünf Träume waren es, und die krakelige Schrift lässt sich nur mühsam entziffern. Aber die Träume sind noch sehr präsent in der Erinnerung.

Während ich schreibe, bemerke ich plötzlich, dass ein Mann, der schon die ganze Zeit rechts von mir am Tisch sitzt, auf meine Notizen aufmerksam wurde. Er versucht, einen unauffälligen Blick darauf zu werfen. Ich drehe mein Buch ein wenig, damit er es nicht lesen kann. Mache mit den Notizen weiter, versenke mich nach innen, schließe die Augen und gehe zurück zu den Träumen. Dabei reibe ich sanft mit dem linken Daumen einen Punkt mitten auf meiner Stirn. Offenbar regt das zu einer besseren Traumerinnerung an. Mir war bisher nicht bewusst, dass ich das so mache, oder dass es überhaupt hilfreich wäre. Erst durch die Gegenwart des Mannes – er ist mir bekannt, ohne dass ich ihn kenne – wird mir das bewusst. Merkwürdigerweise ergibt sich tatsächlich der anregende Effekt, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob ich das sonst, wenn ich allein bin, auch so mache oder ob ich damit nur Eindruck schinden will.

Nach wie vor versucht der Mann meine Notizen zu entziffern. Ich hebe einen Buchdeckel an, um seinen Blick abzuschirmen. Ich mag es nicht, wenn sich das Geschriebene ganz direkt und leibhaftig mir zuordnen lässt – es ist so/zu nah! Ja, in meinem Blog darf jeder mitlesen, denn da bleibt es unpersönlich.

Mike freut sich, dass ich fünf Träume erinnern konnte und fragt, wie weit ich mit dem Buch gekommen bin, das ich gerade lese.
„Ja“, sage ich begeistert, „allein die Ausführung der in dem Buch vorgeschlagenen Übungen führt zu solch reichhaltigen Traumerinnerungen!“
Ich schlage das Buch – „Die Liebe ist (k)ein Kinderspiel“ von Krishnananda – auf und zeige, dass ich bereits sechzig Prozent gelesen habe. „Es liest sich wie von allein und eh man sich versieht, hat man es durchgearbeitet“, erzähle ich begeistert. Mike überlegt, das Buch seinen Kollegen zu empfehlen.

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